Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Vierter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Zweite Hälfte: Späher, Läufer und Schwimmer
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29460/151/
©djarladjfpint. ^ßradjtfpint. 
143 
ober Mgft, bann aber flüdjtet er fîcf) mit ben Ftüd)tenben. Me jpöljtenthiere bergen ftd) im ftd^ern 
33au uttb (affen bag Flammenmeer über ftdj toegfluten. 2lud) fie Werben nid)t pon iljm erreidE>t; 
bie Sernidjtung gilt mir bem ïriedjenben nnb fliegenben ©ewürm. Oie ©belangen Permögen eg 
mdjt, ftd) bem eilenben Reiter gtt entwinben, bie ©forpione, Taranteln nnb Oaufenbfiifjler Werben 
ftdjer bon il)nt einge()olt. 2lber nidjt blog bie Flammen ftttb eg, Weldje iljnen Perbcrblidj Werben; beim 
gerabe bag Feuer lodt neue $einbe herbei. 3d) habe fdjon oben erwähnt, bafj bie fftaubPögcl fdjarem 
tbeife herbeiftrömen nnb (aufenb ober fliegenb bor ber fÇenerïinie ihrer 3agb obliegen unb mn§ mm 
nod) ^in^ufügen, ba§ neben ihnen and) ©egler nnb inêbefonbere bie ^urpurfpinte tljr 2öefen treiben, 
©ie alle Wiffett eg, ba§ iljnen bie ©Int beg Sranbeg Seute anftreibt, nnb fte alle benu^en bag günftige 
©reigni§ anf bag Sefte. SD^an erftaunt über bie ®üljnt)eit biefer ï^iere unb namentlid) über ben 
SJtnt^) ber Heineren, gerabe unferer Sienenfreffer. ©ie ftürgen ftdj aug ^o^er Suft l)erab oljue 
Sebenfen burd) ben bid)teften tftandj, [treiben hart über ben ©ptl^en ber ^lammenlinie bahin, ergeben 
ftc^ Wieber, pergeljren bie erfafjte SSeute unb oerfdjwinbcn bon neuem in ben fftaudjWolfeit. ^euglin 
fagt, bafj einer ober ber anbere gar nid)t feiten ftdj bie ©djwingen ober ©teuerfebern berfenge. 3dj 
|abe Oag nie gefeljen, famt aber, iljnt in gewiffem ©inne beiftimmenb, Perftdjent, bafj bie SSögel in 
äufjerfter 9^älje über ben Flammen felbft aufs unb nieberftreid)en, unb ba§ man ftdj jebeêmal Wunbert, 
toenn man fte nadj einem tljrer Hiljnen ©djwenfungett wieber heil unb unPerfeljrt emporfommett fiel)t. 
Ob auch anbere Söienenfreffer in berfelben SBeife 3agb machen, üaei§ idj nid)t, unb beëljaïb gerabe 
habe id) ben ©djarladjfpint Ijier mit aufgenommen. 
3n ben Salbungen beg blauen f^luffeê l)abe idj eine anbere 9lrt ber Familie, ben ^radjtfpint 
(Coccolarynx frenatus) beobachtet, ©r geidjnet ftd) mit einigen anbern Wirten feiner Familie burdj 
einen fef>r bünnen, gierlidEjen ©d)nabcl, einen mittellangen, gerabe abgefdjnittenen ©djwattg unb ein 
prad)toodeê ©efieber aug unb bertritt begljalb nad) ben neueren 2lnfd)auungen eine befonbere ©ippe, 
Jbeld)e Wir, um iljr einen beutfd)enkanten gu geben, Suntfpinte nennen fönnen. Oag ©efieber 
ber Oberfeite ift grün, bag ber Unterfeite gimmtbraun; bie ©tint ift grün unb blau gemifdjt, bie ßel)le 
fdjarlad)rotlj; ber jpintetbaudj, bie Unterfd)Wangbedeu unb ber Sürgel ftnb enzianblau; ein Bügels 
ft reif en, Weldjer burd) bag 2luge berläuft, ift fdjwarg, unten türfigblait gefäumt; bie Mntfdjwingen 
geigen am ©nbe eine fchWarge Sinbc unb ftnb Oorn ebenfattl türfiêblau gefäumt. Oag Sluge ift 
hodjrotlj, ber ©d)nabel unb bie Füfte ftnb fd)Warg. SOie Sänge beträgt 8, bie Fittigränge 3%, bie 
©d)Wanglänge 3l/2 3od. 
Oer ^radjtfpint ift eine ber Iiebïid)ftcn ©rfd)einungen beg innern Slfrifa. SUtan begegnet iljm 
an allen Orten, Welche geeignete ^tiftplä^e enthalten, höchft fetten ringeln, gewöhnlid) in fet)r galjH 
reicher @efeüfd)aft. ^ier lebt er, mie ade Heineren ©pinte, me^r nad) 2lrt ber Fliegenfänger alg nad) 
Slrt ber ©d)toalben; beim auënaïjnrêmeife nur ergebt er ftc^ über bie fronen ber 2öalbbäunte unb 
ftreid)t hier, fd)toalbenartig fagenb, auf unb nieber. SOîir fd)ien eë, aU ob bie ©efeUfc^aften bie fltä^e 
i|rer ©iebelungen laum oerlaffen; benn id) beobachtete fie toäljrenb toerfd)iebener Sdlonate immer an bem 
fetben Orten, obglcid) fte nid)t burch bie Srut gebunben toaren. 9lnt 2Beihnad)t§tage beê 3ahrel 
1850 legte ich ™in ©epiff in ber Sftälje ber gal)lreid)ften ©iebelungen an, luelc^e ich fennen lernte. 
SCRinbeftenê fechêgig Härchen hatten fich eine glatte, fefte Ohontoanb am Ufer beê blauen Fluffeê gur 
^iftftede erzählt unb hier ihre fohlen eingegraben. Oie 2lnftebelung nahm ïjôchftenê einen fRaunt 
Pon 25 big 36 @eoiertfu§ ein; auf biefer Flädje aber befanb ftch eine Scifthöhle au ba- anberen, fo 
bid)t neben einanber, ba§ ber 2lbftanb hôchftenê Pier biê fed)3 3oU betrug. Oiefe ©ingänge hielten 
lV23ptt im Ourchmeffer unb führten 3 big 4% Fttfj {n njagred)tcr Dichtung nad) innen; bann 
erweiterten fte fid) gu ber 2lcftfammer, einem tftaume Pon 6 big 8 3oK Sänge, 4 big 6 3oll Sreite
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.