Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Erster Band. Erste Abtheilung: Die Säugethiere. Erste Hälfte: Affen und Halbaffen, Flatterthiere und Raubthiere.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29457/649/
Winterleben. — Beschreibung des gemeinen Bären. Seine Verbreitung. 
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dem ersten Haarwechsel sich mehr und mehr ausdehnt, dabei aber allmählich seine weiße Farbe ver¬ 
liert, schmuzig- oder bräunlichgelb, zuletzt auch gelbbraun wird, bis es endlich kaum mehr zu erkennen 
ist. Nur höchst selten erhalten sich einzelne weiße Flecken an den Seiten des Halses bis in das 
spätere Alter. 
Meister Petz ist eins der größten Landsäugethiere, welche wir in Europa überhaupt haben. 
Die Körperlänge eines vollkommen erwachsenen Männchens beträgt fünf bis sechs Fuß, wovon 
blos drei Zoll auf das Stumpfschwänzchen kommen. Die Höhe am Widerrist schwankt zwischen drei 
und vier Fuß. Ein so großer Bär erreicht ein Gewicht von 500 bis 600 Pfund. In der Jetztzeit 
dürften jedoch solche Prachtstücke sehr selten zu finden sein, und ein Männchen von fünf Fuß Länge 
und 400 bis 500 Pfund Gewicht gilt gegenwärtig bereits als ein sehr starker „Hauptbär." Die 
Bärin ist immer kleiner und bedeutend leichter, als der Bär. Mit den Jahren nehmen beide Ge¬ 
schlechter noch etwas an Größe und Stärke zu. 
Der gemeine Bär (Ursus arctos). 
Die guten Tage des Bären sind vorüber. Er kann sich nur an solchen Orten halten, denen 
der Mensch mit seiner Qual noch ferngeblieben ist. Der fortschreitende Anbau des Bodens, das 
Lichten der Urwaldungen, welche unser Europa noch besitzt, kurz, das Vordringen des Menschen 
nach allen Seiten hin, vertreibt unsern Petz mehr und mehr und wird ihn schließlich gänzlich, we¬ 
nigstens aus Süd- und Mitteleuropa, verbannen. Bereits gegenwärtig kommt der Bär in Mittel¬ 
deutschland wie auf den britischen Inseln nicht mehr vor, und auch in seinen eigentlichen Heimats¬ 
ländern nimmt er von Jahr zu Jahr ab. Noch im siebzehnten Jahrhundert war er in Deutschland 
ein häufiger Gast: vom Jahre 1611 bis 1653 wurden in Sachsen allein 203 Stücke von ihm erlegt. 
Ende des sechzehnten Jahrhunderts waren die Bären in Thüringen noch regelmäßige Erscheinungen. 
Der Graf Georg Ernst von Henneberg erlegte in dem Amte Schmalkalden allein in zwei Jahren 
ihrer sieben. Damals fanden sie sich auf dem ganzen Walde in ziemlicher Menge vor; aber schon im 
Jahre 1686 wurden die letzten Bären in Thüringen beobachtet und einer von ihnen erlegt. Die 
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