Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Dritter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Erste Hälfte: Knacker und Sänger.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29459/675/
2ï(ïgemeine§. 
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ber gemöpnlidpen Steigerung ber 3ft^ ber 3c^cn0^c^er/ nacP toeïcfyeit ber Daumen gmei, bie innere 
23orbergepe brei, bie mittlere »ier unb bie äußere fünf ©lieber pat, ift bie 3aP pier gmei, brei, brei, 
brei, inbem bie äußere 3epe um gtoei ©lieber, bie mittlere um ein ©lieb fo gu fageu bertürgt ift. 
(jpiergu bemertt 33urmeifter, baß biefeê 3aPfeuberpältniß nur für bie echten Segler ©iltigteit pabe,^ 
mäprenb bei anberu Wirten fiel) ba§ gemöpnlidje äa^lentoer^ältniß, brei, hier, fünf geige.) £>er untere 
ÂeÇlfo^f pat nur ein fd)mad)eê ÜJtoaïelpaar; bie Bunge ift faft fo platt unb breit, aud) born fo guge= 
fpifct mie bei ben Sd&toalben; ber Sdplunb ift opne 33aud) ober Äropf, ber Vormagen Hein, ber SJtagen 
fdjmadptnuêtlig, ber SDarnifdpIaucp furg unb opne Spur bon 23linbbärmen." 
93ergleidpt man nun biefe äftertmale mit benen ber Sdjmalben unb ber $oïibriê, fo ergibt ftdp, 
baß man oielleidjt fageu tonnte, bie Segler feien Scpmalben mit $olibriflügeln unb $olibrifdpmang. 
Scgt man auf baê eine üttuStelpaar amfôeplfopf ein befonbereê ©etoi^t, fo fodte man auf ber anberu 
Seite bie auffadenbe ©ntmictelung ber Speidpetbrüfen, it>eld;e Segler unb Sdpmalben mit einanber 
gemein paben, bidiger SBeife auep niept bergeffen unb finbet man, baß bie 33erbauungêmertgeuge ber 
Segler unb fôoïibriê übereinftimmen, fo barf man iticpt außer 3tdpt laffeu, baß biefe ttebereinftimmung 
ebenfogut auep gmifdpen Seglern unb Sdpmalben bemertt mirb. Sdlan tarnt ferner gern gugeben, baß 
bie Slepulicpfeit gmifdjen beut Schnabel beê Seglerê unb ber Sdpmalbe eine mepr fdjeinbare, al8 
mirfltdpe ift; immerhin mirb man feftpalteu müffen, baß pier bod^ nodp bon einer Slepnlidpteit gefprodpen 
loerben tarnt, mäprenb 2)ie8 pinftdptlid) beê Seglers unb Äolibrifdpnabetö burdjauê nidpt ber 
gad ift. Sobiel ergibt bie reine äußere ÜBetracptung, bie Unterfucpitng beê tobten ©egenftanbeê ; 
baê Seben mid aber audp in SSetradpt gegogeit fein, menu eê fid) barum panbelt, tantniß eineê 
SßefenS gu gemimten unb SSeribanbtfcpaften gmifdpen ipnt unb anberen feftgufteden. SSenben mir 
biefe îlufidpt auf unfern gad ittêbefonbere an, fo bleibt man mopl taunt in Btoeifel, aïê meffen $ers 
manbte man bie Segler gu betrachten pat. Btoifdpen iprem Seben unb bent ber Æolibriê läßt ftdp teine 
Slepulicpteit maprneprnen, mâprenb eê bei SBetracptung beê Sebenê adein oft fdpmer palten bürfte, 
Segler unb Sdpmalben bon einanber gu trennen. 
SDie Segler berbreiten ftdp über ade ©rbtpeile unb bemopitett pier ade ©ürtel ber 23reite mit 
9lu3napme beê taïten, fomie ade £>ôpen bont dReereêftranbc an biê gegen bie Stpneegrenge pinanf. 
Sic ftnben ftdp ebenfomopl in ^Salbungen, mie in malblofen ©egeitbeit, borgugêmeife aber in ©ebirgen 
unb Stabten, meil gelêmânbe unb SOtauern iptten bie paffenbften dtiftpläpe gemâpren. 
SJtepr alê attbere $ôgel bemopnen fie int eigentlidpen Sinne beê äöortö baê Suftmeer. $ont 
früpert borgen an biê in bie Sftacpt pinein ftnb fie in ïpâtigteit, mâprenb iprer 23rutgeit fo gu fagen 
in unuuterbrodjener. Spre Æraft fcpeint niemals gu ermatten unb ipre dtadptrupe auf menige 
Stunben befepräntt gu fein. SBortrefflidpe glugmertgeuge fepeit fie in ben Stanb, opne SSefdjmerbe 
tagtâgïidp Stredten gu bimpeiïeit, meltpe gufammengeredmet §unberte bon ddeilen betragen müffen. 
5lbmeicpenb bon ben Sdjmalben. fliegen fie gemöpnlidp in fepr popen Suftfdpidpten bapin, unb einzelne 
Slrten mirbeln unb fdprauben ftdp gu foldpen #öpen empor, baß fie unferm Singe bodftänbig ents 
fcpminben. 3pr ging tenngeicpnet fie bon meitern. £)ie glügel gleichen, menu fie auêgebreitet finb, 
einem §albmonbe, unb fie merben fo rafep unb peftig bemegt, ba§ man mepr an baê Sdpmirren ber 
^erbtpiere unb begügïid) ber ^olibriê erinnert mirb, alê an ben gliigelfdplag anberer Sßögel. 3u= 
meilen regeln fie ipren glug minutenlang nur burdp berfdpiebeneê ©inftedeit ber glugmertgeuge, burd; 
leidpte ©repung ber glügel unb beê Sdpmangeê, meldpcê mir taunt ober niept maprneprnen. ïropbem 
jagen fie pfeilfdpned burd) bie Stifte. SBenbungen unb ©repungen aller 2lrt miffen andp fie meifter= 
paft auêgufüpren; an 3ierlid)teit unb 9tnmutp ber Semegnng aber ftepen fie pinter ben ©belfcpmaïbett 
meit guriiet. 2luf bem Soben erfdpeinen fie alê pilflofe @efd)ôpfe: fie finb unfäpig, gu gepen, unfapig 
faft, gu triedjen. dagegen flettern fie, menu aud) nidpt gefdpictt, fo bodp mit giemïidper gertigteit an 
SJtauer; ober gelêmâttben empor unb in ^oplungen pin unb per. 
Spre emige Utaftlofigteit bebingt einen bebeutenben SSerbraud) ber ^raft unb bemgemä^ audp 
uugemöpnlid) reidpen ©rfap, ©ie Segler fittb gefräßiger, alê ade übrigen Sdpmalben unb bertilgen
        

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