Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Dritter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Erste Hälfte: Knacker und Sänger.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29459/964/
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®te ftäuger. Singvögel. Reifen. 
Veibe ©olbljäfjndjen brüten gtocitnal im £$al)re, baê crftemal im Vîai, baê gtoeitemal im Suit. 
$)ie Hefter finb fet;r fc^n?er gu finben. Sie fielen auf ber Sjnfce langer gülden; unb ïannenâfte, 
ba, too bitte 3toeige unb ü*ele 3îabeïtt fie oerbergen unb ftnb I;ier feljr fünftlid) befeßigt, an 
Ijerabljängenben Btoeigett, toeldje oon ber erften Sage ber D^eftftoffe gang ober gum Xljeil umftloffen 
finb unb biê an beit Vobett ober über iljtt ïjinauêrcidjen. Sie fiitb ballförmig, außen 3V2 biê 4 3oït 
breit, intoenbig aber ber feljr biden SBänbc toegen nur 2 biê 2V* 3otl tief unb ettoa lVa gott breit. 
3)aê Vteibdjen, toeld^eê beim Jpcrbeifdjaffett ber Vaußoffe gutoeilen Oont 3Jtännd)en begleitet, aber gerbet 
ebenfo toenig, toie beim Verarbeiten bevfelben unterftüfct toirb, umtoidelt gum £ljeil fliegenb mit großer 
®eftidlid)fcit bie Btoeige unb füllt bie ätoiftenräume auê. $E)ie evfte Sage befielt auê gitten; 
flehten unb Vaitntmoê, baê gutoeilett mit ettoaê ©rbmoê unte'rmifdjt toirb unb burd) tttaupengefpinnft, 
toeïdjeê befonberê um bie baê Sîeft trageitben gtocige getoidelt ift, feine gehörige geftigfeit bekommt, 
ïïhtr bei toettigcn Heftern ragen einige ttteljljaare auê ber Oberfläche IjcrOor. Sitte (Stoffe ber erften 
Sage finb feft burd) einanber getoirït unb reichen btê gur Sluêfütterung. Oiefe befielt auê oielen 
gebern Heiner Vögel, unter benen Sfcaubenfebern bie größten, toeld;e oben alle nad) innen geridjtct 
finb unb am ttîanbe fo weit oorßeljen, baß fie einen Vljcil ber Öffnung beberfen. Vei gtoei ttceftern 
beê feuerföpßgen ©olbïjâfjittenê, toeld)e mein Vater fanb, ragten auê ber äußern Vßanb £ljierljaare 
unb gtoar tttelj; unb ©idjljorn^aare Ijeroor. 2)ie Slttêfütterung beftinb gu unterft gum größten Vl)eil 
auê 9îel)l)aaren, toeldje bei bem einen über Wenige Gebern toeggelegt Waren, oben aber auê lauter 
Gebern, toeldje fo fünftlid) mit bem Unterteile in ben eingebogenen 9îanb beê tttefteê eingebaut 
Waren, baß fie bie oben feljr enge Öffnung faft ober gang bebedten. ®aê erfte ®elege enthält ad)t 
biê geljn, baê gtoeite fet$ biê neun (Sier, toelcbc felbftoerftänblid) feljr flein fiitb. ;gljre @runb; 
färbe ift toeißlicfygelbgrau ober blaßßeiftfarbeit ; bieBeitnung beftel)tauê leljmgrauen Limiten, toetdEje 
am bideren ©ttbe getoöljnlid) bidder gufammenfteljen. ©ingeltte finb and) geabert ober getoäffert. 
«Sie finb fo gerbredjlidj, baß man fie mit ber größten Vorfidjt bel;anbeln muß, Witt mau fie nidjt mit 
ben Ringern gerbrüden. ®ie jungen werben oon beiben Eltern mit oieler SJlülje aufgefüttert ; benit 
bie Slegung befielt in ben fleinften Werfen unb ®erbtbiereiern. Sie fi^en im tttefte bid^t auf unb 
neben einanber unb müffen, um Vln ber ®efangeufd^cift ßeljt man @olbljäljnd)en feiten, ©ê ift feljr fdjtoierig, fte an Stuben; 
futter gu gewönnen; it;re jpinfälligfeit ift ungemein groß. „ttRatt muß fie", fagt ttiaumattn, „beim 
gattgen feljr beljutfam beljanbcln, Wenn ße ©inem beim gang nitt unter beit jpänben fterben fotten. 
Vefd)äbigungett an ben güßett ober an anbern feilen bringt iljnett getoöljnlid) einen balbigen £ob. 
Sttîandje gewönnen ßd), Wenn mau fie frei in ber Stube umljerßiegett läßt, oiele ßoßen fid) aber 
aud) ben ®opf fo gegen bie ®ede, baß fie halb baljinfterben. VBirb crft cinê traurig, fo muß man 
i^tn gleid) bie Freiheit fdjeitfeit, fonft gel)t eê immer unb halb gu ©runbe. 3Jtit einem eingelnett barf 
man gar nidjt attfangen; bie ©rfa^rung Çat gelehrt, baß mehrere gu gleicher gefangene fid) leidster 
eingeWöbnten, alê bie eingelnett. Sie leben nicht nur feljr oerträglidj, fonbern fdjlafen aud), auf einer 
Sproffe ßhettb, bidjt neben einanber gerüdt. ^aben fie fid) einmal eingetoö^nt, fo Werben fie 
halb fo galjnt, baß fie iljrctn Pfleger baê putter auê ber §anb neunten, unb ße bauern bann bei forg; 
fälliger Vel)anbluitg Wo^l einige 3t ïjabe fie fe^r oft in ber Stube ber Saubleute gefe^en 
unb felbft in ber meittigeit gehabt unb mußte immer erftaunen über iljre ©ßluft. Wenigen 
£agen Ratten ße alle fliegen aufgegeljrt, Wenn i^rer aud) nod) fo oiele waren, xtnb id) Ijabe nie 
bemerft, baß il)tten ber gu Ijäufige ®enuß töbtlid) geworben wäre. Sie fangen bie fliegen mit 
größter ®efd)idlid)feit, meift im §1^ unb ftnappen nur feiten fet)l. großer tttad)en geftattet 
baê Verfd)luden fo großer Vente giemlid) leid)t, felbß bide Sdjmeißßiegen Würgen ße, Wenn aud) mit 
Slnftrengung, hinunter." Um fie an baê gutter gu gewönnen, gibt man iljiten anfänglich Slmeifen;
        

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