Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Vierter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Zweite Hälfte: Späher, Läufer und Schwimmer
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29460/434/
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®ie Säufer. ©djamögel. Saumhühner. 
ftd) unter bie .JpauSljühner, vertrauen ftdj gleidhfatit bereu Rührung an unb nehmen bie Srofanten auf, 
toeld)e oon bem Sifcpe iprer glüdlidperen Sertoanbten fallen, $inben bie liebenStoiirbigen unb an; 
mutigen Settler gaftlicpe Slufnapme oon ©eiten ber Stenfdjen, fo nehmen [ie ioäprenb ber böfett Beit 
gern in ber Scape ber Söopnung ipreS ©aftfreunbeS Verberge, unb je ntepr ipr Vertrauen fteigt, um 
fo gutraulidjer toerben fie : einzelne oon folgen SBitblingen foden gu falben ipauStpieren geioorben fein. 
SDie Sauuüoadßel eignet ftd^> ebenfo fepr gttr Büpmung, trie gur ©inbürgerung in anbere ©egen; 
ben. ©efangene, ioeldpe attfänglid) mit einiger ©orgfalt bejubelt unb Oor allen Singen in Käfige 
mit meiner Seitttoanbbede gefperrt lourben, föhnen fiep fdpon nad) einigen Sagen mit iprem Soofe 
auS, Oerfieren halb alle ©djeu unb gemö^nen fiep in überrafdpenb turner Beit an ipre Pfleger. 5Rod^ 
leidster freilidj laffen ftd) biejenigen gasmen, meldfie unter bem Singe beS SJtenfcpen groß getoorben ftnb. 
Sie Slmerifaner Oerftdpern, baß man gutoeilen Saumtoadpteleier in ben Steftern berjenigett $üpnet 
ftnbe, treidle außerhalb beS ©epöfteS brüten, baß foldje ©ier and) ioopl gegeitigt unb bie jungen Saum; 
toadpteln mit ben eigenen ®nd)tein ber Pflegemutter groß gezogen ioerben. Slnfättglicp foKen fie fiep 
gang toie ipre ©tiefgefeproifter betragen, b. p. jebem Sodrufe ber jpentte folgen, mit ipr inS innere beS 
©epöfteS fommen; fpäter aber pflegt bod; ber $reipeitStrieb in ipnengu ermaßen, unb menu ber $rüp; 
ling fournit, fliegen fte regelmäßig baron. Son gtoei Saumtoacpteln, toebpe auf fold^e Söeife erbrütet 
toorben toaren, ergäbt Sßilfon, baß fie, naepbem fte ber ©tiefmntter bereite enttoadpfen, eine 
eigentümliche Buneigung gu ®üpen geigten, ©ie begleiteten biefe überall pin, auf bie Söeibe pinattS 
unb toieber nadp bem ©epöfte gnrüd, unb als im SBinter bie beerbe eingebrad)t tourbe, folgten fie ipren 
^reunben bis in ben ©tad. Slber aud) biefe beiben flogen mit Seginn beS ÇrüpliitgS pinauS auf 
ipre gelber. Sadpmattn oerfudpte eine größere Slngapl oon Saumtoacpteln gu gasmen, ©r ließ 
im $elbe ©ier fudfen unb legte biefe Santampüpnern unter. Sie auSgefdplüpften Sungen folgten 
iprer Pflegemutter, als ob fie beren eigene ®inber toären, halb barauf audp iprem ©ebieter, toeldper 
bie Sorfidpt gebrandet ^>atte, ipnen baS äußerfte $tügetgetenl toeggufdpneibett. ©ie tourben fo gapm, 
baß fie ungefdpeut in baS innere beS Kaufes lauten, auf ben Sifdp flogen, an toeld)em ipr Pfleger 
fdl;rieb, unb biefem tu bie .fpänbe Rieften. Spre Stadptrupe oerbradpten fie in einem .Jpüpnerlorbe, 
melden man in ben ©arten geftellt butte. Seiber holten bie $apen ber Stadpbarfdpaft fo riete Oon ihnen 
toeg, baß im nädhften f5:rühicihre nur noch gtoei SBeibd)en unb eine größere Slngaht oon SJtänndpen übrig 
toaren. Siefe belebten jept bie llmgegettb bureb ihr lautes unb loopltönenbeS Stufen, toeldpeS ftdp, 
obgleich fte bodp leine Slnleitung gehabt, oon bem ber freilebenben nid)t im geringften unterfchieb. 
©ie lätnpf ten unter einanber, aber auch mit Sauben unb jungen .fpüpnern, toelche gelegentlich ihr 
©ebiet betraten. 3>wr Ski legten beibe Söeibdpen in ein unb baffelbe Sceft, unb bie ©ier ionrben Oon 
einer ipauSpenne auSgebrütet. Sadpmattn lonnte biefe Serfudhe nicht toeiter Oerfolgen; anbere 
Seobadhter aber toaren glüdlid)er unb ergogen, namentlich in gefdjtoffenen Stäumen, ohne alle SJtüIje 
oiete biefer nieblichen Söget. Sn unfern Shiergärten brüteten bie Saumtoadjteln am fidherßen, toenn 
» man fie angemeffen füttert, ftd) fonft aber möglid)ft toenig um fte bekümmert. Shre erßaunliche Frucht; 
barleit ift ber Serntehrung überaus günftig. Sßotlte man bei uns gu Sanbe benfelben Serfudh tragen, 
joetdjen bie ©nglänber bereits auSgeführt hüben: eS toürben Joenige Paare genügen, um gunäd)ft eine 
Çafanerie unb oott biefer auS ein Steoier mit bem oieloerfprechenben SBilbe gu beoöllern- ©in foldher 
Serfudh toirb, toic ich mir gu behaupten getraue, toenn er oott ©adijoerftänbigen unternommen toirb, 
nidht fehl fdjlageit; benn felbft bie unfereS gemeinen Çufcmen oerurfadht größere SOtühe unb 
©a^lenntniß als bie ber Saumtoachteln. 
Sie Sagb ber festeren toirb oon ben Slmerilanern gern betrieben, obgleich fte nidht fo leidet ift, 
ioie bie auf nufer Stebhuljn. Sie Saumtoadhtel läßt ftd) nämlid) nicht oom jpunbe ftedeit, fonbertt 
fucht, toenn fie ©efaljr fteht, fr'ch laufenb gu retten; bann, im äußerften Stothfatfe, ftel)t eine hter, bie 
anbere bort auf, geloöhnlidh bidht Oor ben f^üßen beS SügerS, toeldjer ein guter ©dhith fein muß, toenn 
er ber rafd) bahineilenben Sente habhaft toerben toiU. Sïod) fd)ioieriger toirb bie S«g^, toenn ein 
Soll Saumtoachteln gliidlid) beit SBalb erreicht hat; betttt bamt pflegen alle, tocld)e fid) erheben, gu
        

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