Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Erster Band. Erste Abtheilung: Die Säugethiere. Erste Hälfte: Affen und Halbaffen, Flatterthiere und Raubthiere.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29457/127/
Alter Ruhm. Heimat. Aufenthalt. Lebensweise. 
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angenehmer scheinen sie ihnen zu sein. Wasser in der Nähe ist unerläßliche Bedingung für das Wohl¬ 
befinden einer Herde. Von den höheren Bergen herab wandern die Gesellschaften zuweilen auf die 
niederen Hügelreihen der Samch ara oder des Wüstenstreifens an der Meeresküste herab; die Haupt¬ 
masse bleibt aber immer im Hochgebirge. Hier bewohnt jede Herde ein Gebiet von vielleicht l1/^ oder 
2 Meilen im Durchmesser. Man begegnet kleineren Gesellschaften viel seltener, als größeren. Ich sah 
ein einziges Mal eine Schar vdn fünfzehn bis zwanzig Stück, sonst aber immer Herden, welche der 
geringsten Schätzung nach ihrer hundert und fünfzig zählen mochten. Darunter befinden sich dann 
etwa zehn bis fünfzehn vollkommen erwachsene Männchen — wahrhafte Ungeheuer von bedeutender 
Größe und einem Gebiß, welches das des Leoparden an Stärke und Länge der Zähne bei weitem 
übertrifft, — und etwa doppelt so viel erwachsene Weibchen. Der Rest besteht aus Jungen und 
Halberwachsenen. Die alten Männchen zeichnen sich durch ihre gewaltige Größe und den langen 
Mantel aus — bei einem von mir erlegten mittelalten Männchen messen die Mantelhaare zehn 
pariser oder fast zwölf leipziger Zoll; —- die Weibchen sind kürzer behaart und dunkler, d. h. oliven¬ 
braun von Farbe: die Jungen ähneln der Mutter. Unser Bild überhebt mich einer Beschreibung der 
sonderbaren Haarlage auf dem Kopfe des Hamadryas, welche bei den Afrikanern so großen Beifall 
fand; hinsichtlich der Färbung aber muß ich bemerken, daß jedes einzelne Haar wechselnd grünlich 
braun und gelblich geringelt ist, wodurch eine sehr schwer zu beschreibende, dürr gewordenem Grase 
am meisten ähnelnde Gesammtfärbung des Pelzes entsteht. Die Kopfseiten und Hinterbeine sind 
immer lichter, meist aschgrau. Das Gesäß ist brennend roth, das nackte Gesicht schmuzig fleischfarben. 
Je älter die Männchen werden, um so mehr lichtet sich die Farbe ihres Mantels. Jedoch ist es mir 
wahrscheinlich, daß es wenigstens zwei verschiedene Arten dieser Paviane giebt: eine kleinere mit asch¬ 
grauem Mantel, welche Asien bewohnt, und die bedeutend größere, afrikanische Art, bei welcher der 
Mantel auch im höchsten Alter immer grünlich braungrau gefärbt ist: — unsere Abbildung stellt 
die erstere dar. 
In den Frühstunden oder bei Regen findet man die ganze Bande an ihren Schlafplätzen, 
größeren und kleineren Höhlungen an unersteiglichen Felswänden und auf überdachten Felsgesimsen, 
möglichst nahe zusammengedrückt, die Jüngeren und Schwächeren dicht an den Leib ihrer Mütter und 
bezüglich auch ihrer Väter geschmiegt. Bei gutem Wetter verläßt die Herde jene Wände in den Vor¬ 
mittagsstunden und wandert nun langsam und gemächlich längs der Felswände dahin, hier und 
da eine Pflanze ausziehend, deren Wurzel hauptsächlich als Nahrungsmittel zu dienen scheint, und 
jeden nicht allzu großen Stein umwendend, um zu besonderen Leckerbissen, den unter den Steinen ver¬ 
borgenen Kerbthieren, Schnecken und Würmern zu gelangen. Sobald das Frühmahl eingenommen, 
steigt Alles nach der Höhe des Bergkammes empor. Die Männchen setzen sich ernst und würdig auf 
große Steine, an deren einer Seite die körperlangen gequasteten Schwänze herabhängen, den Rücken 
immer nach dem Winde zugekehrt. Die Weibchen beaufsichtigen ihre ohne Unterlaß spielenden und 
sich balgenden Jungen und treiben sich unter diesen umher. In den späten Nachmittagsstunden zieht 
die Gesellschaft zum nächsten Wasser, um dort zu trinken; dann geht sie nochmals auf Nahrung aus 
und wendet sich schließlich nach irgend einem geeigneten Schlafplatze. Ist ein solcher besonders 
günstig, so darf man mit Sicherheit darauf rechnen, die Paviane gegen Abend da einziehen zu sehen, 
selbstverständlich, so lange man sie nicht durch wiederholte Verfolgungen gestört hat. Durrahfelder 
in der Nähe des Wohnplatzes gehören zu den ganz besonderen Annehmlichkeiten desselben und müssen 
sorgfältig gehütet werden, wenn man auf eine Ernte rechnen will; sonst erscheinen die frechen Räuber 
tagtäglich, verwüsten weit mehr, als sie verzehren, und richten schließlich das ganze Feld vollständig 
zu Grunde. 
Wenn die Paviane still sitzen, schweigt die ganze Gesellschaft, so lange sich nichts Auffälliges 
zeigt. Ein etwa herankommender Menschenzug oder eine Viehherde entlockt einem oder dem andern 
ganz sonderbare Laute, welche am besten mit dem Gebell mancher Hunde verglichen werden können 
und wahrscheinlich nichts Anderes bezwecken, als die Aufmerksamkeit der Gesammtheit zu erregen. Bei
        

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