Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Dritter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Erste Hälfte: Knacker und Sänger.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29459/663/
St a u cp f d) tr a l 16 e. 
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©petcfyeï übergogett unb rorfittig angeflebt trirb. petite .îpaïme unb .fpaare, tr'eldpe ^totfd^en bie 
Stefttränbe eingelegt trerben, bienen ipnen gu anbertreitigem Serbanbe, bag eigentliche Sinbemittel 
aber ift ber ©peitel. Sei ftöner SBitterung rotlenbet ein ©d;traïbenpaar bag Slufmauern ber Steft; 
tranbungen innerhalb ac^t Oagen. hierauf trirb ber innere Staunt mit garten -fpälmten, paaren, 
Gebern unb ähnlichen meinen ©toffen auggetteibet, unb bie ^inbertriege ift rotlenbet. 
($in au gefchühten Orten ftepenbeg ©ttralbenneft bient lange, lange 3ftpve, vielleicht nicht feinen 
Erbauern allein, fonbern aud; natfotgenben ©efd;le(^tern. ©traige ©djäbett Serben ror Seginn ber 
S3rut gefdjjidt auggebeffert; bie innere Slugfüllung trirb regelmäßig erneuert, im üebrigen jebod^ 
Stid;tg an beut Saue reränbert, fo lange er befielt. 
3m SRai legt bag 2Beibd;en bie vier big fed;g gartfd;aligen, auf retntreißem ©ruttbe mit afch- 
grauen unb rotbraunen Sßunften gegei^neten ©er ing Steft, bebrütet fie, opne,#itfe feineg SRänm 
d;eng, unb hat bie grcube, nat gtrölf Sagen Sunge git ergielen. Stidjt fo ift eg, trenn bag SBetter 
trähvenb ber Srutgeit ungünftig ift. Sei gutem SBetter bringt bag SRännd;en ber brütenben ©attin 
oft gutter gu; bei fd)lec^ter, gumal naßfalter SBitterung muß biefe bie (gier ftunbenlang oertaffen, um 
fid» bie ihr nötige Sprung gu erbeuten. Oattn tarnt eg geftepeu, baß bie ©lein erft nad; fiebengepn 
ïagen gegeitigt finb. Oie anfangg fepr häßlichen, breitmäuligen jungen toerben oon beiben ©tern 
fleißig geägt, trad;fen unter günfiigen Umftänben raft pevan, flauen halb über ben Stanb beg Stefteg 
beraug unb Wunen, trenn Sldeg gut geht, bereitg in ber britten SBote ipreg Meng außerhalb beg 
@ieg ben (gltertt ing greie folgen, ©ie trerben nun nod; einige 3eit lang braußett gefüttert, anfangg 
attabenbtid; ing Steft gurüdtgefüprt, fitter im greien pübft gur Stupe gebraut unb enblid; felbftänbig 
gemalt, b. p. iprem ©d;idfale überlaffen, ©obantt ftreiten bie eilten gur gtreiten Srut, meift in 
ben elften Sagen beg Sluguft. Oie ©ergabt beg gtreiten ©elegeg ift ftetg geringer atg bie ber 
elften Srut. 
3u mannen Sauren Vertätet-fich biefe gtreite Srut fo fepr, baß Sitte unb 3unge gefährbet finb; 
in nörblidjcn Säubern müffen bie lederen gutreilen trirtlit Verlaffen trerben. Unter günftigeren 
Umftänben finb auch bie lebten jungen längft pgg getrorben, trenn ber eintretenbe £crbft gur 
SKinterreife mapnt. Oanu fammeln fie fit im ©eleit ihrer ©tern mit anbern gamilien berfelbeu 
9lrt, mit Satftelgen unb ©taaren im Röhricht ber Reiche unb ©een, hier Stupe paltenb, big bie 
eine Stacht perantommt, treffe bie lieben'©äfie ung entfüprt. (gineg Slbcnbg, halb nad? ©ounem 
Untergang, erhebt fich bag gapllofe ©chtralbenheer, treld;eg man in ben Statmittaggftunbeu rorpcr 
vielleicht auf bem popen ®irtenbad;e rerfammelt fap, auf ein rou mehreren Sitten gegebeneg feiten, 
verfttrinbet Jrentg SRinuten fpäter bem Sluge unb giept nun rafttog bapin, ben heißen ©leid;er; 
länbern gu. 
Ungeachtet ihrer ©etranbtpeit unb trop ihrer Stnpdngtid;teit an ben SRenfd;en bropt ber ©d;tralb'e 
mand;erlei ©efapr. Sei ung gu Sanbe ift ber Saumfalt ber gefäprlitftc rou allen natürlichen 
geinben, benn er jagt mit ©folg nad; ©betfd;tralben, unb nicht blog ttadh täppifd;ert jungen, fonbern, 
aut «<*t ben fluggetnanbten Sllten; in ©übafien unb SJlittelafrita übernehmen aubere feineg ©eftlettg 
feine «Rotte. Oie jungen ©ttnalben finb burd; alle «Raubtiere, trelte im futtern beg «paufeg ipr 
SBefen treiben, unb mepr not &«vt Statten unb SRäufe gefährbet. £u biefen geinben gefeilt ftd; 
Ifer unb ba ber äRenft* @o allgemein geattet bie ©ttralbe aud; ift, bie rohe SRorblufl getriffer 
Vogelfänger fept fid; über Sldeg pintreg. 3n ber Umgegenb ron ^alle, unb in ber Ställe SBieng 
trerben aUjäljrlit ^unberttaufenbe ron ©d)tralben burd; Subenjäger rertitgt, gang fo, trie in Italien 
ober ©ganten, obgteid) ein ©prittrort ber ©panier fagt, baß Oerjenige, treld)er eine ©ttralbe 
umbringe, feine SRutter tobte. 
3m ^äßg fieht man bie ©elfttralbe fetten, ©g ift nid;t unmögtit, fie 3ahre laug alg 
befangene gu patten; fie rerlangt aber bie größte ©orgfatt pinftcptlit ihrer pflege unb belohnt biefe 
eigentlich bot «ur in geringem SRaße. 3d; erinnere mid;, gtrei SBeißlinge unferer Staud;fd;tralbe im 
Simmer eineg SCrgtçg gefepeu gu paben unb treiß ron anberen Sögeln biefer SCrt, trelte bei Stad;tigall;
        

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