Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Zweiter Band. Erste Abtheilung: Die Säugethiere. Zweite Hälfte: Beutelthiere und Nager. Zahnarme, Hufthiere und Seesäugethiere
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29458/116/
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Sie 33ildje ober ©cplafntaufe. 
auggepolftert uub big auf eine fleine Oeffnung ringgum gefcploffen. £)ie Stutter fäugt-bie jungen 
lange Seit, uub trägt ipnen, and) menu fie fcpou freffen können, eine pänreicpenbe Stenge Saprungg; 
mittet ju. Connut mau sufädlg ait bag Se|t uub mid oerfttcpen, bie jungen augsuuepmen, fo 
fcpnaubt bie forgenbe Site einem mit funfelnben Slugen entgegen, ffetfdpt bie Säpne, fpringt nad) 
©efid)t uub Rauben uub macpt oott iprem gar nidjt unbebeutenbeit ©ebiß ben aderauggebepnteften 
©ebrattd). Sterfmürbig ift, baß ber fonft fo reinliche @arteitfd)läfer fein Seft im pöcßjtett ©rabe 
fd)mitjig pält. ®er ftinfenbe ltnratp, melcper fid) in bemfelben anpäuft, bleibt liegen uub oerbreitet 
mit ber Seit einen fo tätigen ©erud, baß nid)t btoä bie £unbe, fonbern aud) geübte Stenfd)en fd)on 
au3 3icmtid)er ©ntfernung ein fold)eg SReft maprsttttepmen im ©taube ftnb. Sad) mettigen ©ocpeit 
fabelt bie jungen bereite bie ©röße ber Butter erreicht uub ftreifen nod) eine Seit taug in ber Säpe 
i^reê Sagerg untrer, um unter ber Dbput unb Seituug ber eilten itérer Saprung uad)sugepeti; er|t 
fpäter beSiet;en fie i$re eigene ©opnung. 3m näd)ften Sapre ftnb fie fortpflansunggfäpig. Sei be; 
fonberê günftigem better mirft bag ©eibcpen and) mopl sum gleiten State in bemfetben Satire. 
3um 5lbp alten beg ©interfcplafeg fud)t fid) ber @artenfd)täfer trodene uub gefcpüpte Saum; 
uub Stauertödjer, aucl) Staulmurfgpöpten auf ober fommt an bie in eiuem ©albe ftepenbeu ©epöfte, 
in ©artenpäufer, ©dienern, £euböben, ^öplerpütteu uub aubere ©opugebäube, um fid) bort su oer; 
bergen. ©emöpnlicp finbeu fid) iprer mehrere fd)tafenb in eiuem Sefte, bie ganse ©efedfdfaft btdit 
Sufammengerodt, faft in einen Inäuel oerfd)lungeu. ©ie fd)tafeu unuuterbrod)en, bod) uid)t fo feft, 
atg aubere ©interfcpläfer; beim fo oft mitbe Witterung eintritt, ermaßen fie, se^'eu etmag oon it)ren 
Saprunggoorrätpen uub oerfalten erft bei erneuerter ®älte mieber in ©d)taf. ©bmeicpenb oon beit 
übrigen ©interfcptäfern geigen fie mäprenb ipreg bemußtlofen Suftanbeg eine große ©mpfmblid)feit 
gegen äußere Seise. ©enn man einen ©artenfd)läfer berührt ober mit einer Sabel ftidft, gibt er 
attgenblidlid) burd) fd)mad)e Suduttgen uub bttmpfe Saute feine ©mpfinbung su erlernten. ©eiten 
erfcpeint ber @artenfd)täfer oor ©nbe Sprit mieber im freien. SDanit frißt er feine Saprunggüorrätpe 
oodenbg auf, uub nun beginnt fein eigcnttid)eg ©ommerlebett. 
£)er @artenfd)läfer ift ein red)t oerpaßter ©aft in ©arten, too feinere Obftforten gesogen merben. 
©in einsigeg biefer Stiere reicht t)in, eine ganse ^ftrftcp; ober 2lprtf ofenernte s« oernid)ten. Set 
feinen Säfdjereiett geigt er einen @efd)iuad, ber it)m ade ©pre mad)t. ©r fud)t fid) nur bie beften uub 
faftigften grüßte aug, benagt aber oft aud) aubere, um fie su erproben, unb oermcptet fo nocp mepr, 
alg er eigentlich frißt, ©g gibt fein ©cpufcmittet, il)n oon ben grüßten absupatten. Sebeg £inber; 
ttiß meiß ber Heine £)ieb su übertoinbeü; er flettert an beit ©palieren unb Säumen l)inait, fd)lüpft 
burd) bie Stafdjen ber Sepe, melcpe über fie gefpanut ftnb, ober burcpnagt fie, menu fie su eng ge; 
mad)t mürben; ja er meiß fid) felbft burd) SDra$tgeffopte su ftel)len. Slog bagfenige Obft, melcpeg 
fpät reift, ift Oor itjm geficpert; beim um biefe Seit liegt er fd)0tt fd)lafettb in feinem Sager. ®a er 
nun ben Stenfd)en blog ©fabelt gufügt uub nid)t ben geriugften Sttpen bringt, meber burd) fein 
$Ieifd) nod) burd) feinted, mirb er oott ©artenbefip£ru, meld)e am empfinbtid)ften 001t ipnt ge; 
branbfiW merben, fel)r eifrig oerfolgt unb auf ade möglidje Wirten oernicptet. ®ie beften Jadeit, 
melde man if)m fteden fanu, ftnb mo^l ©ral)tfcpiingcn, bie man oor ben ©palieren auff)augt, ober 
fleine Mereifen, meld)e mau bort paffenb aufftedt. Seffer aber, alg folcpe gadeit, fc^upt eine gute 
fôaüe ben ©arten oor biefent subringlid)en ©aubiebe. ©ie unb Starb er, SKefel uub itl)u fiitb 
feine ärgften geinbe, unb menu er fid) aud) mit allen if)m su ©ebote ftel)enbeu Stitteln nad) Graften 
Stt mebren fucbt, fobalb i^m einer ber Säuber auf ben Seib rüdt: er muß ja bod) btefen großen gerru 
unterliegen uub fein fungeg Seben laffen. ©utgbefi^er alfo, ioeld)e bem ©albe nal)e mopnen tpuu 
eittfd)iebeit mot)l, menu fie ade biefe natürlichen Çeiube beg fdhäblidien Xf)tercpeitg nad) Stoglid)fett 
fdottett. .. , r, . 
pr bie @efangenfd)aft eignet fid ber @artenfd)läfer nicpt. ©eiten gemoput er ftd) an ben 
dftenfd)eit, unb bei jeber Heberrafd)ttitg bebient er fid) fofort feiner fcparfett Säpne, oft in red)t ent; 
pßnblid)er ©eife. X>abei pat er bie unattgenepnten ©igenfcpafteu beg ©iebenfd)läferg, oerpält fid)
        

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