Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Erster Band. Erste Abtheilung: Die Säugethiere. Erste Hälfte: Affen und Halbaffen, Flatterthiere und Raubthiere.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29457/487/
i'ift und Frechheit bei seinen Jagden. Familienleben. 
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kurzes Gekläff, welches mit einem stärkern und Hähern Kreischen endet. Man vernimmt es übrigens 
von erwachsenen Füchsen blos vor stürmischem Wetter, bei Gewittern, bei großer Kälte und zur 
Zeit der Paarung; die Jungen freilich schreien und kläffen, sobald sie hungrig sind oder sich lang¬ 
weilen. Im Zorn oder bei großer Gefahr knurrt oder heult der Fuchs; einen Schmerzenslaut ver¬ 
nimmt man von ihm blos dann, wenn er von einer Kugel getroffen worden ist: bei jeder andern 
Verwundung schweigt er hartnäckig still. Im Winter, namentlich bei Schnee und Frost, schreit er laut 
und klagend, am öftersten aber hört man ihn zur Zeit der Paarung. 
Die Ranzzeit fällt auf das Ende Februars und dauert einige Wochen. Dabei werden unter den 
verschiedenen Mitbewerbern lebhafte Händel ausgekämpft. Zwei Füchse beißen sich oft mit großer 
Wuth einer Füchsin wegen. In Egypten, wo sie bei weitem nicht so vorsichtig sind, als bei uns, treiben 
sie die Paarung ganz offen im Felde und vergessen sich in der Liebesaufregung so weit, daß sie den 
Menschen oft nahe herankommen lassen. Ich selbst habe einmal die Füchsin eines sich gerade be¬ 
gattenden Paares mit der Kugel erlegt und Dasselbe von einem meiner dortigen Jagdgesährten ge¬ 
sehen. Sechszig Tage oder auch neun Wochen nach der Begattung, nämlich Ende Aprils oder Anfangs 
Mai, wölft die Füchsin im hintersten Kessel ihres Baues drei bis sechs, zuweilen aber acht bis neun 
Junge, welche zehn bis vierzehn Tage blind bleiben. Sie verläßt nun den Bau fast gar nicht mehr, 
und wird anfangs durch den Fuchs mit Nahrung versehen und auch später bei den Jagden zu Gunsten 
ihrer Jungen von ihm unterstützt. Schon einen Monat nach ihrer Geburt wagen sich die netten, mit 
röthlichgrauer Wolle bedeckten Raubjunker in stiller'Stunde heraus vor den Bau, um sich zu sonnen 
und unter einander oder mit der gefälligen Alten zu spielen. Beide Eltern tragen ihnen Nahrung in 
Menge zu, von allem Anfange an auch lebendiges Wildpret: Mäuse, Vögelchen, Frösche und Käfer; 
die Mutter lehrt die hoffnungsvollen Sprößlinge, diese Thiere zu fangen, zu quälen und zu verzehren. 
Sie ist jetzt vorsichtiger, als je, sieht in dem unschuldigsten Dinge schon Gefahr für ihr Gewölse und 
führt es bei dem geringsten Geräusche in den Bau zurück. Daher kommt es, daß es nur höchst selten 
dem Beobachter gelingt, die spielende Familie zu bemerken. Wenn die Kleinen eine gewisse Größe 
erlangt haben, liegen sie bei gutem Wetter gern morgens und abends vor dem Baue und erwarten 
die Heimkunft der Alten: währt ihnen diese zu lange, so bellen sie und verrathen sich hierdurch zu¬ 
weilen selbst. Sobald die Alte irgend eine Nachstellung merkt, trägt sie die Jungen im Maule nach 
einem andern Baue, oft ziemlich weit weg. Schon im Juli begleitet das Gewölse die jagende Alte 
oder macht sich wohl auch allein auf die Jagd, sucht in der Dämmerung ein junges Häschen, 
Mäuschen, Vögelchen und andere Thierchen zu überraschen, und wäre es auch nur ein Käfer. „Sie 
haben," sagt Tschudi, „schon gknz die Art der Alten. Die längliche, spitze Schnauze sucht emsig am 
Boden die Fährte, die feinen Oehrchen stehen gerade ausgerichtet, die kleinen, graugrünen, schief 
blitzenden Aeuglein visiren scharf das Revier, die reichwollige Standarte folgt leise dem leisen Auftritte 
der Sohlen. Bald steht der junge Jäger mit den Vorderfüßen auf einem Steine und spürt umher, 
bald duckt er sich in den Busch, um die Ankunft der Nestvögel zu erwarten, bald steht er heuchlerisch 
harmlos am Bergstalle, um den nächtlicher Weile das muntere Volk der Mäuse das Heugesäme durchsucht." 
Schon Ende Juli verlassen die jungen Füchslein den Bau gänzlich, und beziehen mit ihrer Mutter die 
Getreidefelder, welche ihnen reichen Fang versprechen und vollkommene Sicherheit gewähren. Nach 
der Ernte suchen sie dichte Gebüsche, Haiden und Röhricht aus, bilden sich inzwischen zu vollkommen 
gerechten Jägern und schlauen Strauchdieben aus, und trennen sich endlich im Spätherbst gänzlich von 
der Mutter, um auf eigene Faust ihr Heil zu versuchen. 
Lenz theilt Beobachtungen mit, welche die Mutterliebe der alten Füchsin auf das glänzendste 
beweisen. „Am 19. April 1830 grub der Jäger des Herrn von Mergenbaum zu Nilsheim, in 
Gesellschaft des Hauptmanns De.ßloch, Hofgärtners Resserl und mehrerer Andrer, einen Bau 
mit jungen Füchsen aus. Nachdem ein scharfer Dachshund eine kurze Zeit den Füchsen vorgelegen 
hatte und die Röhren mit Schützen besetzt waren, wurde an der Stelle, wo der Hund die Füchse 
verrathen, stark auf den Bau geklopft, welches Klopfen die Füchsin zu dem schnellen Entschluß brachte,
        

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