Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Dritter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Erste Hälfte: Knacker und Sänger.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29459/107/
liefern;, ^ttfiten = unb Btubiger ÆrèugfdjnaBel. 
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biefem gu öffnen; beim ntc^t anf allen finbet er 5lefte, auf benert er bie Bapfen Bequem aufBred)ett 
Bann. ®iefe8 ^lufBredjen toirb auf folgenbe ©Seife BetoerBftedigt. ®er ®reitgfd)naBel reigt, menu 
bcr Bapfen feft hängt ober liegt, mit ber ©pi^e ber oBern Æinttlabe bie Breiten $)e(Md)eu ber 
Bapfen in ber ©litte auf (Bei ben Keinen hat er ®ie3 nicht nöt^ig), fd)ieBt ben etloaê geöffneten 
©feê in bie .Spöhe. ©un fann er 
ba§ ©antenBorn mit ber Bunge leidet in ben ©djnaBeï fc^ieBen, mo eê Bon bem $lugBlättcl)en unb 
ber ©djale Befreit unb bann Berfdjludt mirb. ©ef>r groge Bapfen öffnet er nid)t." 
,;®er üBer baê Äreug geBogene ©djnaBel ifi iBnt unb feinen ©attungêBertoanbten Beim 9luf 
Bremen ber Büfett Bon f>öd;fter ©ßidjtigBeit ; beim einen folgen ©d)naBel Brauet er nur toenig gu 
öffnen, um il)m eine augerorbentliche ©reite gu geBeit, fobag Bei einer ©eitenBetoegung be3 ®opfe3 
baê 3)ec!eichen mit ber größten SeidEjtigBeit aufgehoben mirb." 
„®aS 2lufBreie3 
gefdfjieht felBft Bei BoKBöritigett Bapfeit, aBer nicht Blo§ Bon jungen ©ögeln, mie ©echftein glauBf, 
fonbern auch Bon alten; beëftegen ift ber ©oben unter beit©äumen, auf melden einige ßreugfdijnäBel 
eine Byfang gefreffen ÇaBen, gumeilen mit Baffen BebedBt ober menigftenê Beftreut. ©Senn fte fort; 
fliegen, laffen fie alle il)re Baffen fallen." 
„©itib bie Bapfett an ben ©äumen eingeln ober aufgefreffen, bann fudf)en fte bie l;eruntergefalle; 
neu auf unb öffnen fie, mie bie au ben ©äumen Ijängenben." 
®er ^id^tenfreugfcfmaBel geht feljr feiten an bie meit fdjmerer aufguBred^enben Âteferngàjîfen, toeit 
er gu ber an i^n en ' er for b er lid; eit SIrBeit nidjt bie nötige Shaft Befi^t. ®er ÆiefernBteugfdjnaBel aBer 
Bricl;t audj ßieferngapfen ohne ©lühe auf ; er Bann mit einem ©talc alle bie £)ecfeld)en auföeBen, bie 
üBer bem liegen, unter melden er feinen ©d)naBel eingefefct hat. ©eibe ©rtett Bremen ftetê mit bem 
DBerBiefer auf unb ftemmen ben untern gegen ben Baffen; baÇer Bommt eg, bag Bei bem 9tec§fês 
fdmäBler immer bie rechte, Bei bem SinBSfchnäBler immer bie linBe ©eite beê ©d^naBelê oBeit liegt. 
3n Beit Bon gmei Bis brei ©linuten ift ber ©ogel mit einem Bapfen fertig; er lägt il)it bann fallen, 
l)olt fid; einen anbern unb öffnet biefen. ©o feiert er folange fort, Bi§ fein Shopf gefüllt ift. 3lu 
ben auf bem ©oben liegeuben Bapfen erBenut man, bag Jheugfd&näBel in ber ©egenb finb. ©Senn 
bie Spiere uid;t geftört merben, BleiBen fie ftunbenlang auf ein unb bemfclBen ©aume fifcen unb 
Bertaffen bann auch bie ©egenb, in lueldjer fie ftd^ einmal eingefunbeit, iBod^eulang nidjt. ©olange 
fie jpolgfamen auffinben, gehen fte Baum anbere ©acting an; im ©othfall aBer freffen fte ölige ©ä= 
mereien, £anf, £>iftelfamen u. bgl. unb gumeilen feljr gern ÄerBt^iere, namentlich ©lattläufe, meldje 
fie fid) bann auch in ben ©arten unb DBftyflangungen ber ©Salbbörfer gufammenfuchen. 
©ine uothteeubige $olge beê Bielfachen SlrBeitenê auf ben hargreidljen heften unb Bapfen ift, 
bag fie fid; oft in fel)r uuermünfehter ©Seife Befchmugen. ©ie ftnb eBenfo reinlich, mie bie meiften 
üBrigeu ©ögel, unb pufcen fich nach jeher ©tahlgeit forgfältig, um fid) Bon ben anhättgenben £arg= 
teilen gu reinigen; namentlich ben ©chnaBel mehen fte minutenlang auf ben Sleften. S)och finb fte 
nicht immer im ©taube, ihr ©efteber fo in Orbnung gu halten, aïs fie mohl IBünfchen, unb'oft Bommt 
el Bor, bag bie Gebern einen biden UeBergug Bon ^arg erhalten. 2lBer bie Bon ihnen aufgenommene 
©ahrung BetoirBt auch noch etmaê Slnbereê: fie Berlei^t ihrem fÇleifd;e eine ©igenthümlichBeit, melche 
JBieberholt gum Urfprung anmutiger ©agen gemorben ift. ®er SeiB ber ^reugfchnaBel, melche 
längere Beit au3fd)ïieglid) ©abelhotgfamcn fragen, mirb Bon bem ^arggeljaït fo burd)brungen, bag er 
nach bem ïobe längere Beit ber puïttig miberfteht. ,,®a3 fjleifd^", fagt mein ©ater, „erhält gtoar 
einen eigenen, toibrigen ©eruch, aBer eg Beüoeft nicht eigentlich, ©ur mug man eg Bor ben ftleifdf)- 
fliegen in 21df)t nehmen ; benn menu biefe bagu Bommeu, legen fie ihre ©ier baratt, unb bie barauê her= 
BorBontmenben ©laben burchlBÜhlen unb BergeÇreu baê gleifch. 3
    

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