Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Zweiter Band. Erste Abtheilung: Die Säugethiere. Zweite Hälfte: Beutelthiere und Nager. Zahnarme, Hufthiere und Seesäugethiere
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29458/685/
®er ©apat. ®er ©aur. 
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Sauber nid;t erpeblid; ab. ©r hält ftd; in gerben gufammett, geïjt morgend, abeitbS unb bet hellen 
3Rä$ten auf 9Rat;rung auS, gie^t fid; bor ber brüdenben SCRittagê^i^e in bie bid;teften Söälber gurüd 
unb rut;t bort iuieberläuenb im ©datten; er liebt baS Sßaffer, niept aber aud; ben ©cpinug, unb 
meibet beSpatb ©üntpfe, mäprenb er ftd; gern in flareit 33ergtbäffern lüpït. ©ein Sßefen mirb als 
fanft uttb gutraulid; gefd;ilbert. Oent 2Jienfd)en toeicpt.er fcpou bon iucitem auS, unb niemals magt 
er einen Singriff auf ifm. ©egen Sftaubtpiere aber bertpeibigt er ftd; ntutpig; er foil felbft ben Oiger 
unb ben antiker in bie $lud;t fd)lagen. ©eine feparfen ©intte fiebern unb feine ©emanbtpeit 
unb ©cpnelligteit im Sauf retten it;n, menu er fiep überhaupt gur Slucpt anfepidt. 
3>n ntanepen ©egenben OftinbienS ibirb ber ©apal gejagt unb bann fein Steifcp unb Sell be; 
nut^t; iueit häufiger aber fängt man ipn lebenb ein. Oie$ufiS crmöglkpen OieS bttrep eine 
befonbere Sift, ©ie ballen auS ©alg, ©rbe unb 33auntft>ode kugeln bon ber ©röfe eines dRanneS; 
ïopfeê gufammen unb gieren mit iprett gasmen ©apalS ben toilben entgegen, ©obalb bie gegâpmten 
ftd; mit ipren freien 23rübern bereinigt paben, merfen bie ®ufiS ipre ©algfugeln auS, unb bie mitben 
Od^fen, tu eld; e burd; bie gasmen an beftimmte Orte geführt merben, bemerfen fepr balb, ba£ in 
ben 23aden eine große Sederei für fie enthalten ift. ©ie befd;äftigeu ftd; balb angelegentlich mit bent 
SSeleden biefer kugeln unb fahren barin um fo eifriger fort, je mehr bie burd; bie 33aunttbode gut 
berbunbene dRaffe-OBibcrftanb leiftet. Siftig forgen bie ®ufiS für immer nette Bufupr, unb fo 
halten ftd; bie gerben monatelang gufammen unb mad;en fid; mit ihr unb bie SBilbtinge mit ftd; innig 
vertraut. Sept nahen fid) bie Seute, ioeld;e fid; anfangs in einem gemiffen Slbftanbe Verhielten, um 
ihr Söilb nicht in Unruhe gu berfepen, mit gapinen ©apatS mehr unb mehr ber großen jperbe, ge; 
iböhnen biefe nad; unb nad; an ben Slnblid beS dRenfd;en, begeben ftd; bann mitten unter fie unb 
ftreid;eln rul;ig unb gelaffen ihren gähnten Opieren ipalS unb dtüden, merfen babei ben milben neuen 
^öber gu, ftreden root;t auch ihre .jpanb nadh einem unb bem anberen auS unb fd;meid;eln ihnen, mie 
borher ben gal;men; furg, fie getoöhnen bie fftinber nun aud; an fid; felbft unb lel;ren fte, ohne irgenb; 
mcld;cn 3maug angumenben, ihnen gu folgen, bis fte eines fchönen Staged bie gange @efedfd;aft nach 
ihrem Oorfe führen. Oie ©utmütpigfeit ber ©apalS ift fo groß, baß fte fich bann auch bk engere 
©efangenfd;aft gleid;giltig gefallen taffen; ja, fte foUen fiep nad; unb nad; fo an ihr Oorf gelböpncn, 
baff bie ®itfiS, toenn lie ihren SBopnftp mit einem anberen bertaufepen moden, genöthigt ftnb, 
ihre jpütten gu berbrenuen, meit bie gerben fonft immer ioieber in bie früheren ©täde gurüd; 
lehren mürben. 
Oei einigen $inbuftämmen gilt ber ©apal, mic ber Bebu, für ein heiliges Opier. SDian magt 
eS nid;t, il;n gu tobten, foitbcnt tréibt ihn nur nad; ben heiligen Rainen auf bie Söeibe, menu man 
ben ©öttern ein Opfer bringen miß. $n anberen Sänbern biefcS großen Reiches bertoenbet man ba; 
gegen bie neu eingefangenen gumeilcn gu ©tiergefeepten unb ißt bort auch dpne ©emiffenSbiffe ihr 
Steifd;. Bapme gerben beft^en namentlid; bie ©ebirgSbötter ber ^robingen Opipura, ©itheab 
uttb Ofcpibagong. %n ber dieugeit paben bie ©nglänber verfugt, baS mid;tige O^er in Bengalen 
einguführen. 
Slud; bem gal;men ©apat fagen nur malbige, fchattige ©egenben gu; in ben Beiden Sanbftrichen 
geht er fehr leicht gu ©runbe. 3ur Slrbeit mirb er nirgenbS bermenbet; bie ^ufis berfd;mähen cS fo; 
gar, bon feiner üDlitd; ©ebraud; gu machen. 
lieber bie Sortpflangung mei§ man nur, ba§ bie ^uh nach neunmonatlid;er dragged ein 
eingigeS ^alb gur SBelt bringt unb biefeS burd; acht bis neun Monate fäugt. OaS näcpfte 3ahr 
foil fie immer gelte get;en. 
Sisjeht 'hat man nur berfudt, ben ©at;al mit bem Bebu gu treugen unb babon gute ©rfolge 
ergielt. Ood; fehlen, hierüber noch ausführlichere ®eobad;tungen. 
dRit biefem fd;önen Slinb l;^t man biSt;er vielfach ben ©aur (Bos Gaurus) bermed;felt. ©r 
l;at in ber £t;at gro§c Slehnlid;!eit mit bem ©apat. ©eine Sßirb'elfäule beftept aber auS 13 rip; 
S3re^m, ï^ierïeben. II. xn
        

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