Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Zweiter Band. Erste Abtheilung: Die Säugethiere. Zweite Hälfte: Beutelthiere und Nager. Zahnarme, Hufthiere und Seesäugethiere
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29458/768/
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$ie SBielfyufer ober ©trauter. — SDaS 2BUbfdjtteitt. 
artet feilen in ein groEenbeS ©rammen aus. OieS öemahm ich namentlich, trenn £auptf<§treme 
jnm gva§e ôtnôert unb in ber 2tä^e nuferer ©erjïedpïâfce ©efahr ioitterten. 
©egen ©nbe EtooemberS beginnt bie ©runftgeit ber ©Sitbfchtoeiue. Sie irä^rt ettoa tier bis fünf, 
oieEeidjt and) fecïjê ©Sodjen. ©Senn ©ad)en, trie eS gutoeiten oorfommt, gtoeimaï in einem Saïjre 
Brünften unb frifdjen, ftnb eS ioahrßheintidj foldje, bie oon gahmen Scheinen aBftammen unb in 
irgenb einem gorfte auSgefctjt mürben; eigentlich toitbe Brünften nur ein EM int Bahre. Oer grifcfc 
Xing ift mit einem 2ttter oon 18 bis 19 EJtonaten gur gortpftangung geeignet, unb ber toeibtiche Brum 
ftet and) in biefer Beit gum erften EMe; ber männlid>e aber fonimt nicht bagu, ioeit bie groben 
©d)toeineif)n abfdfagen. ©obalb bie ©runftgeit herannaijt, nähern fid) bie Biêhev einfiebïerifch 
tebeuben #auptfd)ioeine bem Etubet, Oertreiben bie Heuler unb laufen ttttn mit beit ©achen umher, 
biê fie ihr Biet erreicht haben. Unter @teid)ftarfen fonimt eS gu heftigen unb Iang"bauernben Kämpfen. 
®ié ©d)Iäge, ioetdje fich bie ioaderen Streiter Beibringen, ftnb aber fetten töbttid), toeit fie faft alte 
auf bie ©etoeljre unb unburd)bringtid)en ©djitber fatten, ©ei Rampen oon gleicher ©tat fe bteibt 
natürlich ber ©rfoïg beS ©treiteS unentfchieben, unb fie butben fid) bann gutcpt neben einanber, ob* 
gteich fetbftoerftänblich mit bem größten ©Siberftreben. „©ertaffen unb traurig," fagt Oietrid) 
auS bem ©Sindett, „müffeu ioäljrenb ber ©runftgeit bie ©ertriebenen, gu geringgähtigen, nur 
aus ihres ©leiden beftehenbeu Etubetn oereinigt, mit einanber u7nhevfd)toeifen unb toohlober übet 
ihre SiebeSbcgierbe nnterbriiden, bis jene ElEeinherrfcher gefättigt unb entnerot, ihnen freitoiEig baS 
gelb räumen unb in bie ©infamfeit gurüdgiehen. Ood) bteibt auch noch biefem ober jenem klüftigen 
unter ber männtid)en Bugenb ein ©tümdjen gu ppdeu übrig, toetdjeS ihnen baS Oort)er ©ntbet)rte 
fdjabtoS hält." ©onberbar finb bie Siebfofungen, ioetebe bie brünftigen Deuter unb ©d)loeine ber 
©ad)e gufontmett taffen. @ie ftoßen biefe nämtid) unauftjörtid) an aEeOfjeite beSSeibeS mit ihrem ©e- 
bredje unb oft in recht ungarter ©Seife. Mein bie feineStoegS fproben Schönen oerftet)eu ben ©Scrth Wer 
Siebfofungen gehörig gu fchäl^en unb nehmen fie fet;r gut auf. ©etbft ioäljrenb beS ©efdjtagS, melier 
eben höd)ft fd)toerfäEig oor fid) geht, erbätt, ioie unfer eben genannter ©eiodtjrSmann fagt, bie @e= 
liebte noch fonberbare ©eioeife ber ßärtlid)feit ; beim oor lauter ©ntgücfen beißt fie ber Siebhaber 
fo fräftig in ben fpatS, baß enttoeber ein großer £f)eil toon ©efühttofigfeit ober ein Uebermaß 
non toonneooEen ©efiihten auf ihrer ©eite bagu gehört, fo ©ttoaS ohne irgenb ein beS 
Unbehagens gu ertragen. Etdjtgebn bis gtoaugig ©öod)Cit nach ber ©runft fdjt bie fd)toäd)ere ©a^e 
4 bis 6, bie ftärfere 11 bis 12 grifdjtinge. Sie t)at fid) oort)er im einfamen Oididjt ein mit EJtoS, 
Etabetn ober Saub auSgefütterteS Säger bereitet unb I)ätt bie oon it)r gärttidh geliebten ^inberdjen bie 
elften toierge^n Sage forgfam oerftedt in biefem Sager, toertäßt fie and) nur fetten unb btoS auf furge 
Beit, um fid) graß gu fuchen. Oann führt fie baS fteine Gilbet auS, bricht ihnen oor, unb bie netten, 
munteren ï^ev(^en toiffen fd)on red)t hübfd) ihr ©ebredje augutoenben. Oft finben fid) mehrere 
©achen mit if)ren grifd)tingen gufammen unb führen bann bie junge ©efeltfdjaft gemeinfam an. 
Oann fomrnt eS aud) oor, baß, ioenu eine ©a^e gufäEig ihr Seben oertiert, bie anberen bie 
gührung ber ©ertoaiften annehmen. 
©in Etubel biefer jungen, fdt)öu gegeidjneten ©tpre bietet einen ungemein erfreulichen Etu* 
blid. Oie nodj fteinen grifd)tinge finb attertiebfte ©efdjöpfe. 3hr ^teib fteht it)nen oortreff= 
lieh, unb bie EJUmterfeit unb ©eioeglidfeit ber Bugenb bitben einen oottenbeteu ©egenfat? gu ber 
Trägheit unb Sangtoeitigfeit beS ©UterS. ©rnftt)aft gehen bie ©achen ihren grifchtingen ooran, 
unb biefe troEen unb taufen, quieten unb grungen hinter jenen brein, ohne Unterlaß fich gerftreuenb 
unb toieber fammetnb, hier ein ioenig oertoeitenb unb bred)enb, einen plumpen ©djerg oerfudjenb 
unb bann fich toieber fammetnb unb nach ber Ettteu hinbräugetib, fie umtagernb unb gum ©tiEfteljen 
gloingenb, baS ©efäuge fich erbittenb unb bann toieber tuftig toeiter troEenb: fo geht eS toährenb ber 
gangen Ecacht fort, unb bei Oage fann eS bie unruhige ©efeEfdjaft im Reffet auch faiun auSt)atten 
unb bret)t unb betoegt fid) bort ohne ©nbe. „EtidjtS überfteigt ben äJtuth unb bie Uuerfd)roden: 
heit," fagt ©Sindett, „toomit eine rechte ober eine fftegemuttçr ihre gamitie im 3RothfaEc oer^
        

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