Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Vierter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Zweite Hälfte: Späher, Läufer und Schwimmer
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29460/38/
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®ie ©paper. ®Ietteroögel. Töpferoögel. 
9îadp Drbignp’g Angaben lebt ber Sepmpang, ungefähr nadp 2lrt unferer Oroffetn, ebenfomopl 
auf bert 3toeigen, mie an bem Soben. ©egloeig ifl er fepr lebhaft unb Reiter, unb namentlich 
bie iounberbarc Stimme läf}t er päufig ertönen. 9Jtan ftnbet ipn immer ^aartoeife unb meift für 
fidp allein; bod> tommt eg Oor, baff einer ber beibett ©atten ftd^ aucp einmal mit anbern Vögeln geit; 
meilig oereinigt, unb bann famt eg, mie Orbignp fagt, nidptg Æomifdpèreg geben, alg bag üor; 
fid^tige ©ebapren beg SJtänndpeng, obgleich eg nicht gu Tpätlicpfeiten lommt. Oie Nahrung befielt 
aug $erbtpieren unb Sämereien, laut vSurmeifter, nur aug erfteren, meldpe Oont Soben auf; 
genommen merben; benn an ben 3^eigen fte^t man ben TöpferOogel nie nadp folgen jagen unb noch 
Weniger fïiegenbe $erfe »erfolgen. 2luf bem Soben betoegt er fîth fehl' getoanbt, inbem er mit 
großen Sprüngen bapinpüpft; ber $lug bagegen ifl, ben furzen klügeln entfprecpenb, nicht eben 
rafdt) unb mirb auch niemals meit auggebepnt. Oie Stimme muff ^öd^ft eigentpümlicp fein, meil 
alle Sefdpretber iprer augbrücflidp gebeuten, bie ©inen mit SSoplmoften, bie 2lnbern in minber günftiger 
SSeife. „Seine taute, meit Oentepmlidpe Stimme", fagt Surm elfter, „ift gellenb unb ïreifdpenb, 
unb gemöpnlidp fdpreten beibe ©atten, irgenbmo auf einem £>aufe ober Saume ftpenb, gugleicp, aber 
in Oerfcpiebenen Tönen unb Tonleitern, bag Männchen fdpnetler, bag Skibdpen bebeutenb langfamer 
unb eine Terg tiefer. Ueberrafdpenb ift biefe 2lrt unb SGBeife allerbingg, menu man fie bag erfte Stal 
port, aber angenehm gemifj nicpt, gumat ba bag Sogelpaar ©inem ftetg in bie 3tebe fallt, b. p. gu 
fcpreien beginnt, ioenn man irgenbmo fiepen bleibt unb laut fpredpenb ftcp unterhält. 3>m ©arten 
beg iperrn Dr. Sunb gefdpap mir Oieg tâglicp, unb oft äußerte mein freunblicper äöirtp, ioemt bie 
Sögel ipre ©infpracpe begannen: Saffen Sie bie nur erft augreben, loir tuer b en bocp banebeu nidpt 
gu Sßorte ïommen." 
2Jîan bemerït batb, baf bie anfangg auffallenbe Oreiftigïeit beg Töpferoogelg ipre ooltfte 
Seredptigung pat. ©r gilt in ben Slugen ber Sraftltaner alg ein heiliger ober dpriftlicper Sogei, 
meil man behauptet, baf; er an feinem großen riefle beg Sonntagg nicpt arbeitet unb bag Çlugtodp 
ftetg nadp Often pin anlege. „Oafj leptere Eingabe nicpt ridptig fei", bemerft Surmeifter, „fanb 
idp halb fetbft unb überzeugte baoon audp meprere ©inloopner, meldpe icp begpalb gu 3tatpe gog; 
bie Sage, baff ber Sogei Sonntagg nicpt arbeiten foil, pat ioopl ipren ©runb in ber SdpneUigfeit, 
mit meldper er fein fcpmierigeg Töerf ootlenbet. ,!pat er nidpt gerabe am Sonntag begonnen, fo ift 
er fertig, epe ber näcpfte Feiertag peranfommt." 
*Oag 2teft felbft ift für bie flehten Sögel mirfticp ein ftaunengmürbigeg SBerf. Oie 
SteÏÏe, mo er baffelbe anlegt, ift gemöpnlidp ein oöüig magredpter ober mitunter felbft fcpmadp 
anfieigenber Tpeil eineg brei 3oII ober barüber ftarfen Sauntgmeigeg. Sepr feiten gemaprt man 
bag 9Teft an anbern fünften, auf Oädpern, popen Sailen, föreugen ber ®ircpen u. f. m. Seibe 
©atten bauen gemeinfdpaftlidp. 3uerft legen fie einen magredpten ©runb |aug bem in jebem Oorfe 
häufigen Sepmber ^aprtnege, meldper nacp ben elften 3begengüffen, bie um bie 3eü tprer Srutfidp 
einftellen, alg Strafenïotp gu entftefen pflegt. Oie Sögel bitben aug bemfeiben runbe klumpen, 
mie $linten!ugeln unb tragen fie auf ben Saum, pier mit ben Sdpnäbein unb güfen aug; 
breitenb. ©emöpniidp ftnb audp gerfaprene f$ftangentpeile mit eingetnetet. $at bie ©runbiage 
eine Sänge oon adpt big neun 3oH erreidpt, fo baut bag fktar an jebeg ©nbe berfeiben einen auf; 
märtg fiepenben, feitmärtg fanft uadp aufjen geneigten 9îanb, melcper am ©nbe am pödpften (big 
gmei 3oU pocp) ift unb gegen bie SUtitte ber Seiten fiep erniebrigt, fobafj bie 3*bänber oon beiben 
©nben per einen poplen Sogen bilben. 3fl biefer 3tanb fertig unb gepörig getroefnet, fo mirb 
barauf ein gmeiter, äpnlidper gefept, ber ftcp fdpon etmag mepr nadp innen gu überbiegt. 2ludp biefen 
lä^t ber Sogei guoörberft mieber trodlnen unb baut fpäter in berfeiben Steife fort, fiep oon [beiben 
Seiten gu einer Kuppel gufammenfcpliefenb. 2ln ber einen Sangfeite bleibt eine runbe Oeff; 
nung, meidpe anfangg fretgförmig erfdpeint, fpäter aber burdp 5lnbauen oon ber einen Seite per gu 
einem fenlredpt ftepenben ^albfreig oerlängert mirb. Sie ift bag f^iuglocp. 9Tie pabe idp biefeg 
anberg alg in foldper ^omt, in ©eftalt einer fenïredpten Oeffnung Oon brei big oier 3oH £>öpe unb
        

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