Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Erster Band. Erste Abtheilung: Die Säugethiere. Erste Hälfte: Affen und Halbaffen, Flatterthiere und Raubthiere.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29457/26/
XXII 
(Sin Blick auf das Leben der Gesammtheit. 
fressenden Sängethiere nothwendigerweise Wiederkäner sein müssen, „weil sie sich znm Fressen nicht 
so viel Zeit nehmen könnten," als die gelehrten Herren selber zu ihren Gastereien und deshalb die 
ihnen nöthige Nahrnngsmenge ans einmal einzunehmen gezwungen wären: ich, der ich die hohe Zweck¬ 
mäßigkeit der Schöpfung mit vollster Bewunderung anerkenne, muß gestehen, daß ich den Grund, 
warum es Wiederkäner gibt, nicht kenne; ich darf dafür aber glauben, daß sie dazu da sind, um 
vielen Menschen durch ihre, gerade beim Wiederkäuen ersichtlich werdende Fatllheit znm abschreckenden 
Beispiele zu dienen. Doch betrachten wir lieber das W iederkäu en selbst ohne Nutzanwendungen. 
Der Magen der Wiederkäuer zerfällt, wie ich schon oben andeutete, in vier Abtheilungen, 
von denen man die erste Wanst oder Pansen (c), die zweite Netzmagen, Haube oder Mütze 
(d), die dritte Fallen- oder Blättermagen, Buch, Kalender, Psalter und Löser (e) und die 
vierte Fett-, Lab- oder Käsemagen (f) nennt. Die erste Abtheilung steht mit der Speiseröhre 
(a), die letztere mit dem Darmschlauch (g, h) in Verbindung. Der Pansen, welcher durch ein 
Mnskelband in zwei Abtheilungen getrennt ist, nimmt das nur sehr grob zerkanete Futter zuerst auf 
und stößt es dann in kleinen Mengen in den Netzmagen hinüber, dessen gitterartige Falteil es 
durch theilweises Zerreiben oder mehr durch Einspeicheln, d. h. Tränken, mit dem abgesonderten 
Magensaft vorverdanen und in Kügelchen formen. Diese werden nun durch Ausstößen, Aufrülpsen 
oder Erbrechen wieder in den Mund hinauf gebracht, dort mit den Mahlzähnen sehr gründlich ver¬ 
arbeitet, noch mehr eingespeichelt mit) so dann zwischen zwei, eine Rinne bildenden Falten der Speise¬ 
röhre in den dritten, blätterig gefalteten Psalter oder Löser hinabgesandt, von welchem sie endlich 
denl letzten und eigentlichen Magen übergeben werden. Ans unserer Abbildung ist der Weg der 
Speise durch die pnnktirten Linien bezeichnet. 
Uebrigens ändert der Ban des M a g e n s bei den verschiedenen Wiederkäuern nicht unbeträcht¬ 
lich ab; hier haben wir den Magen des Schafes zu Grunde gelegt.
        

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