Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Dritter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Erste Hälfte: Knacker und Sänger.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29459/843/
SebeuSweife ber ©voffefu. 
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Æmhengefaitg. Jebe eingetue ©trophe ift Har abgentnbet, jebev £ott itt ftef; abgefd;loffen ; ber 
©roffcl|d;tag ift mehr als jeber anbevc für beit Sßalb geeignet, für baS Bmttner {jj. cr b{e][ gU [tart, int 
freien weiten Sßatbe bagegen gerabe red;t. 9iid)t genug gu fd^äl^cn ift eS, baß alte ©roffetn fd;ott 
fet;r früt; int Japre mit ihren tefttid^en Siebern beginnen ttnb biefetben bis gum §od)fomnter hören 
taffen ttnb gWar mit einem ©ifer hören taffen, wie toenig anbere ©ittgoögel. ©ie Stinfel, Wetctje bet 
uns OerWeitt, beginnt bereite im Februar, Wenn ©cpnee ttnb ©iS noch bie ^errfd^aft int SCßatbe fabelt, 
mit itèrent Siebe; bie 31t berfetben Beit in ber $rembe Weiteube ©ingbroffet gebeidt itjrer .Speimat unb 
fdjeint fie fingenb begrüben gu Wetten, ©affetbe Wirb Oott ber uorbamerifanifdjien Sßattberbroffel gefagt, 
unb eS gitt Wat)rfd)eintid) itt Weiterem ober engerem Umfange für atte Strten, Welche eine regelmäßige 
Sßauberuttg antretcu. Sßie bei bett meiften guten ©ättgern, eifern ftd) bie ÜIRänndjen gegenfeitig au. 
SBenn eine ©reffet auf ber ©pit;e eines S3aumeS erfdjeint ttnb ihren ©efattg beginnt, beeilt ftd; jfebe 
anbere, Wetd;e fie hört, ihr fingenb gu antworten. ©S fdjeint, als ob bie ©roffel ftd; bewußt Wäre, 
Wie oorgügtich i^r ©efattg ift, atS ob fie eine geWiffe ©itetfeit befäße ; bentt fo oerftedt fie ftd; für 
geWöf;utid; gu galten pflegt, fo frei geigt fie fid;, Wenn fie ihr Sieb beginnt, ©ie wäf;lt bann immer 
eine t;ot;e Saumfpihe gu ihrem ©it^e nnb fd;mettert 001t ba oben herab ihre herrlichen klänge bnrdh 
ben Sßatb. 
©ie Nahrung ber ©roffetn befielt in ^erbthieren, ©d;itedett uitb Stürmern manc^ertet Strt, 
im £>erbft unb Sßhtter in S3eeren. ©ie fitd;ett ihre SSeute größtenteils 00m Soben auf uttb Oer; 
Weiteu beSpatb hier tägtid; mehrere ©tunbeit. SSont Sßalbe aus fliegen fie auf liefen unb f^etber, 
au bie Ufer ber $tüffe uttb S3äd;e unb ttadh anbern Nahrung oerfpredhettben ^tä^en. -£>ier tefen fie 
auf ober Wüt;ten mit bent ©d^itabet im abgefatteneit Sanbe hevum, um ftd; neue SSorräthe gu 
erfct)tießeit. ^tiegenbe $erfe achten fie Wenig ober nid;t. SSeerett fd;eitten ben meiften Strten außer; 
orbenttidh gu behagett, unb bie einen lieben biefe,' bie anbertt jene Strten. ©0 trägt bie Stiftetbroffel 
nicht umfonft ihren kanten; bentt fie ift förmtid; erpicht auf bie SCRifteïbeere, fuc^t fie überall auf unb 
ftreitet fid;* Wegen if;r mit attbern ihrer Strt auf baS h^ftigße. ©thon bie Sitten behaupteten, baß bie 
stiftet nur burdh biefe ©roffet fortgepftangt Werbe, unb biefe Angabe fd;eint itt ber ©hft* begrünbet 
gtt fein, ©ie Otingbroffet fudht fofort nach ber SSrutgeit mit ihrer ^amitié bie £>aibebüfche auf unb 
frißt bann foOtel ^eibelbeerett, baß ihr Steifet), Wie ©d;atter erfuhr, baoott btau, ihre ®nod;en rotl; 
unb it;re $ebertt beftedt Werben, ©aß bie Sßadhhotberbroffel ihren lautert itid;t umfonft trägt, braucht 
taunt erwähnt gu werben: fie burd;fud;t im Sßinter bie Sßad;hotberbüfd;e auf baS eifrigfte unb frißt 
fooiet oott ber ihr befottberS gitfageitbett S3eere, baß ipr Steifd; in fÇoïge baoon einen befonbern Söoht- 
gefdhmact erhätt. Slußerbent ft^ffen bie ©roffetn Johannisbeeren, rothe unb fdhWarge Jpottunber; 
beeren, greifet;, ^autbautit;, Æreugbortt;, ©djïittgbaum;, ©berefdhbeerett, ^irfdhett, Steinbeeren k. 
SlehntidheS gitt für bie hod;norbifd;ett uttb ameritanifdhen Slrten: fie alte ftnb teibenfdhafttidhe S3eerett; 
freffer. ©ie tonnen biefer Nahrung gar nicht wiberfte^en, unb barauf gerabe grünbet ber äftettfd; 
feine Stnftatten, bie gefügten Sögel gu berüden; 
SSatb nadh ihrer Stntunft in ber Heimat fd;reiteit bie ©roffetn gur $ortpftangung, bie im Sorbett 
wohnenben atterbingS fetten Oor beut Slnfange beS Juni. 9M;rere Strten, namenttid) bie Sßadh= 
hotber 5 unb Otingbroffet behalten auch am 33rutpta^e ihre ©efettigteit bei, anbere fonbern fidh Währenb 
ber ^ortpftangungSgeit oott JhrcSgteid;en ab uttb bewachen eiferfüchtig baS erworbene ©ebiet. ©er 
©tanbort ber Hefter ift Oerfdjiebett, je nadh Strt uttb Stufeuthatt ttttferer S3öget; bie Sftefter fetbft finb 
fid; im Wefentïidjen ähnlid;. ©ie SDtiftetbroffel baut fdhott im 30tärg, geWöhntidh auf einem S’ftabet; 
baume uttb nteift itt einer ^»öpe Oott. bveißig bis oiergig ^uß über bem S3oben, ©er S3au befteht aus 
garten, dürren Geifern, ©tengetn, $ted;ten, Saunt; uttb ©rbntoS, mit noch anhättgenber ©rbe, a'uS 
garten Sßurgeln ober feinett B^â^en unb bergleidjen; baS Jttttere ift mit trodenett ©raSbtättern, §ätmd;en 
unb Oîifpett glatt uttb nett auSgetegt. ©aS^ ©etege enthält Oier bis fünf Oerpättnißmäßig fleitte, glatt; 
fdhalige ©ier, Wetdje auf btaßmeergrünem ©runbe mit gröberen ober feineren oiotettgrauen fünften 
gegeid;net ftnb. Jn nicht gang ungiinftigen Jahren brütet baS ^aar gWeimat im Saufe beS ©ommerS, 
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