Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Dritter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Erste Hälfte: Knacker und Sänger.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29459/333/
Sïtïaloogeï. 
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©oulb hat uni mit ber Sebenltoeife ber Sltlaloôgeï gtentïich genau befannt gemalt. So oiet 
man bil jefct toeijg, ift üfteufübtoale! bal SSaterïanb unb bal üppige, bidjt beblätterte ©eftrüpp ber 
Sieblinglaufentljalt unferel SSogell. ©r lebt ftänbig an ein unb bemfelben Orte, [treibt jebod) in 
einem flehten ©ebiete pin unb per, oictleicpt in ber Slbficpt, fiel) reichlichere Nahrung gu oerfepaffen. 
3>m Frühjahre Stuftr alien! trifft man ihn paartoeife, im Jperbft in fleinen ^ïügett, bann oft in beit 
Flußbetten, namentlich ba, ioo fid) ©ebüfdje auf einem Uferftreifen gur Sßaffergrenge pinabgiepen. Oie 
Nahrung befielt oorgugltoeife au! Körnern unb Früchten; namentlich bie riefenhaften Feigenbäume 
toerben ihrer fÇrüc£;te halber oiet befugt. Nebenbei mögen bie Sltlaloöget toohl aucp ®erbtpiere Oer; 
gehren, Sßäprenb bel f^reffenS finb fie toenig fd^eu unb laffen fid) bequem beobachten, ioäprenb fie 
fonft äußerft toaepfant unb borfichtig finb. 3limcd bie alten SRäuncpen follen fiep fehler Überliften 
taffen : fie ftpen auf einem SSaumtoipfel unb ioarnen, fobalb fidj etioal SSerbäcptige! geigt, ihre auf 
bem SSobett ober im ©egtoeig befchäftigteit f^amilienglieber burd) einen ^eXIen Sodton, toeldjem bet ©r; 
regung ein rauher, unangenehmer ©urgelton folgt. Unter ben Oruppl fieht man immer nur toenige 
aulgefärbte äftännepen; e! fd^eint baher, baß biefe erft fpät ihr oolle! ®leib erhalten. 
Oa! äfterfioürbigfte in ber Sebenltoeife ber Sltlaloögel ift ber Umftanb, baß fie ftch su ihrem 
Vergnügen laubenartige ©eloötbe erbauen, in benen fie ftch fdjcrgenb umhertreiben, ©outb lernte 
biefe ©ebäube guerft im SERufeum gu Sibnep fennen, toopin eine! bon benfetben burch einen Steifenben 
gebrad)t toorben loar, nahm fiep bor, ber Sache auf ben ©runb gu fomnten unb beobachtete nun län; 
gere 3eit bie Opiere bei ihrer Arbeit. „S3ei Ourcpftreifung ber ©ebergebüfdje bei SiOerpoolfreifel", 
fo ergäbt er, „fanb ich mehrere biefer Sauben ober Spielpläpe auf. Sie toerben getoö^nlid© unter bem 
Schule überhängenber SSauntgtoeige im einfamften Opeile bei SBalbel unb gtoar ftetl auf bem SSoben 
angelegt. $ier Joirb aul bid©t burdjflocptenem Seifig ber ©runb gebilbet unb feitlid) aul feineren 
unb biegfamerett Steifem unb S^etgett bie eigentliche Saube gebaut. Oie Stoffe finb fo gerichtet, baß 
bie Seihen unb ©abetn ber 3toeige fid© oben oereinigen. Sluf jeber Seite bleibt ein ©ingang frei, 
©inen befonbern Semite! erhalten bie Sauben baburep, baß fie mit grellfarbigen Oingett aller Slrt 
oergiert toerben. SRatt ftnbet hier buntfarbige Sdjtoangfebern oerfd©iebener Papageien, SRufdjelfdjalen, 
Sdjnedenpäufer, Sternchen, gebleichte Knochen it. f. to. Oie Febern toerben gtoifepen bie 3^eige 
geftedt, bie ®nod)en unb StRufdjeln am ©ingange hingelegt. Sille ©ingebortten lernten biefe Siebhaberei 
ber SSögel, gläitgenbe Oinge toeggunehmen unb fudpeu oerlorne Sachen belhalb immer guttächft bei 
gebachten Sanben. 3>cp fanb am ©ingange einen pübfcp gearbeiteten Stein oon 1V2 3oU Sänge nebft 
mehreren Säften oon blauem, baumtoolfenen 3euge, toeld©e bie 95ögel toaprftpeinlicp in einer entfern; 
ten SUeberlaffung aufgefammelt hatten. Oie ©röße ber Sauben ift fepr oerfd)ieben." 
©I ift nod) nicht oottfommen erklärt, gu toelchem 3*oede bie Sltlaloöget fold©e ©ebäube auf; 
richten. Oal eigentliche $Reft finb fie getoiß nicht, fonbern nur ein Ort ber Vergnügung für beibe 
©efd©led©ter, ioeld©e hier fpielettb unb fd©ergenb burch uub um bie Saube taufen. SBie el fc©eint, toer; 
ben bie Sauben toährenb ber Paarung!; unb SSrütegeit gum SteUbichein benupt, unb toaprfcpeinlich 
gebrauchen fie bie Opfere mehrere 3>apre nad) einanber. ©o-ren berichtet, baß er gefehlt pabe, ioie 
bie SSögel unb gtoar bie 2öeibd©cn eine Saube, toeld©e er gerfiört, toieber pergeftedt haben. Oer „alte 
SSufdjmann" ergäbt, baß fie in bitten Opeefträucpertt un^ oberem ©cbüfd), getoöpnlicp in SSer; 
tiefungen untoeit ihrer Sauben brüten; bod) fd©einen bie ©ier bil gur Stuube noch nicht befannt gu 
fein. „SBenn bal alte SRämtdjen erlegt toirb, ftnbet bal Weibchen fofort einen anbent ©efährten: 
ich h^be oon einer Saube lurg nach einanber brei Männchen toeggefd©offen." 
Slucp in ber ©efangenfdjaft bauen bie SSögel ihre Sauben. Strange, ein Siebhaber gu Sibneh, 
fchreibt an ©oulb: „dRein SSogelpau! enthält jept aucp ein Sßaar Sltlaloögel, oon toeld©en id) hoffte, 
baß fie brüten toürben, all fie in ben beiben testen äRonateit anpaltenb befd©äftio^t toaren, Sauben gu 
bauen. S5eibe ©efcplecpter beforgett bie Slufridjtung ber Sauben ; aber bal SDiänndjen ift ber paupt; 
fäcplicpfte S3aumeifter. ©I treibt gutoeilen fein 2fßeibd©en überall im SSogelljaufe herum, bann geht el 
gur Saube, h«dt auf eine bunte Feber ober ein grofje! S3latt, gibt einen fonberbaren Xon oon fid©,
        

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