Volltext: Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Vierter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Zweite Hälfte: Späher, Läufer und Schwimmer (4)

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$)ie Säufer, ©teljößgel. ^btffe. 
SDte «Stimme tft eitt Reiferer, toenig hörbarer Saut, ober eigentlich gar feilt foïd^er, fortberrt mehr 
ein ©eräufcf), toeld^eä tote „9tah" Hingt, uub nur auf toenig Sc^ritte Çin vernommen toirb. Son ben 
jungen hört man gutoeilen, aber ebenfalls feiten, noch «« eigentümliches Bifd^en; anbere Stimmlaute 
fcheinen bie Sichler nicht ju bepen. 
£>aS ABefen entflicht bem oben rücfftchtlicb ber ganzen Familie üJiitgctheilten. Auch bie 
Sichler gehören gu ben flugen, Oerflänbigen Slitgliebern ihrer Familie. Sie befunben fcf;einbar 
einen getoiffen ©rnfi, ftnb aber in SBirflichfeit fehr fröhliche, ja fogar iibermüthige ©efdjöpfe, toelche 
eine getoiffe 9^ecfluft geittoeilig offenbaren unb fte nicht blo^ unter einanber, fonbern auch anberen 
Vögeln gegenüber betätigen. An Sorftcht unb Scheu ftehen fte ben übrigen Suntpfoögeln nicht 
nach: eS hält faft ebenfo fehler, einen oon ihnen, als einen SradjOogel <gu hintergehen. £)a, mo fte 
ft«h anfäffig gemalt haben ober auch nur ^eittoeilig aufhalten, lernen fte fehr halb bie gefährlichen 
2Jtenfchen oon ben harmlofen unterfcheiben, alfo beifpielSioeife begreifen, baß ihnen ber ungarifche 
Sauer ebenfotoenig oerberblich toirb, toie ber egpptifche gifler, toährenb fte am 9fäle, toie an ber 
®onau ben Säger unter allen Umflänben ängftfich meiben. Am Sienfalehfee flogen biefenigen, toelche 
ich beobachten fonnte, oon bem Schlaffe auS, ftetS in bebeutenber Höhe nach Stellen in ben 
Sümpfen, toel^e bie Annäherung eine! ÇeinbeS erfebtoerten ober ihnen bod) freie AuSftdjt geftatteten, 
trieben ftd) hier toährenb beS Stages umher unb lehrten erfi mit Einbruch ber ^Dämmerung nach ben 
3buheptähen gurücf, regelmäßig nach Säumen, toelche auf Snfeln inmitten beS Sees ober ber ihn 
umgebenben Sümpfe felbfi ftanben, ober hoch fonft fchtoer zugänglich fchienen. An ben einmal 
gewählten Schlafpläfcen hingen fte freilich mit folder Sorliebe, baß man nur unter ihnen anjuftepen 
brauste, um reichlicher Seute getoiß §u fein, ja baß felbft toieberholte Schüffe, toelche unter ihnen 
baS höd;fte (Sntfefcen heroorriefen, fte nicht zu oertreiben im Stanbe toaren. Oroh ihrer Sorftcht 
habe ich übrigen» niemals beobachtet, baß auch fte ftch, toie bie Oorher betriebenen SchttepfenOögel 
unb ^ühnerftel^en, gu ABarnern unb Seitern beS ßteingeflügelS aufgefchtoungen hätten. 
Se nach ber Oertliöhfeit unb SahreS^eit nährt ftch ber Sichler oon oerßhiebenem ©etiler. 
Aßäljrenb beS Sommers fcheinen Äerbthierfaroen unb ABürmchen, aber auch auSgebilbete Æerbtpiere, 
inSbefonbere #eufchrecfen, Sibetfen, Ääfer u. f. to. bie Hauptnahrung auSgumachen; im hinter 
erbeutet er Stufcheln, ABürmer, giften, Heine Surcpe unb anbere ABafferthiere. (Sr burebtoatet, 
um Nahrung zu fuchen, baS feilte ABaffer ober fliegt auf Siehtoeiben hinaus, fchetnt ftch aber 
toeniger als anbere Arten feiner Familie in ber Steppe ober im $efbe zu befebäftigen. 
Naumann ftellte zuerft mit Seftimmtheit feft, baß ber Sichler in (Suropa brütet, oermochte 
aber feine auf eigene Seobact;tung gegrünbete Sefd)reibung beS ^ortpflan^ungSgefchäfteS zu geben. 
Sie erhielten toir cütfangS ber fünfziger Sahre burch Söbenftein. SormalS foil ber Sichler auf 
ber Dîeiherinfel bei Selgrab unb ebenfo in ben Sümpfen bei Oppara häufig genifiet haben; als 
Söbenftein bie SDonautieflänber befuchte, hatte er biefen Ort oerlaffen unb bafür unfern beS OorfeS 
®upinotoa ftch angeftebclt. ®er Srutplah ioar ein mit bittern 3îohrtoalb bebeefter Sumpf, in 
meinem hin unb toieber acht bis gehn $uß hohe ABeibenbüfd^e ftanben. Auf jenen nifteten bie Söget, 
unb gtoar in einer bebeutenben Anzahl, fobaß fte immerhin ben feisten Oheil öeS bort oerfammelten 
©eflügetS auSmachen mochten. £u ihren Heftern toählen fte gern alte Hefter ber «einen Reiher, 
potfiern fte höchftenS mit Stroh beS ftolbenfchilfeS aus, unb machen fte baburch fchon oon toeitem 
fenntlich. 3h*c brei bis oier blaugrünen (Sier, toelche benen einer HauShenne an ©röße gleichfommen, 
finb länglich, ftarffchatig, bie Färbung ift ein fchöneS Slaugrün, toeldjeS zutoeilen inS Staßgrüne 
überspielt, ©etoöhnlich ftehen bie Hefter in mittlerer Höhe beS ABeibengefhäuchS ; hoch finben ftch 
auch einige tiefer unten unb gar nicht feiten in unmittelbarer tftähe eines Oberer; ober Scharben; 
nefteS. ABährenb ber Srutgeit fteÇt man baS bunte ©emifch biefeS oerfc^iebenartigen ©epgelS auf 
ben hohen Steigen beS ©efträucheS pen unb erfennt bie «Rifipläfce nicht bloS an biefen Serfamnt; 
lungen, fonbern auch baran, baß baS ©efträuch bur<h Öen fd^arfen Unrath feiner Stätter ent; 
btößt ift.
	        
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