Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Vierter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Zweite Hälfte: Späher, Läufer und Schwimmer
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29460/596/
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SDte Säufer, ©teïgoôgeï. trappen. 
mit größter Sel)utfamfeit, inbem eê fid; förmlid) heranfcbletcht, läfet ftd) fo Zeitig alê möglich fe^en, 
unb legt, foBalb eê Bemanb bemerft, ben toährenb beê Srütenê aufrecht getragenen £alê ber Sänge 
nad) platt auf ben Soben T^in. fRa^t ftd) ein geinb, fo fd)feid)t eê nngefe^en im ©etreibe fort; 
t'ommt iï)m eine ©efal)r plöhlid) über ben $alê, fo ergebt eê ftd) ftiegenb, ftürgt ftd; aber halb toiebcr 
ittê (betreibe herab unb geht in i^nt toeiter. Serben bie ©ier oon einem 2ftenfd)en mit bloßen 
£änben berührt, fo lehrt eê nie lieber gu ihnen gurüd, unb ebenfo oerläfjt eê baê fReft, toenn bie 
nädjfie Umgebung beffelben arg vertreten mürbe. „Sei ftarfem ©inbe", fagt «Raumann, „toenn 
eê toegen Naufdhenê beê ©etreibeê bie fÇu^tritte nicht fotoeit oernimmt, toirb eê gutoeilen fo über- 
rafd)t, bafe eê nur toenige ©fritte oor bem $erannal)enben oorn Neffe polternb auffliegt. Sîan 
fann aber barauf regnen, bajj eê nad) einem foïd;en Sorfade nid;t toieber auf baê Neft gurüdfel)rt. 
Nur bann, ioenn eê fd)on fo lange gebrütet patte, bafj bie ©ier bem Nuêfd)lüpfeu nape ioaren, nur 
bann gept eê aud) mandpmat toieber auf baê SReji unb brütet feine ©ier oottenbê auê." Nad) etioa 
breifeigtägiger Sebrütung entfdplüpfen bie toodigen, bräunlichen, fdptoarg geftedten Bungen bem ©ie, 
toerben burd) bie Sßärme ber Gutter getrodnet unb bann oon biefer toeggefüprt. ©o unbeholfen 
fte ftd; anfänglich auch beioegen, ihre Stutter liebt fte mit pingebenber Bärtlidpfeit, gibt ftd) bei 
©efapr, baê ihr fonfi eigene Sßefen oergeffcnb, rüdftdptêloê bem geinbe prêté, flattert angftood nahe 
oor bem Nupefißrer bahin, übt bie unter ben Hühnern gebräuchliche $unft ber Serftedung unb feprt 
erft, toenn eê ihr glüdte, ben Napenben irre gu führen, gu ben ßinbern gurüd, ioelche fetch, fadê eê 
irgenb möglid) ioar, an einer geeigneten Oertlidpfeit auf ben Soben briidten unb in ber ©leidpfarbigs 
feit beffelben mit ihrem bleibe einen oortrepdjen ©cpuh fanben. £>ie elfte ßinbpeit oerbringen bie 
Krabben faft nur im ©etreibe; erft fpäter unb aud) bann bloê, toenn bie Nlte in ber gerne leinen 
Sßenfdpen bemerft, führt fte ihre jungen auch toopl einmal auf freieê Sradpfelb, immer aber nur 
fotoeit, bafj fie rafd) toieber ben 3ufïud)têort erreichen fann. kleine ßäfer, ^eufdpreden unb SarOen, 
toeldpe oon ber Stutter t^eiltoeifc auêgefcharrt ober gefangen unb ben Büchlein oorgelegt toerben, 
bilbett bie erfte Satzung ber jungen Srappen. ©rft ziemlich fpät lernen fte eê, felbft gutter aufe 
gunepmen, unb ioenn fte fotoeit gefommen, beginnen fie auch ©rüneê mit gu freffen. ©ttoa einett 
Stonat nach bem Nuêfd)lüpfen ftnb fte fähig getoorben, ein ©tüd toeit gu flattern; oiergepn Sage 
fpäter fliegen fie bereitê ziemlich gut, unb nunmehr burchftreifen fie mit ben ©Item größere ©treden. 
Um trappen gugäpmen, mufe man fte jung eittfangen; benn alte ertragen ben Serluft ihrer 
greipeit nicht. 3d) ^abe fcfe>ort oben bemerft, ba§ eê burchauê nicht fo fd)toierig ift, alê bie älteren 
Naturforfdper glaubten, trappen grofj $u siepen. Namentlich bie Ungarn beftfcen eine grofe gerügt 
feit hierin, ©ê gibt hier einzelne Siebhaber, betten fo leicht fein junger trappe gu ©runbe geht. 
Sefonberê geübte Büd)ter geben fetch nicht einmal bie Stühe, bie Bungen erft gu fangen, fonbern laufen 
ben Wirten bie im gelbe gefunbenen ©ier ab unb laffen biefe in ihrem ©epöfte oon £üpnern ober 
«Putern auêbrüten. Berftüdelte £eufcpreden, Slepltoürmer, Sröddpen oon bem gleifd)e garter 
Büchlein bilben bie Nahrung ber foeben auê bem ©i gefommenen Srappen, ettoaê herbere gleifdpfoft 
baê gutter älterer, biê fcpliefjlid) ©rüngeug unb Körner gereicht toerben fönnen. ®ie ©rnährung 
felbft foil faum ©dhtoierigfeiten oerurfachen, biefe oielmeljr barin liegen, bafe bie Srappenfüdplein 
höchfet empftnblid) gegen bie Näffe ftnb unb bem gu golge ftetê fehr toarm unb troden gehalten toerben 
müffen. ©egentoärtig fehlen trappen feinem unferer Spiergärten, bie Heineren podänbifdjen unb 
belgifcpen oiedeiept auêgenommen. Son Sßiett ober Sßeft auê fönnen toir fooiele lebenbe erhalten, 
alê toir tooden, unb fchon jefet ftnb bie greife auf ungefähr gtoangig Shaler für baê ©tüd herunter^ 
gegangen, ^aben ftdp bie trappen erft an ein paffenbeê ©rfafcfutter getoöhnt, fo halten fte ftch, ohne 
eine eigentlidhe forgfältige Nbtoartung gu oerlangen, jahrelang, unb gtoar um fo beffer, je größer ber 
für fte beftimmte Naum unb jemehr man fte ftd) felbft überläfet. ©in ©tadleben oertragen fte nad) 
meinen ©rfahruttgen nicht: fte müffen ©ommer unb hinter int greien bleiben, ©in Srappenpaar, 
toeld;eê ich beobachten fonnte, betool)nt nunmehr fchon feit brei Bahren fein @el)ege unb hat nie Ser; 
anlaffung gu Seforgnife gegeben. ®er männliche Sogei biefeê Saareê ift ein ftolgeê ©efdhöpf
        

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