Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Erster Band. Erste Abtheilung: Die Säugethiere. Erste Hälfte: Affen und Halbaffen, Flatterthiere und Raubthiere.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29457/578/
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Die Raubthiere. Marder. — Baudiltis. Honigdachs. 
Gebiß stimmt entschieden mit dem der Marder überein. Man kennt nur eine Art dieser Sippe, den 
wohnlichen Bandiltis oder die Zorilla (Rhabdogale mustelina). 
Letzterer Name, welcher aus dem Spanischen stammt und soviel als Füchschen bedeutet, kommt 
übrigens eigentlich einem wirklichen Stinkthiere zu, und deshalb ist der erstere vorzuziehen. Früher 
hielt man den Bandiltis allgemein für eine altweltliche Art der Stinkthiere, und erst die neueren 
Untersuchungen haben die Trennung von jenen bestimmt. 
Der Bandiltis ist ein mittelgroßes Marderthier, von 23 Zoll Leibes - und 912 Zoll Schwanz¬ 
länge. Sein Leib ist lang, jedoch nicht sehr schlank, die Beine sind kurz und die Vorderfüße mit 
langen, starken, ziemlich langen, aber stumpfen Krallen bewehrt. Der Kopf ist breit, die Schnauze 
rüsselförmig verlängert; die Ohren sind kurz und zugerundet, die Augen mittelgroß, mit längs ge¬ 
spaltenem Stern. Der Schwanz ist ziemlich lang und buschig, der ganze Pelz ist dicht, lang. Seine 
Grundfärbung ist ein glänzendes Schwarz mit mehreren weißen Flecken und Streifen, welche mehr 
oder weniger abändern. Zwischen den Augen befindet sich ein schmaler, weißer Flecken, und ein andrer 
zieht sich von den Augen nach den Ohren hin. Beide stießen aber zuweilen zusammen und bilden auf 
der Stirn ein einziges weißes Band, welches nach der Schnauze zu in eine Schneppe auslädst. Auch 
die Lippen sind häufig schmal weißgesäumt. Der obere Theil des Körpers ist nun sehr verschieden, 
aber immer nach einem gewissen Plane gezeichnet. Bei den einen zicht sich über das Hinterhaupt eine 
breite, weiße Querbinde, von welcher vier Längsbinden entspringen, die über den Rücken verlaufen, 
sich in der Mitte des Leibes verbreitern und durch drei schwarze Zwischenstreifen getrennt werden. 
Die beiden äußeren Seitenbinden vereinigen sich auf der Schwanzwurzel und setzen sich dann auf dem 
Schwänze jederseits als weißer Streifen fort. Bei anderen ist der ganze Hinterkopf und Nacken, ja 
selbst ein Theil des obern Rückens weiß, und dann entspringen erst am Widerrist die drei dunklen 
Binden, die sich nun seitlich am Schwänze noch fortsetzen. Der Schwanz selbst ist bald gefleckt und 
bald längs gestreift. 
Der Bandiltis ist über ganz Afrika verbreitet. Man hat ihn schon bis jetzt fast in allen Ländern 
gefunden, welche einigermaßen durchforscht worden sind. Er geht selbst noch über die Landenge von 
Suez weg und verbreitet sich in Kleinasien, ja er soll sogar bis in die Nähe von Konstantinopel, selbst¬ 
verständlich nur auf der asiatischen Seite, gefunden werden. Felsige Gegenden bilden seinen Lieblings¬ 
aufenthalt. Hier lebt er entweder im Geklüft oder in selbstgegrabenen Löchern unter Bäumen und Ge¬ 
büschen. Seine Lebensweise ist eine rein nächtliche, und daher kommt es, daß er im Ganzen doch nur 
selten gesehen wird. Ich z. B. habe während meines Aufenthalts in Afrika viel von dem „Vater 
des Gestankes" reden hören, denselben aber niemals zu Gesicht bekommen. Die Berichte, welche ich 
erhielt, stimmen im Ganzen vollkommen mit der Beschreibung überein, welche Kolbe gegeben hat. 
Dieser ist der Erste, welcher unser Thier erwähnt. Es heißt bei den holländischen Ansiedlern am Kap 
der guten Hoffnung „Stinkbinksem" oder „gestreifter Maushund" und macht beiden Bezeich¬ 
nungen durch die That volle Ehre. Seine Nahrung besteht in kleinen Säugethieren, namentlich in 
Mäusen, kleinen Vögeln und deren Eiern, in Lurchen und Kerbthieren. Dem Hausgeflügel wird er 
nicht selten gefährlich. Er schleicht nach Marderart in die Bauernhöfe ein und richtet unter dem Haus¬ 
geflügel entsetzlichen Schaden an. 
In seinen Bewegungen ähnelt er den Mardern nicht, denn er ist weniger behend und kann eher 
träge genannt werden, gerade so, wie die amerikanischen Stinkthiere es auch sind. Das Klettern 
versteht er nicht und auch vor dem Wasser hat er große Scheu, obwohl er, wenn es sein muß, recht 
fertig schwimmt. Seiner abscheulichen Waffen bedient er sich ganz in derselben Weise, wie das Stink- 
thier. „Befindet er sich auf einem Felde oder einer Wiese," sagt Kolbe, „und bemerkt er, daß sich 
ihm ein Hund oder ein wildes Thier nähert, das ihn umbringen will, so spritzt er seinen Feinden einen 
so pestartigen Gestank entgegen, daß sie genug zu thun haben, die Nase an der Erde und den Bäumen 
abzureiben, um den Gestank nur einigermaßen wieder loszuwerden. Nähert sich ihm der Feind wieder 
oder kommt wohl noch ein zweiter hinzu, so schießt er zweimal auf die Gegner und giebt wieder einen
        

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