Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Zweiter Band. Erste Abtheilung: Die Säugethiere. Zweite Hälfte: Beutelthiere und Nager. Zahnarme, Hufthiere und Seesäugethiere
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29458/567/
$5 er ßubu. 
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©letten fennt, braudjt, um fidler gu ©djuffe gu fommen, eben btog augufiehen. Sind) ber Slnftanb 
auf beu Vßedjfet mürbe ungmeifelljaft ein günftigeg ©rgebniß ^aben, meil ber Slgafeen fel)r genau ein= 
^ätt. Ob ftd^ bag 5t§ier treiben läßt, mie unfer Jpocfsmitb, mage id) nidjt 311 entfd)eiben, glaube eg 
aber bejahen gu bürfen. Vorfidjtig muß man jebenfatlg gu Sßege gehen; benn ber ßubtt ift außer= 
orbentlid) machfant, unb feine oorgüglidj fdjarfen ©inne unterrichten iljn immer reddgeitig 001t ber 
SInfunft eineg etmaigen $einbeg. Stäl)er afg gmeihunbert ©djritte fournit man fetten an ii)n heran, 
unb fctd;e Entfernung ift hoch nur europäifdjen ©d)üèen geredet. Oie Gaffern, bereu fd)ledjte 
Sßaffen bei ber Vorfidjt beg Vh*ere3 gättglich erfolglos geigen, haben eine eigene 2>agbmeife erfun? 
ben: fie gehen in größeren ©efettfdjaftengur 3>agb hinauf unb verfolgen bie oon it)uen aufgefdjeud)ten 
Sintilohen, meit fie miffen, baß biefe fehr halb ermüben. Oag VSitb hi« = unb hevtreibeub, führen 
fie eg ber einen ober ber anberen Slbtljeifung ihrer Sagbgehilfen gu, taffen 001t biefen bie Verfolgung 
fortfefcen unb gönnen ihm fo feinen Slugenblid 9lul)e, fonbern gmingen eg, ftunbenlang rafd> gu 
taufen. 3>hre grauen finb mit einer Vrad)t maffergefüdter ©traußeneier hier unb ba oertheitt, um 
bie abgelebten Männer gu erquiden, unb biefen gelingt eg, Oanf ihrer nie ermattenben Slugbauer, 
enbtich mirftid), bie ftattlichen Sintilohen gu ermüben. Oa nun geht Sllleg mit ©efdjrei ber mid; 
fommeiten Vente entgegen. Oag Slltthier ergibt fid) miberftanblog feinen Verfolgern; bie ftarfen 
Vöde aber nehmen-biefe an, fenfen ben @epf nieber, fo, baß ihr furchtbare^ ©ehörn magered)t gu 
ftehen fommt unb ftürgen hlö^lich bfeilfchnell auf ihre Singreifer log. Süfctere finb verloren, menu 
lie nicht red)tgeitig gefcfjidt auf bie ©eite fhringen. ©egen .fpunbe, metd;e ben ®ubu nach menigeit 
Minuten im Saufe einholen, Oertheibigt er ftch regelmäßig, unb gmar and) mit ben Saufen; feine 
ftarfen ©taten finb immer noch fdjarf genug, um böfe SSunben gu fd)tagen. Oeghalb gebrauchen 
bie Äaffern bie treueften aller ^agbgeljilfen nicht bei ihrem £ehen, fonbern helfen fich lieber fetbft unb 
merfen auf bag oon ihnen umringte Söitb nach unb nad) fobiet Vßurffpieße, baß eg feinen Söunben 
fd)ließlid) erliegen muß. 
©leich nad) ber Vöbtung beg Äubu beginnt nun ein großeg fÇefl. ©g mirb ein $euer angegün; 
bet. Oer Staud) gieht auch bie ferueftehenben 3>agbgenoffen herbei. Viele -fjpänbe befchäftigen fid) 
mit bent ^erlegen beg Vßilbpretg, attbere unterhalten bag freuet* unb merfen, menu fid) ein tüchtiger 
^ohlenhaufen gebitbet hat, eine SJtenge ©teine Bi«cin, um fie glühenb gu mad)en. SJeitttermcile ift 
bag SBilbhret fchon gertegt unb gerfdmitten. SJtan orbnet bie ©teine einigermaßen gu einem ^erb 
unb bebedt fie nun bidjt mit ben gerfchnittencn VBitbhretftüden. SBähreub biefe fangfam braten, fällt 
bie hungerige Vanbe über bie Knochen her, unb Seber fauert, lüfternen Slugeg bag gleifd) betracht 
tenb, mit bent ^nodjen in ber jpanbHtnb gmifchen ben 3äl)uen, oor beut fetter. Oer Vraten mirb 
noch halbroh Oon ben ©teinen genommen unb gierig Verfehlungen, ©ettatt in berfelben Söeife rid)ten 
fid) auch Slbifftnier il)r SBitbpret gu, nur mit bent Unterfd)ieb, baß fie nid)t bie rohen Knochen 
benagen unb ihr Viarf gleich attfeffen, fonbern oietmehr bag leistere aug ben gerfd)tagenen 3^öl)ren 
hreffen unb gur Rettung beg ftteifdjeg benutzen. VBir unfererfeitg brieten bag SBilbpret in euvopäU 
fd)et; Sßeife, unb ich ^arf tooïjï Oerfictern, baß ich feiten fchmadhaftereg Çteifcf) genoffett habe; gumal 
bie aug ben Senben gefchnittenen unb faftig gebratenen gleifd)ftüdd)ett mären auggegeichnet. Slußer 
bem Vfenfchen bürfte ber ermachfene ®ubu nur menige geinbe haben. Oaß fich ®önig Seu, melier 
Ben mitben Vüffet nieberfchtägt, oor bem fcljarffbihigen ©d)raubengehörn beg $ubu nicht fürchtet, 
unterliegt mohtfaurn einem 3meifel; oor bem Seebarben, biefem #auptfäger aber, ift ber ftarfe, 
mehrhafte Vod unb fetbft bag Slltthier mahrfcheintid) gefiebert, unb bie SBilbl)mtbe fommen ebenfallg 
fchmerlich gum Biele. Oagegen foil ber Slgafeen einen anberen f^einb haben, melcher ihn fehr be= 
täftigt. ©tn beutfeher Kaufmann in SJîaffaua überließ mir ein ®ubugel)örn, metd)eg fidh burd) 
eigentümliche leberartige Sltthängfel aitggeid^nete, mit ben SBorten : ,,©d)neiben @ie bie Slugmüchfe 
nicht ab; benn biefe fah ich an ^n Römern, atg id) bie Slntitope erlegt hatte." Sßie bie ge= 
naue Unterfud)ung ergab, maren bie fonberbaren Bottein nichtg Slnbereg, atg ©ef^innfte einer 
Vßeghentaroe, melche ben hornigen V^i^er ©lange big auf ben ®nod)enfern burdjbohrt unb bag
        

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