Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Dritter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Erste Hälfte: Knacker und Sänger.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29459/370/
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SDte fnadev. DftabenoögeT. 3flaï>cn. 
mäßig suihm surüdfehrt, baß ein hcmuöoerfdjer ftorftbeamter nad) einauber oierunboiersig Suitgc 
ein imb bemfelben £>orfte entnehmen foiuite. £)aê ©elege befielt auê biev biê fünf siemlid) großen 
(Stern, treibe auf grünlidjem ©runbe braun unb grau gefledt fittb. dead) meineê Baterê Beobad): 
tuugen brütet ba§ 2Beibd)en adein, nach diaumamt^ Angaben mit bem ddänndjen ibedjfelioeifc. 
&ie jungen iberben bon beiben ©Item mit dîegenibürmeru unb ®erbtl)ieren, Käufen, Vögeln, jungen 
©ern unb 2laê genügenb berforgt; U;r junger aber fd)eiut aud) bei ber reid)Iid)ftcn Fütterung nid;t 
geftidt su iberben, ba fie fortibährenb dlal)rung ^ei|d)en. 93eibe eitern lieben bie Brut gans außer; 
orbentlid) unb berlaffen bie einmal au3getrod)euen Bungen uie. Wunen aderbingg oerfdjeud)t 
iberben, bleiben aber aud) bann immer in ber dtähe bcê £>orfte§ unb belbeifen burd) allerlei ffagenbe 
Saute unb ângftlidjeê erbft 
hin mad)t fid) baê junge 2SolC felbftänbig. 
Bung bem diefte entuommeitc Staben iberben nach Purser pflege außerorbentlidj ga^nt ; felbft alt 
eittgefangette geioöhttett fid; an ben Berluft ber Freiheit. ©in^oltrabc auf einem größeren @el)öft gibt 
Gelegenheit su ^en ansiehenbften Beobadjtungcn. üdian lernt halb erteunen, baß er einer ber tliigftcn 
aller S3i5gel ift. ©ein Berftanb fd;ärft fid; im Umgänge mit bem dJienfdjen in beibunberungëioürbiger 
üöeifc. (Sr läßt fid) abrid)ten ioie ein £unb, fogar auf £l)ievc «ub ^nfdjen het;en ; er führt bie 
brottigften unb luftigftcn ©treid;c au3, erfinnt fid) fortlbährcnb dïeueê unb nimmt su fo ibie au Filter, 
fo and) an 2öei3l)eit, bagegeu nid)t immer and) au ©nabe bor ben dlugeu beë dJienfd)eu. Stuf Toll¬ 
heiten ber bcrfd)icbcuften dtrt barf ber Befi^er gefaxt fein, unb ®ic§ ift ber ©ntnb, ibe3l)alb ber 
35ogel nicht Bebevmaitu» greuub ift. 2ltt baê 2tu§; unb ©infliegen fantt man ben Staben leid;t ge)böh; 
nett; er mad)t fid; jebod; größerer $reil)cit regelmäßig halb unibürbig. ©r ftiel)lt unb berftedt baê©e; 
ftol)lenc, tobtet junge £au§tl)ierc, £üf)nev unb ©äufe, beißt bie Scute in bie $iiße, namentlid) biejenigett, 
meld)e barfuß gehen, unb ibirb unter Umftänbcu felbft gefährlid), ibeil er feinen dJhitljtbiden and) au 
Æinbern auêiibt. dJtit $uuben gel)t er oft innige Breunbfcbaft ein, fud)t ihnen bie ftlölje ab unb mad)t 
fid) ihnen fouft nüjjlid). dlud) an ^ferbc unb Dvinber geioöhnt er fid) unb gewinnt fid) bereu Buneigung. 
©r lernt hräd)tig fprcd;cu, al)mt bie SBorte in richtiger Betonung nad) unb Ibenbet fie mit Berftanb 
au: er bellt ioie ein £unb, lad;t ioie ein SQccufd;, tnurrt ibie bie fpauêtaube u. f. io., turs, fud)t feine 
l)ol)eu Begabungen in jeher 3öeife 511 betl)ätigen. ©3 ibürbe biel su ioeit führen, ibolitc id) alle 
©efd)id)teu, ioeld)e mir über gesät;mte dîabeu betanut finb, h«r Jbicber ersät)leu, unb beêljaïb «utß eê 
genügen, menu id) fage, baß ber Bogcl ibal)ren 9Jtenfd)cnoerftaub beioeift unb feinen ©ebieter ebenfo 
Su erfreuen, alê aubere 3Dtenfd)eu su ärgern ibeiß. 2Bcr Zljkmi ben Berftaub abfdjtoaheu ibid, 
braud)t nur längere Beit einen Ütaben su bcobad)ten, berfelbe ibivb ihm beibeifen, baß bie abgefdjmad; 
ten dtebenêarteu bouSnftiutt, unbeibußteu Trieben unb bergl., Joeld)e su ©unften ber §albgöttlid)teit 
be§ 3Jicufd)cn aufgeftedt ioorbeu finb unb iberben, aud) nicht einmal für bie klaffe ber Bögel @iltig= 
teit haben tonnen.
        

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