Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Erster Band. Erste Abtheilung: Die Säugethiere. Erste Hälfte: Affen und Halbaffen, Flatterthiere und Raubthiere.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29457/642/
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Die Raubthiere. Seeottsrn. — Kalan. 
Die beste Beschreibung des Seeotters hat Steller gegeben, und noch heut zu Tage hat kein 
andrer Naturforscher dieser vortrefflichen Schilderung Etwas zuzusetzen oder abzusprechen vermocht. 
Dies mag mit darin seinen Grund haben, daß der Seeotter schon seit hundert Jahren in stetem Ab¬ 
nehmen begriffen ist, und sich gegenwärtig bei weitem nicht mehr mit der Bequemlichkeit beobachten läßt, 
mit welcher Steller Dies konnte. Es bleibt deswegen nichts Andres übrig, als die Steller'sche Be¬ 
schreibung hier wörtlich folgen zu lassen. 
„Der Pelz des Seeotters," sagt er, „dessen Haut lose aus dem Fleische aufliegt, und sich während 
des Laufens überall bewegt, übertrifft an Länge, Schönheit und Schwärze das Haar aller Flußbiber 
soweit, daß sie nicht mit ihm in Vergleichung kommen können. Die besten Felle werden auf Kamt¬ 
schatka zu dreißig, in Iakutzk zu vierzig, an der chinesischen Grenze aber gegen Tausch in Waaren zu 
80 bis 100 Rubel bezahlt. Das Fleisch ist ziemlich gut zu essen und schmackhaft. Die Weibchen 
haben es aber viel zarter und sind gegen den Gang der Natur kurz vor und nach der Paarungszeit 
am allerfettesten und schmackhaftesten. Die noch saugenden Jungen, welche ihrer schlechten Felle 
Der Kalan oder großer Seeotter (Enchydrls Lutra). 
wegen Medwedki oder junge Bären genannt werden, können, sowohl gebraten, als gesotten, immer 
mit einem Sauglamm um den Vorzug streiten. Das Männchen hat ein knöchernes Geburtsglied, wie 
alle anderen warmblütigen Seethiere. Das Weiblein hat zwei Brüste neben der Scham. Sie begehen 
sich auf menschliche Weise." 
„Im Leben ist der Seeotter ein ebenso schönes und angenehmes, als in seinem Wesen lustiges 
und spaßhaftes, dabei sehr schmeichelndes und verliebtes Thier. Wenn man ihn laufen sieht, übertrifft 
der Glanz seiner Haare den schwärzesten Sammt. Am liebsten liegen sie familienweise; das Männchen 
mit seinem Weibchen, den halberwachsenen Jungen oder Koschlockis und den ganz kleinen Säuglingen, 
Medwedkis. Das Männchen liebkost das Weibchen mit Streicheln, wozu es sich der vorderen Tatzen 
wie der Hände bedient, und legt sich auch öfters auf dasselbe, und sie stößt das Männchen scherzweise 
und gleichsam aus verstellter Sprödigkeit von sich und kurzweilt mit den Jungen wie die zärtlichste 
Mutter. Die Liebe der Eltern gegen ihre Jungen ist so groß, daß sie sich der augenscheinlichsten 
Todesgefahr für sie unterwerfen und, wenn sie ihnen genommen werden, fast wie ein kleines Kind laut 
zu weinen beginnen. Auch grämen sie sich dergestalt, daß sie, wie wir aus ziemlich sicheren Beispielen
        

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