Volltext: Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Vierter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Zweite Hälfte: Späher, Läufer und Schwimmer (4)

462 
©te Säufer, ©djarrfeögef. $afanen. 
ben feerfiänbigerett ^afanettmärtern einige bon ben fo 51t jagen mitbtebenben ^afanen eingefangen 
unb in ben sur j$ud)t beftimmten S^tnger gefperrf, um Çier ©ter su ergeugen; außerbetn Iä§t man 
burd) abgerid)tete jpunbe bie im freien gelegten ©ter sufammenfudjeu, unb menu man eine geniigenbe ' 
3(nsat)I feon ihnen ^at, fe^t man, momögtid) an ein unb bemfelben £age, fo feiete ©rutpennen sum 
«Brüten an, at§ man eben beftfct. liefen atoar treuen, aber äußerft ungefdjidten Pflegemüttern feer; 
traut man fpäter bie jungen Çafanen an, läßt eine SJlaffe feon ihnen burd) fte sertreten unb reicht 
ben ®üd)lein nod) außerbem fo ungeeignete Nahrung, baß e§ ben ©adjfeerftänbtgen Pßuttber nimmt, 
tote nod) immer fo feiele oon iljnen großgejogen merben. @0 ge^t e£ geifeiß nic^t in allen f^afanerien, 
aber bod) in fe^r feieten, unb bie gafanentoärter, welche s« bem unpaffenben gutter auch nod) bie 
Quälerei mit bem «ftäudjern fügen, ftnb feineêmegê fd)on abgeftorben. 
§ür ben ©adjfeerftänbigen'bietet bie Slufsudjt ber ftafanen laum ©djmierigfeiten. ©ie erforbert 
aïïerbingê Slufmerffamfeit unb eine forgfältige Pßaht ber ^rungêftoffe, je nach bem per ber 
®üdjtein, nid^t aber fo außerorbenttidje Porfehrungen unb namentlid) fo tounberbare guttermifd)ungen, 
mie einseine 3üdjter glanben machen molten. 
(Schmerlid) gibt e3 ein anbereS £ü(jn, metdjeê fo feieren ©efahren auSgefefct ift Joie ber gafatt. 
@r unterliegt meit e^er atê alle Permanbten flimatifdjen ©inflüffen unb mirb ungleich häufiger alê 
jene feorn Sîaubseug aller Slrt gefangen, ©ein ärgfter $einb ift ber $ud)3, meldjer fepr halb merit, 
mit mb für einem einfältigen ©efdjöpfe er e§ su t^un Ijat unb bann beffen ^agb ebenfo regelrecht 
betreibt mie ber 9Renf<h, aber nod) beffer als biefer jebe ©elegen^eit mahrnimmt, ba§ mohlfdjmedenbe 
2Bilb su berufen. SDie jungen gafanen merben feon ÜRarbern unb ®ahen meggenomrnen, bie ©ier 
im «ftefte feon Sgetn unb hatten gefreffen. Pon ben gefieberten Räubern treibt e3 s^ar e*n^Sev 
fo arg mie ber gudjê; aber Habicht unb ©herber, Pßeih unb Milane thun auch baê Shrige, unb felbft 
ber täppifche SSuffarb ober ber Stabe, bie krähen, ©Iftern unb $eÇcr nehmen mandjeê Büchlein »eg, 
übermältigen mand)en Sitten. ©0 erflärt e3 ftd), baß bie ftafanensudjt nirgenbS günftige ©rgebniffe 
liefert unb baß namentlich in «ftorbbeutfdjlanb jeber einseine gafanenbraten bem SBeftfeer beê ©ehege3v 
brei= biê feiermal mehr foftet, al3 er merth ift. 
«813 sum Sahre 1848 mar e3 in manchen Säubern nur nach erfolgter (Genehmigung beê SanbeS* 
herrn geftattet, ^afanerien ansutegen; benn ber fÇafatt gehörte sui’ h°^en 2>agb unb burfte beêhalb 
auch nur feon feornehmen Seuten erlegt merben. ©eine Sagb gemährte biefen ein gans abfonberticfb 
Vergnügen, feielleicht auch beêhalb mit, meil fie leichter ift alê irgeub eine anbere. ^ebermann, 
welcher einigermaßen fein ©emeljr su hanbt)aben feerftel)t, ïann fte betreiben; ein Säger ift nicht feon 
«Röthen, ©benfo leicht mirb ber einfältige Poget in fallen aller Slrt berüdt. ©eine bumme ©org= 
lojtgfeit geht fomeit, baß man na<ht2, menn er gebäumt hat, ihn buchftäblid) mit einem £afen feom 
«Baume herabhoten fann. ©in foldjeê Sßitb macht feinem mähren Säger $reube, unb beêpaïb mirb 
aud) ber $afan ober irgenb ein anbever feiner nächften Permanbten faunt noch eine 3ulunf* ha^en: 
bie Seit, in meldjer man ©aufenbe auêgab, um alljährlich einige biefer 3Sögel fd)ießen su föunen, 
ift bereite feorüber. 
©ufeier hat suerft bie Meinung abgebrochen, baß ber ho^berühmte SEßunberfeoget Phönir 
mohl ber ©olbfafan fein möge. 5ln§ ben ©^itberungen, metd^e bie Sitten ub hmtertaffen haben, 
läßt ftd) £)ieê nun smar nicht mit Sicherheit herabtefen; mohl aber paffen ältere ïateinifdje ©ebiçhte, 
metd)e feon bem Phönir haubein, fo genau auf ben ©olbfafan, baß menigftenë il)re Perfaffer feinen 
anberen Pogel im Singe gehabt haben fönnen. 
®er ©olbfafan seichnet ftd) burdj feinen fd)önen ^alêfragen fo mefentlich feor aüen übrigen 
Permanbten ab, baß er mit 9ted)t jum Pertreter einer befonbern ©ippe erhoben.fem'^tt ift. Steuer^
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.