Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Dritter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Erste Hälfte: Knacker und Sänger.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29459/581/
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©artgeier. K o u b o r. 
SUttd) feertounbete ©artgeier benkeu nicht barem, fid) bent 9Renfd>en gegenüber gur SBehre gu fe^en, inte 
fDieS bie ©ättfegeier regelmäßig t()un. (Sie fträuben nad) meinen eigenen Erfahrungen nur bie 
•Radenfebern unb fperren ben ©d)nabel möglid;ft ioeit auf* SCRit biefem feerfudjen fie aïïerbingS i^ren 
©egner 51t padeit; fie finb aber ungemein leidet gebänbigt. 3>hrc SebenSgähigkeit ift fe^r groß; nur 
ein gut angebrachter ©djuß tobtet fie augenblicklich* fdjfeß einem fliegenben eine Kugel burch ben 
Seib, toeld)e baS 3^erd)fell nnb bie gange Seber gerriß unb neben ben Senbenioirbeltt loieber aus bem 
Körper fuhr. 2)er ©ogel ftürgte gtoar fofort gum ©oben h^rnieber, lebte aber noch feoKe 36 ©tunben, 
betoor er an ©iterfeergiftung ftarb. ®er Fang gefd)ieht mit fetter; ober Fuch^eifen, ivelche mit 
$leifch geköbert ioerben. 
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2)ie ©eier im engeren ©inne (Vultures) ftnb plumper gebaut, als bie ©eierabler: fie ftnb bie 
plumpeften aller Utaubfeögel überhaupt. 3hl* &tb ift kurg unb kräftig, ungemein breit auf ber ©ruft; 
bie Flügel finb lang, breit unb abgerunbet, bie feierte ©dringe ift in ihnen bie längfte; ber ©djloang 
ift mittelfaug unb etloaS gugeruubet; bie eittgelnen Gebern finb fteif, ioerben aber ait ber ©pifee regels 
mäßig abgefdjliffen unb erfcheittett beShalb fonberbar gugeftu^t. $£)ie f^üße finb mittelhod) itnb ftark, 
feon ber fjerfe ab unbeftebert, bie 3ehen finb lang unb kräftig, nicht aber greiffähig, bie fladhgebogetten 
üftägel ftumpfen fid; ab. 2)er ©djnabel ift etioa feon Kopfeslänge, ftark, gerabe, an ber ©pifse fehr 
gekrümmt, ^ö^er als breit ; ber .Spaten ift mittellang unb giemlict) fdjarf, ber ©dhneibenranb feicht auSs 
gebuchtet. $DaS ©efieber befielt aus fehr großen, langen unb breiten Febern. ©in ^ 
KopfeS unb Jpalfe£ bleibt regelmäßig frei feon bem eigentlichen ©efieber; er ift bafür mit haarartigen 
SDutten mehr ober ntiitber fpärlid) bebedt ober aud) feollftäitbig nackt. SluSnahmSioeife bekleiben 
buuige Gebern, bann aber in bidder Fülle, auch bie ©dientet, bie SBaben unb ben Unterleib ; auf 
letzterem toerben fie bann burd; lange unb fchntale Gebern fpärlid) überbedt. .SDüftere unb unbeftimmte 
färben finb feorherrfdhenb ; bod) fehlt cS auch nicht an buntem ©efieber, unb außerbem finb bie bünn 
befiederten ober nadten ^autftetten oft fehr lebhaft gefärbt. 2)ie klugen finb groß unb auSbrudSfeotf, 
bie 9tafenlöd)er feerfd^ieben gestaltet. Unter ben ©innen fleht baS ©eftd^t ausnahmslos obenan, 
nächftbem finb ©ehör unb ©erud) befonberS entioidelt. SDie geiftigen Fähigkeiten fielen hinter benen 
beS ©eierablerS nicht gurüd.' 3tt allem Uebrigen gilt baS über bie ©efammtheit ©efagte in 
©efouberem für biefe Familie. 
5US bie ebelften ©lieber ber ed;ten ©eier haben ifeir loahrfcheinlicf) bie Kammgeier (Sarcor- 
rhamphus) angufehen. ©ie kenngeidhuen fidC; burch feerhältnißmäßig geftredten Seib, lange, aber 
giemlich female Flügel, langen ©chloang, hohe nnb Füße, mittellangen $als unb kleinen, 
laugen Kopf mit langem unb runblicpen, feitlich gufammengebrüdten, ftarkhakigen ©chnabel, Ifeeldjer beim 
Männchen an ber Sßurgel mit einem Kamme, in ber Kinngegeub mit einem £>autlappen feergiert ift. 
SDie dtafentöcher finb infofern auffallenb, loeil eine ©cheibeloanb gtoifdjen ihnen fehlt. 2)aS ©efieber 
ift kleinfebriger, als bei aubern ©eiern, aber lebhafter gefärbt, ©ingefne ©teilen ftnb feollkommen 
nadt. Sluffatlenber Söeife ift baS 3Rämtd;en größer als baS 2öeibd)en. 
Unter ben brei Utaubfeögelit, loelche bie erfte $orbe ber Familie bilben, feerbient ber Konbor 
(Sarcorrhamphus Gryphus ober Sarcorrhamphus Condor) einer eingel;enberen ©efchreibung, loeil ihm 
baffelbe ©chidfat lote bem ©eierabler geloorben ift. Sind) ihn hat man feerkannt unb feerfd;rien, and; über 
ihn bie iounberbarfteu ©agett ergählt unb geglaubt, ©elbft bie ©Mffenfchaft hat folcher Fabelei Rechnung 
getragen, inbem fie ilpn ben tarnen ©reif (Gryphus) feerlieh- ©8 läßt ft
    

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