Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Erster Band. Erste Abtheilung: Die Säugethiere. Erste Hälfte: Affen und Halbaffen, Flatterthiere und Raubthiere.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29457/35/
Charakterthiere Amerikas und Australiens. Zahl der SLugethiere. Vorweltssäuger. Lebensweise. XXXI 
in Neuholland, Amerika und Asien, die Wenigzähnigen fehlen in Europa, die Wiederkäuer und 
Vielhufer in Australien; die Einhufer sind ursprünglich nur in Asien und Afrika heimisch gewesen; 
die Fledermäuse, Raubthiere, Nager, Flossenfüßer und Wale sind Weltbürger. 
Bezüglich der engeren Verbreitung kann man sagen, daß sich der Verbreituugskreis einer 
Art in östlich-westlicher Richtung regelmäßig weiter erstreckt, als vom Norden nach Süden hin. Der 
Osten und Westen weisen auch viel häufiger ähnliche, sich gleichsam entsprechende Gestalten auf, als der 
Norden und Süden; jedoch spricht sich zwischen dem nördlichen und südlichen kalten Gürtel, ja selbst 
zwischen dem Norden und Süden eines Erdtheils, zumal Afrikas, immerhin eine große Ueberein¬ 
stimmung aus. Man darf deshalb sagen, daß ähnliche Länder auch stets ähnliche Thiere beherbergen, 
so große Strecken auch trennend zwischen sie treten mögen. 
Die Anzahl aller jetzt lebenden und bekannten Säugethierarten beträgt etwas über zwei¬ 
tausend. Hiervon gehören etwa 150 Arten Europa (gegen 60 ausschließlich) an, ungefähr 240 
Arten wohnen in Afrika, 350 Arten in Asien, 400 Arten in Amerika und gegen 140 in Australien. 
Auf die Ordnungen vertheilt sich diese Anzahl in folgender Weise: Die Affen und Äffer zählen 
220, die Fledermäuse 320, die Naubthiere 410, die Beutelthiere 130, die Nager 620, die 
Wenigzähnigen 35, die Vielhufer 33, die Einhufer 7, die Wiederkäuer 180, die Flossen¬ 
füßer 33 und die Wale 65 unbestrittene Arten. 
Hierzu würden noch die vorweltlichen Säugethiere zu zählen sein. Von diesen kennt man 
nach H. von Mayer etwa 780 Arten. Die Verbreitung der vorweltlichen Säuger war eine ganz 
andere, als die der jetzigen es ist; doch besaßen auch schon in der Urzeit gewisse Gegenden der Erde 
ihre eigenthümlichen Säugethiere. Die meisten versteinerten Knochen finden sich im Schuttlande oder 
„Diluvium"; jedoch hat uns auch das Eis Sibiriens vorweltliche Thiere aufbewahrt, und zwar in 
einer staunenswerthen Frische, so daß sich nicht nur Haut und Haar erhalten hatte, sondern auch das 
Fleisch sich noch tu einem Zustande befand, daß Eisbären und Eisfüchse, sowie die Hunde der 
Jakuten davott wacker schmausten. Nur wenige Vorweltssäuger (etwa der siebente Theil), von allen, 
welche man kennt, haben die Zeit der Schuttlandsbildung überlebt und finden sich jetzt noch: die übrigen 
sind ausgestorben und gestrichen aus dem Buche der Lebendigen. Von den bis jetzt bekannten Vor¬ 
weltssäugern gehörten an: den Affen etwa 20, den Fledermäusen ebensoviel, den Raubthieren 
fast 200, den Beutelthieren gegen 30, den Nagern beinahe 100, den Wenigzähnigen 40, den 
Vielhufern 150, den Einhufern 9, den Wiederkäuern 120, den Schwimmfüßern 9 und den 
Walen endlich 55 Arten. Alle Vorweltsthiere und somit auch die vorweltlichen Säuger bestätigen 
die mosaische Schöpfungssage hinsichtlich der Zeitfolge, in welcher die verschiedeneit Klassen der Thiere 
entstanden, soweit eine Sage eben bestätigt werden kann: die Säugethiere gehören wirklich nur den 
neueren Schöpfungsabschnitten an. 
Die leiblichen und geistigen Begabungen eines Säugethieres bestimmen seine Lebensweise 
in der ihm gegebenen Heimat, deren Erzeugniß, deren Geschöpf es ist. Jedes richtet sich eben nach 
seinen Gabett ein: es benutzt die ihm gewordene Ausrüstung in der ergiebigsten Weise. Eine ge¬ 
wisse, verständige Willkür in der Lebensart kaun keinem Thiere abgesprochen werden. Die Säuge¬ 
thiere sind natürlich mehr an eine gewisse Oertlichkeit gebunden, als das leichte, bewegungslustige 
Volk der Vögel: allein sie wissen dafür eine solche Oertlichkeit vielleicht besser oder vielseitiger zu 
benutzen, als diese. 
Die Säugethiere sind wesentlich Landbewohner, und je vollendeter eine Art unserer Klasse 
ist, um so mehr wird sie Landthier sein. Im Wasser finden wir daher blos die plumpsten oder 
massigsten, auf dem Lande dagegen die entwickeltsten, edelsten Gestalten. Die größten Landsäuger 
sind im Vergleich zu deut Walfisch ttur Zwerge. Das Wasser erleichtert aber auch jede Bewegung 
einer großen, ungeschlachten Masse ungemein: und je leichter ein Thier sich zu bewegen vermag, um 
so größer kaun es seilt. Daß auch das Umgekehrte stattfindet, beweisen alle Thiere, welche zu ihrer 
Fortbewegung große Kraftanstrengung nöthig haben, wie z. B. die Gräber und Flatterer, die 
Maulwürfe oder Fledermäuse. Bei ihnen ist die Körpermasse in demselben Verhältniß ver¬ 
kümmert, in welchem sie bei den Wassersäugern sich vergrößert hat.
        

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