Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Erster Band. Erste Abtheilung: Die Säugethiere. Erste Hälfte: Affen und Halbaffen, Flatterthiere und Raubthiere.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29457/535/
Beschreibung. 
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ihn aus. Im Oberkiefer steht jederseits nur ein eigentlicher Kauzahn, und die Backenzähne haben 
sehr scharfe Nebenzacken. Auch der Lisang ist ein äußerst zierlich gebautes, schlankes und schmuckes 
Thier. Seine Länge beträgt fast 11/4 Fuß, die des Schwanzes einen Fuß. Die Grundfärbung des 
sehr weichen und feinen Pelzes ist ein lichtes Grau oder Gelblichweiß mit schwarzbraunen Flecken und 
Binden ohne regelmäßige Anordnung. Vier Querbinden liegen auf dem Rücken und verlausen nach 
den Seiten. Hinter dem Auge entspringt ein Streifen, welcher, in Flecken getheilt, über den Schultern 
und an den Seiten des Leibes sich fortsetzt. Die Beine sind außen gefleckt und der Schwanz hat 
sieben große Ringe und ein gelblichweißes Ende. 
Der Lisang bewohnt die dunkelen Wälder von Java und Malakka, ist nicht eben häufig und in 
seinen Sitten so gut als nicht bekannt. 
Die Sippe der Ginsterkatzen (Genetta), wird durch einen sehr gestreckten Leib, den kahlen 
Längsstreifen auf den Sohlen, die fünfzehigen Vorder- und Hinterfüße, den langen Schwanz und die 
mittelgroßen Ohren gekennzeichnet. In der Aftergegend befindet sich noch eine seichte Drüsentasche, 
von welcher zwei besondere Abführungsgänge am Rande des Afters münden. Die Zehen sind lang 
und die Krallen können vollkommen 
zurückgezogen werden. 
Die bekannteste Art ist die Ginster¬ 
katze (Genetta vulgaris), die einzige 
in Europa vorkommende Art ihrer 
Sippe und mit einer Manguste 
Vertreter ihrer ganzen Familie. Sie 
hat im allgemeinen noch ziemlich viel 
Aehnlichkeit mit den echten Zibetkatzen, 
und auch die Färbung ist fast dieselbe. 
Ihr Körper erreicht eine Länge von 
zwanzig Zoll, der Schwanz mißt sech¬ 
zehn, dieHöheamWiderristbeträgtfünf 
bis sechs Zoll. Ihr Leib ist außerordent¬ 
lich schlank und der Kopf klein, hinten 
breit und durch die sehr lange Schnauze ausgezeichnet. Die kurzen Ohren sind breit und stumpf zu¬ 
gespitzt. Die Augen haben eine echte Katzenpupille, welche bei Tage nur wie ein Spalt erscheint. Die 
Beine sind sehr kurz, und die Zehen haben große, zurückziehbare Krallen. Die Afterdrüse ist sehr seicht 
und sondert nur in geringer Menge eine fette, schmierige, stark nach Moschus riechende Feuchtigkeit ab. 
Der Pelz ist kurz, dicht und glatt. Seine Grundfärbung ist ein ins Gelbliche sich ziehendes Hellgrau. 
Längs der Seiten des Leibes verlaufen jederseits vier bis fünf Längsreihen verschiedenartig geformter 
Flecke von schwarzer, selten röthlichgelb gemischter Farbe. Ueber die obere Seite des Halses ziehen 
sich vier nicht unterbrochene Längsstreifen, welche aber im Verlauf sehr veränderlich sind. Kehle und 
Unterhals sind lichtgrau, und der obere Leib ist noch heller gefärbt. Die dunkelbraune Schnauze hat 
einen lichten Streifen über dem Nasenrücken und einen Fleck vor den Augen, sowie einen kleinen über 
denselben, und die Spitzen des Oberkiefers sind weiß. Der Schwanz ist sieben bis acht Mal weiß 
geringelt und endet in eine schwarze Spitze. 
Das eigentliche Vaterland des äußerst zierlichen und dabei doch so raub- und mordlustigen, 
bissigen und muthigen Thierchens ist Afrika, und namentlich sind es die Länder des Atlas. Allein es 
kommt auch im südlichen Europa vor und zwar vorzugsweise in Spanien und im südlichen Frank¬ 
reich. Hier ist sie freilich eine sehr seltene Erscheinung. Schon in Spanien ist sie ein ständiger Be- 
Die Ginsterkatze (Genetta vulgaris).
        

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