Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Vierter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Zweite Hälfte: Späher, Läufer und Schwimmer
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29460/45/
Kleiber. 
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permit unb Wirb bann nidjt leicht gefeljen; gu Weiten tfi er fo gutraulidj, baß er oft wenige ©fritte oor 
bem 9Jienfcl)en fein SBefen treibt." (Sr ift beftänbig frö^Iic^ unb guter B)inge, unb Wenn er Wirtïidj 
einmal traurig au!jteht, fo beWeift er im nâdjfien Slugenblid, baß B)ie! nur ©djein War ; benn traurig 
wirb er in bei* Bhat erft bann, Wenn er Wirtlid) tränt ift. ©eWöhnlid) macht er ben ©inbrud eine! 
munteren, rcgfamen, gugïeich eine! liftigen unb oerfdjtagenen Boget!. „©in .^auptgug in feinem 
SBefen", fährt mein SSater fort, „ift Siebe gur ©efeHft$aft, aber nicht foWoS gudeinesgleichen, 
fonbern gu anbern Bögeln, namentlich gu ben Bteifen unb Baumläufern. SCTbe^r al! gWei, brei ober 
nier Kleiber hübe ich, toenn nicht bie gange Familie noch bereinigt War, n*e gufamtnen angetroffen. 
(Sie fittb, ba fie ihre Nahrung mühfam auffuchen muffen, Ser unb bertheilt unb gewöhnlich bie 
Anführer ber hinten, Rauben = unb Bannenmeifen, unter Welche ftch oft auch bie ©umpfmeifett, bie 
Baumläufer unb bie ©olbhähndjen mifchen." üMturtter fd^Iie^t ftd) ein oereingelter Buntfpedjt ber 
©efeHfcpaft an unb hält bann längere Beit gute ©emeinfdjaft. „BSelche! non bief en fo berf«hieben= 
artigen ©liebem ber ©efettfdjaft ber eigentliche Anführer ift", fügt Naumann $tngu, //°^er Ibeliheê 
bie erfte Beranläffuitg gu folder Bereinigung gab, läßt fidj nicht beftimmen. ©iner folgt bem 9tufe 
be! Slnbern, bi! ber Brteb gur ^ortpflangung in ihnen erWadjt unb bie ©efeltfd;aft auflöft." B)iefe 
©enoffenfchaften ftnb in allen unfern Bßälbern eine fehr gewöhnliche ©rfcheinung, unb Wer einmal 
ben begeichnenben Socfruf unfere! Kleiber! tennen gelernt hat, tann fie, burd) ihn geleitet, fehr leicht 
auffinben unb felbft beobachten. ©2 $errfd[jt eigentlich lein innige! Berljältniß unter ber ©efamint; 
heit, aber hoch ein entfd^icbener 3ufammenhang; benn man trifft biefelben Bögel ungefähr in ber 
gleichen Slttgahl tagelang nad) einanber an oerfdciebenem ©teilen an, unfere Kleiber aber feiten mehr 
als gu gWei ober brei ©lüden unter ber guWeilen fehr gasreichen SJtenge Oon ÏÏReifen unb 
ähnlidjem Bolt. 
B)er Sodton ift ein flötenbe!, helleê „Bü tü tü", ber gewöhnliche Saut aber, Welcher fortwährenb 
gehört wirb, ohne baß er eigentlich ©twa! befagen Will, ein turge! unb nidjt Weit hörbare!, aber hoch 
fdjarfe! „©it". ' Slußerbem oernimmt man Böne, Welche Wie „girr twit twit twit ober twät twät 
twät" Hingen. B)er $aarung!ruf befteht au! fehr fchöuen, laut pfeifenben Bönen, Welche Weit 
oernommen Werben. B)a! „Bü tü" ift £>auptfache; ihm Wirb „Ouü quü unb tirrr" gugefügt. B)a! 
SMnndjen ft^t auf ben Baumfpiben, breht ftd) t;m unb fyx unb flößt ba! „Bü" au!; ba! Bßeibdjen, 
Welche! ftch möglicher Weife auf einem Baum befinbet, äußert ftch burd) „twät". B)ann fliegen beibe 
mit einanber herum unb jagen ftch fpielenb hin unb her, halb bie Bßipfel ber Bäume umflatterub, 
halb auf ben Sleften ftaden ift fein ©d)nabel gu fchWad), unb bc!halb arbeitet er nie 
Söchcr in ba! £olg; Wohl aber fpaltet er oon ber ÜJiinbe giemlid) große ©tüdchen ab. Bei feiner 
^erbthierjagb tommt er nicht feiten unmittelbar an bie ©ebäube heran, flettert auf biefen umher unb 
hüpft Wopl fogar in bie Bmtmer herein, „©benfo gern al! Äerbthiere", fagt mein Bater, „frißt er 
auch ©ämereien, namentlich Utotljbuchen unb Sinbenttüffe, 2lhorn;/ tiefer?, Barntens unb Richten; 
famen, ©icheln, ©erfte unb $afer. Sille biefe ©toffe h«^ ^ ™ feinem äftagen gefunben. Bei 
OöHig gefdfloffenen 3
    

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