Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Vierter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Zweite Hälfte: Späher, Läufer und Schwimmer
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29460/243/
sßerloogel. ® o ï b 6 a r U' o g c t. 
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eigentümlichen ©cfattg, melier nach meinem Urteil burt bic ©Üben „©ufguï girre girre gufguf", 
nat Çartmann’ê 5XnftdE>t aber burd) „ïiur tiur" auêgefproten inerben fann. Seiber ©timmen 
Oerfd)metgeu in ber foitberbarften 2öeife mit einanber, fobaß ein mal)rer £onunfug entfielt, ein ©efang, 
fo oermorrett unb bunfet, baß man bie eingelncn Saute upt unterpeibeu bann, „ein ©tnurren", 
mie Hartmann mit noblem 9ted)te fagt. „Sebenfatté", meint biefer $orfd)er, „ift ber ©efang beê 
^ertoogelê einer ber fonberbarfteit nnb begeitnenbften SR atur laute, mette man in biefer ©egenb Oer; 
nimmt." 21 ber ber ©efang unterhalt gerabe bcpalb unb oielleid)t aut not au3 &ent ®vunbe, meil 
er mit fo oiel jpergettêfreube oorgetragen mirb, baß man bie ©efii^le be3 Sogelê nothmenbig teilen 
muß. Ucbrigenê liebt biefer e3 bnrd;auê nid)t, non mißbegierigen SRenpen meißer Färbung 
betaufd)t gu merben; mcnigfteuê pflegt er augenblidlit ftilX gu ptoeigen, fobalb fp ein ©uropäer 
feinem ©tanborte nähert, oerläßt aut liefen gemöhntp sur retten 3eit, foba§ eê nitt eben tept 
ift, fein Treiben in genitgenber 9cälje gu beobatten. 
3m übrigen lebt ber 5)3erloogel nat anberer feiner Familie. (Sr bemegt fp langfant in 
ben Saumfronen hin nnb her, lieft bort $erfe auf, gept Drütte au unb fud)t fp ©ämereiett 
gufammen. (Sr flettert fddedjt, fliegt halb fdpirrenb, halb pmebenb, npt gern loeit, liebt über? 
hanpt bie 3tuhe unb halt au bem einmal gemälzten ©tanborte mit großer 3ähigfeit feft, behnt aber 
bie ©rengen feiueê ©ebietê meiter au§, alê anbere Sartoögel jener ©egenb eê gu tun pflegen. 
» Ueber baê ^Xccft ftnb mir burd) ^»eaiglin unterrittet ioorben. „3n einem gunt 2Iin;©aba 
führenben ïïîegenbett", fagt er, „fanb it am 26. ©eptember baë üReft biefe§ Sogel§ in einer fenf; 
retten ©rbmaub. ©I mar ungefähr ad)t bi<§ neun $uß unter ber ipalfohle angebradjt. ©in'frété; 
runbeê, 2V2 Bolt int Ourpmeffer haltenbeê Sod) führte mit menig Neigung nad) aufmärt» etma gtoei 
3od tief in bie 2Banb in einen größeren, ruubliteren, nad) unten gulaufenben fRaum, ber oon bem 
Su ihm fül)renbeu ©ange nod) burd) eine 2lrt Heiner 2Baub gepieben mar. 3m Innern lag ein 
frifdjeë ©i, ohne alle Unterlage auf etmaê aufgeloderter ©rbe. ©3 ift im Sepältniß sum S5ogel 
mittelgroß, eigcftaltig, au beiben ©nben giemlp ftumpf, rcinmeiß, rofenroth burd)fd)einenb, außer; 
orbentlid) feinfd)alig unb gtängenb. 2lni 8. Oftober entbedte id) au einem ähnlpen Orte ein -Reft 
mit oier bebrüteten ©ierit. Oaê SReft mar bem oben beftriebeneu gang gleit; nur mar ba£ Sett für 
bie ©ier mit dRaloenfameu gefüllt. Ob ber üßerloogel feine 3Rifthöhle felbft gräbt, oermag it nitt 
gu fagen." 
2tté Sertreter ber aftatipen 2lrten habe id) ben ©olbbartOogel (Xantholaema indica) 
ermählt, meil mir über feine Sebeitétoeife einigermaßen unterrittet ftnb. Oie ©ippe, melte er Oer; 
tritt, fenngeitnet fp burd) furgeu, feitlit auggebaipten ©d)itabel, giemlit fpifce glügel, in benen 
bie britte, oierte unb fünfte ©tmiuge bie längfteu ftnb, unb einen furgeu, faft gerabe abgeftnittenen 
©tloang. Oaê ©efieber i|t grün auf ber Oberfeite, gilblit = ober grünlpmeiß auf ber untern; 
bie Gebern be§ 9^üdenê unb bie $tügetbedfebern ftnb gelblit gefäuntt, bic ber Sruft grünlit lângê 
geftreift, bie ©tim unb ein Æehlfledcn glängeub ftarlatroth, festerer nat unten gofbgelb gefäumt; 
ein Sanb um ben £interfopf unb um bie Sruft, fomie ein Sartftreifen ftnb pmarg. Rid)t fetten 
trifft man gelbe Wartungen, meld)e früher até eigene 2lrt angefchen mürben. Oa§ 2luge ift 
bunfetbraun, ber ©d)itabet ftmarg, ber guß foradeuroth. Oie Sänge beträgt 672, bie Sreite 11, 
bie f^ittiglänge 3'4, bie ©düoattglättge 1V2 3od. 
Oer ©olbbartoogel oerbreitet ftd), taut Serben, über gang Snbien, ©epfou unb bie malapifteu 
Snfeln, fet)lt aber im ^imatapa uttb im Punjab, ©r ift häufig überall, mo e3 Säume gibt, bemopnt 
bie hodjftämntigeit 20albeêtt)eile, ^aitte, ©pagiergänge unb ©ärten, ift burd)auê upt peu unb 
fommt unmittelbar biê gu ben Käufern heran, läßt ßt fogar nid)t feiten auf biefett felbft nieber. 
©inige 97aturforfd)er glauben beobad)tet gu haben, baß er mie ein ©ped)t an ben Säumen umher; 
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