Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Zweiter Band. Erste Abtheilung: Die Säugethiere. Zweite Hälfte: Beutelthiere und Nager. Zahnarme, Hufthiere und Seesäugethiere
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29458/748/
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£)ie SBietyufer ober ©id^uter. 2>ie £apire. — Stilgemeineg. 
bag #aar an feiner Sßurgel heller, aïg an ber ©pifce." 3m Jadeit bilbet eg feine SOlä^ne. 2Bid)tU 
fler nod) finb bie Unterfdjiebe im Ænodjenbau, meld)e fid) gmifd)en bem Spind^ague nnb bem eigentlis 
d)en amerifanifd)en £apir bemerflid) mad)en; gumal bic ©d)äbel Seiber meinen bebeutenb toon einan* 
ber ab. 3n bcr ©röße foil ber ^ind^ague hinter bem £apir gurüdftehen. ®ie Sänge mirb gu 5V* 
$uß, bie £öhe gu 2% $uß angegeben. 
9tod) vermögen mir nidjt gu fagen, mie meit bag Saterlanb biefer fSCrt fid) erftred't. ©g fdjeint, 
ba§ ber Spind^ague mehr ©ebirggthier ift, afg feine SSertoanbten; £fd)ubi glaubt mit einer „gur 
@emißl)eit toerbenben aöa^rinlid^feit" fagen gu fönuen, baß bag Xljicr am öftlid;en 3lbl;ange ber 
Sinnencorbideren nnb gumal im mittleren spent in einem £>öl)eitgürtel gmifdjeu 7 nnb 8000 Suß 
über bem SDleere nid)t feiten toorfoinmt nnb oft toon ben Snbiaitern erlegt mirb. SDiefe pflegen 
and) Saca bei SDlonte, ©ebirggfuh, 31t nennen. 
(girier Sebengbefdjreibung unferer SDicfljäuter muffen mir bie 3Jlittl)eilung gu ©runbe legen, 
jreldie mir toon 2lgara, Sftengger, Spring toon SBieb, £fd)ttbi, ©d)omburgf unb 9lm 
bereit über ben amerifanifdjeit Stapir erhalten l)aben ; bentt über bag Seben beg ©d)abradentapirg unb 
beg ^3ind)ague miffett mir eben ïïîidjtg. ®ie Xl)iere finb fid) übrigeng fo ä^nlid), baß man fid) mo^l 
faum eineg $el)lerg fd)ulbig mad)t, menu man bag Seben unb ©reiben beg* ©inen toorguggmeife 
berüd'fid)tigt. ** 
®te ©apire galten unter allen Umftänben feft am 2ßalbe unb toermeiben ängftlid) alle Slößen 
ober offenen ©teilen beffelben. 3m $Did'id)t treten fic fid) regelmäßig SPfabe aug, mettre fich toon ben 
aGBegen ber Snbianer fd&mer unterfd&eiben laffen unb ben Ungeübten leidet toerloden, fie 31t betreten. 
2Bef)cit)m, meint er ®ieg tl)ut. ©r fattn Xage, 2öod)en maitbern, ehe er eine ' ^>ütte ober ein 
mettfd)Iid)cg SBefett antrifft, menu il)n nid)t fdion früher junger unb ®urft tobten! ®iefe 2ßilb-; 
bahnen benufcen bie Starre, folange fie nicht geftört merben; in ber 2lngft hingegen brechen fie ohne 
meitereg bttreh bag ärgftc SDicfid)t, 2ltleg unmiberftehlid) toor fich nieberreißenb, mag ihnen im 
SBege fleht. 
®te SCapire ftnb Stömmerunggthiere. „ffiir haben," fagt £fd)ubi, „monatelang bie bid)tcn 
Urmälber, in betten ©djareit bet ©apire leben, burd)ftrid)en, ol)ne je einen int Saufe beg ~ageg 3U 
fehen. ©ie fcheinett fich bann nur im bidjteu ©ebüfdh, an ben fühlen, fdC;attigen ^lä^ett aufgul)al; 
ten, am liebften in ber 9lähe toon ftel)enbem Söaffer, in meld)ent fie fid) gern mälgen." 3» gänglid) 
ungeftörten unb fcl)r bunfeln SEBälbern hingegen ftreifen, mic spring toon 2ßieb toerfidjert, bie 
SChiere aud) bei £age umher, unb biefe Angabe finbet Unterftühung in ber ^Beobachtung beg Setras 
geng ber ©efangenett, meld)e ebenfalls nicht feiten in ben ©agegfhmben fid) erheben nnb eine 3eiUang 
in ihrem @el)ege umherlaufen. 3m ©onnenfd)ein freilich bemegen fte fid) l)öd)ft ungern, unb mährenb 
ber eigentlichen ÜRittaggfhmben fuchen fie ftetg int ©fatten beg £>idid)tS ©d&ufc gegen bie erfd)laffenbe 
^{^e nnb nod) mehr gegen bie fte in l)ol)em ©rabe ^>ctnigenbett SCftüdeit. „3Beitit man, fagt ber 
spring, „am frühen borgen ober am Slbenb leife unb ohne ©eräufd) bie -glüffe befd)ifft, befommt 
man häufig Tapire 31t fehen, mie fie fid) haben, um fid) gu fühlen ober tun fid) toor ben ©ted#iegen 
31t frühen. Sßirflid) meiß fein Xt)ier fid) beffer gegen biefe läftigen ©äfte 31t frühen, alg ber ©apir; 
bentt eine jebe ©djlammpfüpe, ein jeber Sad) ober ©eidj mirb toon il)tn aug biefer Uifadje aufgefud)t 
unb benutzt. SDat)er finbet man aud) oft feilte jpaut mit ©rbe unb ©chlantiu bebedt, menu er erlegt 
mirb." ©fd)ubi behauptet, baß bie ^arbenabänberung, meld)e man fo häufig bemerft, toon biefer 
©emohnheit beg ©biereg herrühre, ba fic auf meiter dcid)tg beruhe, alg auf ber größeren ober ges 
längeren SÖteuge toon ©rbe, me(d)e il)nt beim Sßälgen int ©d)lamtn unb ©aube bie ^iaut toerunreiui= 
gen. ©egen Slbeub gcl)en bie Tapire ihrer dcaf)ruitg uad), unb mahrfd)eiulid) finb fie mäljieitb ber 
SRad)t fortmähreub in Semeguug. ©ie geigett alfo in ihrer Sebengmeife große 2lel)itlid)fcit mit unferem 
Sßilbfchmein. SOoch halten fie fid) nid)t in fo ftarfen dtubelit, mie biefeg, foubent leben uad) 2lrt beg 
SRagl)orng mehr eingeltt. SRamentlid) bic üÖtänndjen foKen ein eittfieblerifd)eg Seben führen, fid) blog 
gur ^aaruitgggeit gn bent Weibchen gefeKen, fonft aber ihre eigenen Sßege gehen. Familien trifft man
        

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