Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Dritter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Erste Hälfte: Knacker und Sänger.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29459/186/
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©te Ænacfev. Sperlingsvögel. fôevnbeifer. 
ftetê fd;Vüel6enb. ©pne Notp fliegt ev ungern toeit, obtoopl eë ipm gar nic^t baranf anfommt, and) 
größere Streden in einem 3uge gurüdgulcgcn. Veint Stuffliegen läjü ev getoöpnlid) feinen Sodton, 
ein ïurgeê ©fcpid ober ©fcped bernepnten, toeïdjeê gutoeilen bieïmalê nacp einanber toieberpoït 
toirb. ©er ©ou ber 3ärtlid;feit ift ein angenehm fanfteê, febod) immerhin toeit porbarcê „3 to ni" 
ober „Sdj tounfcp". ©affelbe' toirb aucp alê SBarnungêton gebraudjt, bann aber getoöpnlicp mit 
einem fanftcn fetten pfeifen begleitet. ©a, too ber ©rünling fiep ftdjer toei§, ift er fepr toenig fdjeu, 
in ©efetifcpaften aber oft fepr borfid)tig. ©ê fcpeint, bafê einer bann immer mepr auf bie Sidjerpeit 
ber ©efammtpeit bebad)t fein toilt, alê ber anbere. „Vei Slnnäperung cineê ÜRenfcpeu", fagt mein 
Vater, „fliegen immer bie gunäd)ft auf bei* ©rbe fipenben auf, giepen bie auberit mit fid) fort unb 
laffen fid) halb toieber uieber. So nut§ mau einen Stptoarnt 23iertelftunbcn toeit berfolgen, epe man 
einen ficpern Sd)u§ auf mehrere tpun fann." ©igcntïid) bertrauenêfeïig ift bei* ©rünling nie. So 
fommt er niemals in baê ©epöft, aud) toenu ipu bie cirgfte Notp bcbriidt. 
©ie (Sämereien bei* berfcpiebeuften Vftangen, oor SWem ölige, Nübfamen, Seinbotter, ipäbricp, 
#auffamen unb bergleidjen, bilbeit bie pauptfäcplidje Naprung beê ©rünlingê. ©r lieft fte uacp Slrt 
ber ©belfinfen bon ber ©rbe auf, uub nur, tocnn tiefer Scpnee ipm feinen ©ifcp berbedt, berfucpt er 
aucp foldje auêguflaubeit ober nimmt ©ßacppolber ; unb Vogelbeeren an unb beifjt bie Vudptüffe auf, 
um beë ®erneê pabpaft gu toerben. Septereê berurfacpt ipm aber bpjl SNiipc, unb man finbet beêpalb 
aud) bie $erne bei* Vüdjeln uie allein, fonbern ftetê unter bielem auberen ©efärne in feinem tropfe. 
3n ©egeuben, too $anf gebaut toirb, faun ber Vogel gutoeileu red)t fcpäblid) toerben; benn er läfÜ ftd^ 
fd)toer bon biefem geliebten gutter betreiben. Slufjerbem toirb er toopl aud) im ©emüfegarten läftig; 
bafür aber nüpt er burd) Sluflefen unb Slufgepren beê Unfrautfamenê unb toaprfdjeinïicp mepr, alê 
er fd^abet. 
©er ©rünling pflegt gtoei SNal im $apre gu brüten, in guten (Sommern toopl aucp brci ÜNal. 
Sdjon bor ber Paarung läfjt baê Vtänndjen feinen einfachen ©efang forttoäprenb bernepmen unb 
fteigt babei gelegentlich, toic biele anbere hinten eë tpun, fd^tef nad) oben empor, beftänbig fingenb, 
fcplägt bie Flügel unb ergebt fie fo l)od), bafj ipre Spieen fid) faft berühren, fdjtoentt fid) l)iu unb per, 
befepreibt einen ober mehrere Greife unb flattert nun langfam toieber nach bem Vnume gurüd, bon 
toelchem eê fid) erhob, ©in gufällig perbeifommenber Nebenbuhler toirb mit ©ifer berfolgt unb nach 
mel)r ober minber partnädigen Kämpfen bertrieben. ©aê SBeibcpen berpält fiep bei allebcm gang 
rupig, pat aber offenbar feine grofjc $reube an biefen Siebeêbetoeifen feineê ©atten. 
©aê Neft toirb auf Väumen ober in popeit jpeden angelegt, gtoifepen einer ftarfen ©abel ober 
biept am Stamme unb je naep ben Umftänben auê fepr berfepiebenen Stoffen gufammengebaut. ©flrre 
Neifercpen unb SBürgelcpen, ©ueden, trodene Saline unb ©raêtourgcln bilben bie Unterlage, auf 
toelcpe eine Scpüpt feinerer Stoffe berfelbcit Slrt, untermifept mit grünem ©rbmoê ober ^lecpten, 
aud) toopl mit ©BoKtlümpcpeu gu folgen pflegt. 3U^' Sluêfütterung ber Neftmulbe bienen einige 
äu^erfi garte 2Bürgeld)en unb ^pälmcpen, auf unb gtoifepen beneit 5|3fevbe =, £)irfcp ; unb Neppaare 
liegen, bielteicpt auep fleine glödd)en ©piertoolle eingetoebt ftnb. ©er Vau ftept an Scpönpeit bem 
Nefi beê ©belftnfen toeit nad) ; er ift niept fepr feft unb biept, aber boep pinlänglicp gut gebaut, tiefer 
alê eine -Jpalbtuget, am Naube 2V2 biê 2% 3ott ÔeÔeit 2 3°ß tief, ©aê Söeibcpen ift ber 
eigentliche Vaumeifter; baê SNänncpen pilft feiten, obtoopl eê bei ber Slrbeit felbft immer gugegen ift. 
©nbe Slprilê finbet man baê erfte ©elege, ©nbe 3>uniê baê gtoeite unb toenn eine brüte Vrut 
erfolgt, gu Slnfang beê Sluguftê baê britte. @ê beftept auê bier biê feepê ©iern, bon 9 biê 10 Siitien 
Sänge, toeldpe fepr baud)ig, bünn unb glattfcpalig unb auf bläulid)toei§em ober filberfarbenem ©runbe 
mit bleicprotpen beutlidpcn ober bertoafcpeneit gledcpen unb Vünftd)en bebedt finb, befonberê am 
ftumpfen ©nbe, too bie Rieden niept feiten einen lofen Ärang bilben. 
©aê SSeibcpcn brütet allein, fipt fepr feft auf bem Nefte, toirb ingtoifepen bon bem Niänncpen 
ernäprt unb geitigt bie jungen in urtgefäpr biergepn ©agen. Veibe ©Item tpeileu fiep in bie Slufgud)t 
ber Vrut unb füttern biefe gunäepft mit gefepälten unb im tropfe ertoeiepten Sämereien, fpäter mit
        

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