Volltext: Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Vierter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Zweite Hälfte: Späher, Läufer und Schwimmer (4)

278 
©ie Sciufer. ©irrrögef. $ufuf Stauben. Turteltauben. 
«Keibchen brütet, ernährt eg bag «Mundjen, erWeift ihm überhaupt eine Wahrhaft rüljrenbe Bärtlidjfeit 
unb Buneigung. Gg rerbient bemerft 31t treiben, baß bie Bungen regelmäßig ein Sßärdjen ftnb. 
©ie Sitten füttern ihre ©troffen, big biefe ftd) felbft ernähren tonnen; bann 0erlaffen fie bie Gltern unb 
bilben big gu ihrer Steife gefonberte Schwärme. Stad) fed^g SJlonaten finb fie fortyflangunggfähig." 
„Sobalb bie jungen auSgefrodjeu ftnb, beginnt ber ©eWaltherrfdjer, SHettfdj genannt, bie 
«Bruten gu rernid)tcn. Gr gieljt aug mit Sterten unb anbern SBaffen unb haut Slefte unb Säume 
nieber, ben Trieben ber ^awtlofen Slnftebter gu ftcren. Seim Bufammenftürgen ber gefällten 
©tämme unb Slefte treiben bie Bungen aug ben Steftern gefd)teubert unb Staffen ron ihnen rertilgt." 
SSitfon fdjtlbert ben Srutylah augführtidjer. „SKenn bie SBanbertauben einen Srutplah 
länger im Seftfc gehabt haben, bietet er einen überrafdjenbeu Slnblid bar. ©er Soben ift godhoch 
mit Stift bebcdt, atleg Weidje ©rag unb Sufdjhrlg ift gerftört. Waffen ron Slcften liegen unten, 
Ir irr burd) einanber, unb bie «Bäume felbft ftnb in einer Streife ron mehr alg taufenb Sldern fo 
rollig fahl, alg ob fte mit ber Slrt bebaubeit trorben trären. ©ie Spuren einer folgen SerWüftung 
bleiben jahrelang ftd>tbar, unb man flößt auf riele Stellen, tro in mehreren nachfolgenben Bahren 
leine «Pflange gum Serfdom fommt. ©ie Bnbianer betrachten einen folgen Srutylah alg eine 
tridhtige ©uelle für ihren «Kohljlanb unb gebengunterhalt Sobalb bie Beugen rödig auggetrathfen 
finb, erfreuten bie SeWohner ber umliegenben ©egenben mit Skigen, Setten unb $ochgeräthfd)aften, 
riele rom größten Ttjeil ihrer Familie begleitet, unb bringen mehrere Tage auf bent Srutplahe gu. 
Slugengeugen ergäl)lten mir, bag ©eräufdj unb ©efreifch in ben «Kälbern fei fo groß getrefeu, baß bie 
Sferbe fdjeu getrorben trären unb feiner bem anbern, ohne ihm ing ©hrJu [freien, ftd) rerftänblid) 
hätte machen fönnen. ©er Soben trat* bebedt mit gebrochenen Sleften, Ijerabgeftürgten Giern unb 
Bungen, ron benett gerben ron Sdjweinen ftd) mäfteten. .fpabidjte, Ralfen unb Slbler freiften 
fdjarenireife in hc»he^ Suft unb 'holten f«h uad) belieben junge Tauben aug ben Stefiern; bag 
Singe falj Stid)tg alg eine ununterbrochene, ftch tummelnbe, brängenbe, burch einanber flatternbe 
Taubenmaffe ; bag Staunen ber gittige glich bem Stollen beg ©onnerg. ©agwifdjen rernahm 
man bag ^raffeln ber ftürgenben Säume; benn bie 5?olgfd)läger trären jefct befchäftigt, biejenigen 
umgtthauen, treidle am bichteften mit «Heftern bebedt trären." 
Stau foHte glauben, baß bie Tauben burch berartige Slnftalten rertilgt treiben müßten. „B<h 
habe mich aber", bemerft Slububon, „burch jahrelange Seobad)tungen übergeugt, baß fte nichts 
Slnbereg alg bie Stobuug ber «Kälber gu rerminbern rertnag." But Ba^e 1805 famen in Seewurf 
Sd)ooner an, treidle mit Sknbertauben belaben trären. ©ag Stüd irurbe gu einem Gent rerfauft. 
Gin Scann in ^enuftylranien fing, trie Slububon ung mittheilt, in feinem Schlaggarn an einem 
Tage fünfljunbert ©u^eub unb gog gutreilen gtrangig ©u^enben ron ihnen bag Steh mit einem SHale 
über ben $opf. Stoch im Bdfjre 1830 famen fte fo häufig auf ben STcarft gu SteWtyorf, baß man fte 
überall maffentreife fah- ©ie rorftehenbeu B^hïen bünfen ung entfefelid) gu fein, trir bürfen habet 
aber nicht rerfennen, baß bei ung gu Sanbe unter ben ©roffeln unb SHeifen noch heutigen Tagg 
eine ähnliche Schläd)terci geübt wirb, ©ie «Kaubertauben treiben nur ba in SJtenge rertilgt, tro fte 
miHiouentreife auftreten, auf bie ©roffeln macht halb Guropa Bagb. ©ie färben beg ung ron 
Slububon unb SHlfon aufgerollten Stlbeg erfcheinen ung greller, alg fie eg foUten. 
Bn ber ©efaugenfehaft hält bie Sknbertaube bei geeigneter pflege jahrelang aug unb foflangt 
ftch auch ohne Umftänbe fort. Gegenwärtig fehlt fte itt feinem nuferer Thiergärten. Gg ift 
fehr Wahrfcheinlich, baß biejenigen, Welche in Gnglanb gefd)offen Würben, ber ©efangenfehaft ents 
fontmeit finb. 
* * 
* 
©ie Turteltauben (Turtures) bilben eine gasreiche, fehr übereinftimmenbe ©nippe. 
Sie ftnb fd)lanf gebaut, fleinföpftg, lattgflügelig unb lattgfd)Wängig, ihre Süße rerhältnißmäßig
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.