Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Dritter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Erste Hälfte: Knacker und Sänger.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29459/439/
Sagbfaïï. 
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alle biejenigert, Ixjeld^c nod; nicpt gehaart unb fortpflaugungSfähig ftttb, ftveifen tveit im Smterrt beS 
SanbeS untrer unb kommen nicht feiten aud; in ben norbifdjen Sllpett vor, mährettb alte Sögel auf ben 
Sergen feiten gefunben merben. 
2SebeS Sßaar hält an bem einmal getollten Sßohnftfc mit großer ßähigleit feft unb tvirb, tnenn 
eg von bemfeiben vertrieben mürbe, fein halb burd; ein anbereS erfefct. ©emiffe günftige SelSmänbe 
in Sapplanb beherbergen ©ierfalten feit SSeitfchengebcnlen. Slm Sßarangerfjorb g. S. tonnte mir ber 
vogellunbige Kaufmann Sorbvi mit aller Seftimmtheit eine ©teile angeben, mo id; ©ierfalten finben 
mürbe, nnb bod; ^atte er biefe ©tede feit vielen fahren nicht befugt unb von bem Sorhanbenfein ber 
Ralfen neuerbingS and; leine ®mtbe erhalten. 
2>tt ihrem Setragen unb Sßefeit haben bie Sagbfalten mit ihrem beutfchen Sertreter, bem Sßaitber; 
fallen, bie größte Slehnlid;teit. Stau tarnt hvdjftenS fagen, baß il;r Slug uicht fo fchnell unb ihre 
©timme tiefer ift, als bei biefen. 3afen anfaden unb nad) 311 ab be’ê Serfid;erung monatelang von ©ithhörnd)en 
leben, ©ie ftnb ein furd;tbarer Seircö beS von ihnen bebrol;ten ©eflügelS unb ber ©Freden aller 
Semohner ber Sogelbcrge. Stuf ben Spien, a^ei Sogelbergen im norbmeftlidjen Sapplanb, fah id; 
mährenb meines breitägigen Slufenthalts regelmäßig um gehn Uhr SormittagS unb gegen vier Uhr 
Sad;mittagS bie beiben ©atten eines ©terfallenpaareS erfcpeinen, um Seute gu mad;en. 3hre 3>agb 
mar ftetS überrafdjenb lurg. ©ie lanten an, umlreiften ben Sogelberg eins ober gmeirnal unb fließen 
bann unter einen ©chmarrn ber Summen, Sillen ober Suttbe, padten regelmäßig einen biefer 
Sögel unb trugen ihn bavon. 3orft reid;lich mit Summen, Sillen unb Sunben unb breihgehigen SSöven Verfehen. 
Slußer ben ©eevögeln merbeu bie brütenben Sagbfalten aud; ben tauben gefährlich; bod; fagt 
^olboell, baß er nur gmei junge Xauben verloren habe, meld;e ber Sall int ©ifoett nahm, meil bie 
älten, melche fehr oft von bem Räuber gejagt mürben, von ihm nid;t eingeholt merbett lonnten. 
Stad; ber Srutgeit lommen bie Sagbfallen oft ben menfd;lid;eit Stellungen nahe, ©ie geigen 
überhaupt menig ©«heu unb taffen fid; fogar herbeiloden, menu man ein ©d;neel;uhn ober einen 
anberit Sogei mieberholt aufmirft. 3nt SHnter vertaffen fte bie ©eelüften unb folgen bem ©ange beS 
©chneehuhnâ auf ben Sergen. SDfefeS fürd;tet ben Sagbfallen, feinen furd;tbarften Seinb, in fo 
hohem ©rabe, baß eS ftd;, mie ©djraber beobachtete, bei feinem Slnblid mit reißenber ©cpnedigteit 
unb größter ©emalt auf ben ©d;nee ftürgt unb fid; fo eilig als möglich in ihm vergräbt. Stehr: 
fcheinlich verfud;en auch bie ©eevögel, fid; vor bem Sailen gu retten ; bei ihrer ungeheuren Stenge aber 
tarnt man bie Semegungen beS eingetnen, melier gejagt mirb, nid;t unterfcheiben. Stau bemertt 
bloS, baß ber ©chmarrn auSeinanberftiebt, mie bie Sauben eg gu thun pflegen, menu ber Stenberfalt 
unter fte ftößt. 
©ine eigentümliche Sagbmeife unfereS Solicit befcpreibt S ab be. ,,3>tt ben vermachfeuen 
2)idid;ten ber Stelber beS SurejagebirgeS", fagt er, „mürbe eg bem Sagbfalten nicpt ntögltd;, auf feine 
gemötmliche Seute, bie ©id;hörttchen, gu ftoßen. ©r lauerte ihr baljer hinterliftig auf unb mar babei 
fehr gebttlbig, jebod; bei allebem fo fcpeu, baß id; nie gum ©chuffe tommen tonnte." ©inen anbern 
2>agbfallett fah berfelbe Seobad;ter nal;e am ©tamrn einer tiefer fi^cn, in unmittelbarer Sähe eines 
Solls Sirthüh^er, meldjeS auf ben benachbarten Säumen fid; äßte. Ungmeifelljaft faß auch biefer 
Sogei auf ber Sauer. 
®er £>orft beS^agbfalten fleht, nach Saber, in ber Jpöhle einer ungugänglid;eu Selätvanb, nahe 
am Steere unb ift groß unb flad;. Sach Sorbvi’S Serftd;crung bemächtigt fich ber ©ierfalf
        

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