Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Erster Band. Erste Abtheilung: Die Säugethiere. Erste Hälfte: Affen und Halbaffen, Flatterthiere und Raubthiere.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29457/507/
Zeichnung. Sein Jagen. Ausführliche Schilderung von Vuvry. 
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ganze Seele des Fuchses liegt in seinem Gesicht, und doch erscheint das so starr und ruhig, wie er 
selbst, welcher aus Wüstensand geformt zu sein scheint. Da, ein einziger Sprung, ein kurzes Flattern: 
das Flughuhn hat geendet. Schnell stürmen die anderen empor, schallend klatschen die Flügelschläge. 
Sie irren unsicher in der Nacht umher und fallen nach kurzer Zeit wieder ein im Riedgrase, vielleicht 
kaum wissend, welcher nächtliche Besucher sie aufgescheucht. 
Der Fenek ist der kleinste aller Füchse. Er ist sammt seiner Standarte, deren Länge sieben 
bis acht Zoll beträgt, höchstens zwei Fuß lang und am Widerrist kaum acht Zoll hoch. Der ganze 
Leibesbau ist ungemein fein, der Kopf sehr zugespitzt, die Augen sind groß und wegen ihrer runden 
Augensterne, die von einer braunen Regenbogenhaut eingefaßt werden, besonders merkwürdig. Das 
Ausgezeichnetste am ganzen Thiere sind aber unzweifelhaft die Lauscher. Sie haben fast Kopfes¬ 
länge und sind etwas mehr als halb so breit. Das Thier gewinnt durch sie ein wahrhaft abenteuer¬ 
liches Ansehen. Die Lauscher machen den Fenek gewissermaßen den Fledermäusen ähnlich und 
sind zu seiner Kennzeichnung durchaus wesentlich. Ihre Jnnenränder sind weiß behaart und zwar 
derartig, daß von der Ohrösfnung zwei Haarbüschel aufsteigen, welche sich, so zu sagen, in einem Bart 
fortsetzen nach der obern Spitze hin, dort aber kürzer und dünner werden. Die kleine Schnauze 
zieren lange, borstenartige Sckmurren, welche ebenfalls wesentlich zu dem äußern Gepräge des Thieres 
gehören. Der Balg ist seidenweich und verstärkt sich zur Winterzeit durch ein sehr dichtes Wollhaar, 
welches sich während der Raue durch Anstreichen des Körpers an Aesten u. s. w. flockenartig löst. 
Man sollte eigentlich nicht glauben, daß der Fenek in seiner warmen Heimat einen dichten Balg 
nöthig hätte, allein der kleine Gesell ist gegen die Kälte äußerst empfindlich und verlangt des ge¬ 
nügenden Schutzes. Die Färbung der ganzen Oberseite ähnelt durchaus der des Sandes, die Unter¬ 
seite ist weiß, und auch über dem Auge befindet sich ein weißer Flecken, vor demselben aber ein dunklerer 
Streifen. Die sehr lange buschige Standarte ist fast ockerfarben, ein Fleck an der Wurzel und die 
Blume sind schwarz. Bei dem Weibchen ist der Balg immer mehr strohgelb, wie er auch bei zu¬ 
nehmendem Alter bei weitem lichter wird. 
Das merkwürdige Thier wurde zuerst von Skjöldebrand, dem schwedischen Consul in Algier, 
bekannt gemacht und später von Bruce beobachtet und abgebildet. Die Mauren nennen es Zer da, 
die Araber Fenek, und diesen Namen führt unser Füchschen auch in allen Nilländern. Es bewohnt 
den ganzen Norden Afrikas, findet sich aber blos in den echten Wüsten, und zwar in den Niederungen, 
welche reich an Wasser sind und mehr das Gepräge der Steppen tragen, obwohl sie nicht den Reichthum 
dieser Letzteren nachweisen können. 
An geeigneten Orten ist befc Fenek nicht grade selten, aber er wird, weil er sehr vorsichtig und 
flüchtig ist, gar nicht häufig gefangen; wenigstens kommt er in Thiergärten und Thierschaubuden immer 
nur äußerst selten und einzeln vor, ja selbst in den Museen ist er noch keineswegs eine gewöhnliche 
Erscheinung. 
Seine Naturgeschichte war bis in die neueste Zeit sehr unklar. Anfänglich berichtete man 
die allersonderbarsten Dinge über ihn. Es wurde erzählt, daß er gar nicht wie andere Füchse in 
Bauen, sondern wie Katzen auf Bäumen lebe. Man behauptete, daß er weniger kleinen Vögeln nach¬ 
stelle, als vielmehr Datteln und anderen Früchten, welche seine Hauptnahrung ausmachen sollten, und 
dergleichen mehr. Rüppell ist der Erste, welcher diesen Angaben widerspricht und den Fenek als 
echten Fuchs hinstellt; seine Beschreibung ist aber noch immer kurz und für uns unvollständig und 
ungenügend. Da hat mir nun mein lieber Freund und Reisegefährte Dr. L. Buvry, welcher den 
Fenek sowohl im Freien, als in der Gefangenschaft genau beobachtete, eine gar aumuthige und nette 
Beschreibung ausdrücklich für dieses Werk mitgetheilt. Einen guten Theil von dieser Schilderung 
habe ich bereits im Vorstehenden verwendet, das Uebrige ist Folgendes: 
„Das Wesen des Fenek ist durch seine eigenthümliche Leibesgestalt genugsam ausgeprägt; denn 
die zarten, dünnen Läufer zeigen die Behendigkeit und Schnellfüßigkeit, welche er besitzen muß, auf den 
ersten Blick, und das Gesicht spricht so deutlich von der Scharfsichtigkeit, Feinhörigkeit, Klugheit und
        

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