Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Dritter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Erste Hälfte: Knacker und Sänger.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29459/934/
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©ie pngcr. StngOögel. Pieper. 
^Salbungen ©uropaS unb Sibiriens beherbergen beit Saumpieper im (Sommer, bie Steppentoälber 
2ïfrifaê unb bie beS unteren £imftla$a im SEBinter; baumarme Sanbftrid;e befugt er nur mährenb 
feineê Buges. Stößen im SEBalbe, lidjte ©chatte, frtfd;e Schläge unb anberc, loeuig be»ad)feue 
Stellen beS 2BatbeS ftnb [eine SieblingSpläfce; er Verlangt aber immer einige hohe Säume in ber 
Dtähe. 3n [einem 3Be[en erinnert er oielfad) an [einen Sermanbteu, hält [ich jebod) nicht' [o oiel am 
Sobcu auf, ioie biefer, flüchtet bei Gefahr vielmehr ftetS ben Säumen gu unb läuft auch, »aS jener 
niemals thut, auf ben rieften fdjrittmeife bat)in. ©r ift ferner »eit toeniger gefedig als ber SMefem 
pieper, lebt meift cinfam unb bloS im ^erbft farnilicmoeifc, geigt meitig 2lnhängtid)fcit gegen bie 
©efedfdgaft unb ioit’b im grühjaljr gcrabegu ungefedig. 5£5er SocHoit ift ein fd)»er toiebergugebenber 
Saut, »cldger ungefähr ioie „Srit" Hingt, ber SluSbntd ber 3ärtlid)feit ein leifeS „Sib ftb ftb", 
£)cr ©efang ift vortrefflich, »eit beffer, als jeher anberc «Piepergefaug, fräftig unb lieblich, bem Sd)lage 
eines ßauarienoogels nicht unähnlich, auSgegeichnet burch güde unb Klarheit beS ©ones, 2lbioed)Sluug 
unb SWanchfaltigfeft ber SOBeife. „(Sr befiehl", ioie SRaumann fagt, „aus vielen triderartigen, laut 
pfeifenbett, fepr verfdjieben fdgned auf einanber folgenben Strophen, bie fid) gu einem lieblichen Gängen 
geilten unb gewöhnlich mit einem fanft erfterbenben „£ia gia gia" fdgließen. £)aS München fingt 
fehl' fleißig, am eifrigsten felbftoerftänblid) toähreitb ber 5paaruitgSgeit, tont Sonnenaufgang bis itad) 
Sonnenuntergang faft ununterbrochen, aber nur bis gegen ©nbe S^tniS. ©S fefet [ich, um gu fingen, 
auf einen heroorragenbeu 3»eig ober auf bie Spifcc eines Saumes, fteigt ioährenb beS Siebes in 
fd)icfer fRid)tung flatternb in bie Suft entpor unb fd)tocbt, noch epe er gu ©nbe gefomnten, fanft toieber 
auf biefelbe Stedc ober auf ben nächften Saumioipfet uieber unb bringt hier baS Sieb gu ©nbe. 
£)aS «lieft fleht auf bem Soben in einer Heineu ©rube unter ©ebiifd) ober tief im ©raS unb 
^aibefraut, immer oerborgcit. ©S ift ioie ade Sßiepemcfter, fd)ted)t gebaut unb nur im Tunern 
einigermaßen [orgfältig auSgelcgt. 2)ie vier bis fünf ©ier loechfeltt außerorbetttlid) ab itt ber ©eftalt 
cbenfoioot)l, ivie in gärbuug unb 3eid)nung. Sic ftnb auf röthlidgem ober [chmugigen, auf grau; 
licken ober bIäulid)ioeißett ©runbe mit bunHeren fünften, Strichen, Sprifcetn gcgeid;net, geabert, 
gemarmelt unb geflcdt. £)aS 2ßeibd;en fügt [o feft auf ben ©iern, baß cS baS «Heft erft oerläßt, 
loenu bei geinb ober ber Seobadgter [chon in unmittelbare üdähe beffelben gefomnten ift. 5)ie jungen 
Serben oou beiben ©Item überaus gärtlid) geliebt unb oerlaffen baS «Heft ebenfadS, nod) et)C 
ftc flugfähig ftnb. 
©efangenc Saumpieper halten fid) bei [orgfältiger «Pflege leid)ter, als bie übrigen Sertoanbten, 
toerben ebenfadS [cl)r gal)m unb erfreuen ben Siebpabcr burch ihren auSgegeid)ncten ©efang. 
3e öfter in biefem getoiffe langgegogene Strophen ioteberljolt unb je mehr fie verlängert »erben, 
um fo größeren äBerth hat ber Sänger für ben Remter. 
$>cr SBafferpicper, bie 2öaf[er=, Sumpfs ober ddoorlerdge, ber SBeißler, ©ipfer 
ober baS ^erboöge Id)en (Anthus aquaticus) ift auf ber Oberfeite bunfelolioengrau, mit vertufepten, 
[cpmarggrauen SängSfledett gegeid)itet, auf ber Unterfeite fdgntugig; ober grauloeiß, an ben Sruftfeiten 
buufelolioenbraun gefledt; hinter bem 2luge verläuft ein hedgrauer Streifen; über bie glügel giehett 
fich g loci lichtgraue Stuben. ®aS 2luge ift buntelbraun, ber Schnabel hornfd)loarg, au ber Spitge 
beS^ UntcrfdgnabelS gelblich, ber guß bunt elbraun. ®ie Sänge beträgt 6% bis 7 3od, bie Srcite 
11/4 bi» IIV2, bie gittiglänge 3V2, bie Sdgioanglättgc 23/4 3od. $£)er diagel ber jpintergehe ift 
lang unb flarf gebogen.. 
2Säl)renb anbere Spieperarten bie ©beite entfliehen beOorgugen unb Serggegenben nur hier unb 
ba belohnen, gehört ber SÖBaffcrpieper bem ©ebirge au. ©r bevölkert in namhafter 2Ingat)t bie Sllpen 
unb baS diiefengebirge unb gloar ben ©ürtcl beS $niet)otgeS. Sonl)ierauS fommt er bloS toähretrb 
feines 3ugeS in bie ©beiten herab. 3« ber Sdgloeig gehört er gu ben gemeinten Sltpenoögeln; baS 
dttefeitgebirge öetool)ut er gu ©aufenben. „3m grilling", fagt £fd)ttbi, „fucpt ber «Bafferpieper 
fd)on int Saufe beS Slprit bie fdjnecfreieu Steden ber Slfpen auf unb oerläßt ftc nicht mehr. 3m
        

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