Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Dritter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Erste Hälfte: Knacker und Sänger.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29459/469/
Slïïgemeincd. 
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Sludflüge, uiib gelegentlich biefer ïommen fie oft genug tu unmittelbare Stälje ber ©orffd)aften ttnb 
rauben £;ier, menu fie fid) nid)t oerfolgt fel;en, 3umeilen oor bett Slugett il)red gefä^rlicbften ©egnerd. 
©ie ttorbifd^en Slrten finb gröfjtentheild Sßanberoögel, ade menigftend ©trid;Oögel, meld;e auffer ber 
33rutgeit im Sanbe uml)erfd)meifen. 
Sind) bie Slbler lieben ©efedfdjaften il)red ©leieren nid)t; mäl)renb bed ©omtnerd menigftend 
bulbeit fie in ihrem ©ebiete lein 3toeited 5J$aar. SSereinigungen lomnten unter ihnen nur mäl;reub 
i^rer SSinterreife ober auf mettige SJtinnten gelegentlid) einer für SSiele audreid;ettben SJtaI)l3eit oor: 
auf'beut £eid;nant eined großen 2:^iered 3. SS. ©er S3erbanb, in meinem Slbler gufammenleben, ift 
felbft mäl;rettb ber Sßinterreife citt lodern*. ©ie ï^iere lomnten an beutereid)en Orten zufällig 
3itfammen, gel)en l;ier benfelbett ©elften nad) itttb crfd)einen bedl)alb oft aid @efedfd)aft, mäl;renb 
ftreng genommen jfeber feinen eigenen SBeg gel)t — felbftoerftänblid) mit Sludnahme bed ©atten eined 
^aared. ©iefe halten aujferorbentlid) treu gufammett, unb ed unterliegt mol)t feinem 3n>eifel, baf) eine 
unter Slblern gefd)toffeuc ©I)e für bie gattje Sebend^eit mährt. SJUt anbent SSögeln gehen bie Slbler 
ebenfo ioenig S3erbinbuttgen ein. ©ie oereinigen fid; guloeilen mit ©eiern, SJtilanen uitb 
SSuf far ben, frennbfd;aftlid) aber burd;aud nid)t. ©er gleiche Stahrungdermerb führt fte gufammen; 
ift ihm ©enüge geleiftet, fo enbigt bie SSereinigung. ©agegen erlauben ©inige lleinett ©d)marohern, 
mie ioir fte nennen modelt, Siulenarten 3. S3., fid; in bent Unterbau il)red ^orfted Sßo^mtug 311 
fud)ett. Slber aud; biefc ©rlaubnifj mirb nid)t freimidig gegeben; oon eigentlicher ©ulbuttg ift leine 
Siebe. ©er Slbler geftattet bem ©^»erlingênogel in feiner unmittelbaren SXäI)e gu mol;uen, meil er fiel; 
unfähig fühlt, fid) jetted §u bemächtigen, ©ie @emanbtl)eit bed Bubringlingd ift fein ©d;ut;brief oor 
ber bebrol)lid)en ®laue bed ©emalthaberd. ©od) moden mir nid;t in Slbrebe ftedeit, baff einzelne 
Slbler gumeifen eine ähnlidhe ©rofntutl; belunben, mie fte ber Some unter Untftäubeu an bett £ag legt, 
©ie ebelften unter ihnen lernten bie 3Rorbfud)t bed .!pabid)td nid)t. ©ie finb Stäuber, aber fic finb 
ftoïge, eble Stäuber: fte rauben, meil fte ed müffett. ©aug bad @egentl)eil erfahren mir oon bett 
itnebleren. ©inige oon ihnen tragen nicht umfonft ben Stamen £>abid)tdabler : fie ähneln bett 
|jabid)ten nid^t blöd in ihrer ©eftalt, fonbern aud) itt ihrem SBefen. 3nt adgemeinen machen bie 
Slbler ihrem Seamen ©l;re: fie finb mirllid; eble SSogel. Unter bett gefieberten Stäubern gibt ed 
menige, melc^e höher begabt finb, aid fie; nur bie ©beifallen bürfett ihnen oiellcid;t ooraudgeftedt 
merbett. 2eiblid;e unb geiftige SSegabuitgen finb ihnen in glcid)er Sßeife 31t Stheil gemorbett. Sin 
33emegungdfähigleit ftehen fte aderbingd ben ©belfallcn unb ipabtd)ten nad;, aber aud; nur ihnen. 
3hr Slug ift audge3eid;uet fd;ött; ed fehlt ihm bad Unruhige, meld;ed ber Slug bed ©belfalfen ober 
-£abid)td geigt, ©ie Slügel merberç, menu ed fid; barum l)aubelt, Oom S3obett aitf3itfteigen, gemaltig, 
aber Oerhältniffntäffig langfant bemegt; hat jebod; ber Slbler einmal eine getoiffc Döl)e gemonnen, fo 
fd;mebt er mit audgebreiteten Slügeltt ungemein rafd; bahin. SRatt fiel;t oon ihm oft minutenlang 
nicht einen einzigen Slügelfdl>tag, uitb bettnod; entfd;minbet ber gerabeaud3iel;enbe SSogel fel;r halb bem 
Sluge. Sin bem Ireifenben bemerlt man, mie er burd) ©rchett unb Söenben, bitrch £>eben unb ©ettlett 
bed ©d)mau3ed fid; fteuert, mie et fid) l;ebt, menu er bem Sßittbe entgegenfd;mcbt unb mie er fiel; fenlt, 
menu bad ©egentheil ftattfinbet. SSeint Singriff auf lebenbe SSeute ftüi*3t ber gemaltige SSogel mit 
au§erorbentlid;er ©chnede unter lautem hörbaren Staufd)en ^evniebei*, aderbingd nid;t fd)tted genug, 
um einen gemanbt fdegenben SSogel 31t ergreifen, aber immer nod; rafd; genug, um eine flicgenbe 
ïaitbe ein3uholen. ©er ©ang auf bem SSobett ift ungefd;idt; er beftel;t aud fotiberbaren ©btung; 
fchritten, bei benen ein SSein um bad anbere bemegt mirb, unter jßuhilfenahmc ber Slügel. ©er 
Slbler erfd;eint in laufenber ©teditng am unebelften. SSiel fchöner nimmt er fid; aud, menu er 
aufgebäumt h«t. ©ann hült er fid) fenfred)t, mie ein fthenber SJtamt, unb mad;t einen mirllid; 
erhabenen ©inbrttd auf ben S3efd;auer. ©ie ftolse Stuhe feined gait3ett Sßefend ^»rägt fid; am 
beutlid)ften im ©i^ett aud. 
Unter ben ©innen ftel)t 3meifeldohue bad @efid)t obenan, mie fd;on bad hewlid;e Singe belunbct. 
Städ;ftbem bürfte bad ©ehör mobl am entmideltften fein, ©er Slbler oernimmt aufjerorbentlid; fein
        

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