Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Erster Band. Erste Abtheilung: Die Säugethiere. Erste Hälfte: Affen und Halbaffen, Flatterthiere und Raubthiere.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29457/226/
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Die Flatterthiere. Blattnasen. — Vampir. 
Schultern oder in den Hals, weil sie dort mit Leichtigkeit sich festhalten können. Dasselbe thun sie 
mit dem Menschen, wie ich bezeugen kann, weil ich selbst vier Mal in die Zehen gebissen worden bin, 
während ich unter freiem Himmel oder in Feldhäusern schlief. Die Wunde, welche sie mir beibrachten, 
ohne daß ich es fühlte, war rund oder länglichrund und hatte eine Linie im Durchmesser, aber so 
geringe Tiefe, daß sie kaum die ganze Haut durchdrang. Man erkannte sie durch aufgetriebene 
Ränder. Meiner Schätzung nach betrug das Blut, welches nach dem Bisse floß, etwa 2y2 Unzen. 
Allein bei Pferden und anderen Thieren mag diese Menge gegen drei Unzen betragen, und ich glaube, 
daß sie schon wegen des dicken Felles größere und tiefere Wunden an ihnen hervorbringen. Das 
Blut kommt nicht aus den Hohl- oder Schlagadern, denn bis dahin dringt die Wunde nicht ein, 
sondern blos aus den Haargefäßen der Haut, aus denen sie es unzweifelhaft schlürfend und saugend 
herausziehen. Obgleich die mir beigebrachten Bisse einige Tage ein wenig schmerzten, waren sie doch 
von so geringer Bedeutung, daß ich weder ein Mittel dagegen anzuwenden brauchte, noch an meinem 
Der Vampir (Phyllostoma Spectrum). 
Gehen verhindert wurde. Weil sie also keine Gefahr bringen und die Thiere blos in jenen Nächten 
Blut saugen, in denen ihnen andere Nahrung fehlt, fürchtet und verwahrt sich Niemand vor ihnen. 
Man erzählt, daß sie ihr Opfer mit den Flügeln an derjenigen Stelle, wo sie saugen wollen, fächelen, 
damit die Thiere Nichts fühlen sollen." Die übrigen volksthümlichen Anschauungen über den Vampir 
bestreitet Azara auf das nachdrücklichste. 
Rengger fügt Azara's Beobachtung Folgendes hinzu: „Ich habe wohl hundert Mal die Ver¬ 
letzung der Maulesel, Pferde und Ochsen untersucht, ohne über die Art, wie sie hervorgebracht, zur 
Gewißheit zu kommen. Die beinahe trichterförmige Wunde hat gewöhnlich einen Viertelzoll im Durch¬ 
messer, zuweilen etwas mehr und je nach dem Theile des Körpers eine Tiefe von einer bis zu zwei 
Linien. Sie reicht niemals durch die Haut hindurch bis auf die Muskeln. Man bemerkt an ihr keinen 
Eindruck von Zähnen, wie bei Bißwunden, hingegen ist ihr Rand immer sehr aufgelockert und ange¬ 
schwollen. Ich kann daher nicht glauben, daß die Blattnasen und die Zungenfresser (Glossophaga)
        

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