Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Erster Band. Erste Abtheilung: Die Säugethiere. Erste Hälfte: Affen und Halbaffen, Flatterthiere und Raubthiere.
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29457/126/
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Die Affen. Hundsköpfe. — Hamadryas oder Mantelpavian. 
Bildern aus. Wahrscheinlich hatte die Verehrung des Hamadryas und die des Krokodils denselben 
Grund: sie geschah aus Furcht; denn schon damals gab es Menschen, welche ihren Gott fürchteten, 
anstatt ihn zu lieben. 
Merkwürdiger Weise waren es nicht die Egypter allein, welche diesen Affen Achtung bezeigten. 
Diese erstreckte sich weiter. Noch heutigen Tages tragen alle Bewohner der Steppenländer des innern 
Afrika und auch ein großer Theil der Abissinier ihre Haare genau in derselben Weise gekämmt und 
gescheitelt, wie der Hamadryas, und er ist somit unverkennbar zum Vorbild für jene Leute geworden, 
mögen diese auch mehr die Bildsäulen, als das lebende Thier im Auge gehabt haben. 
Heutigen Tages genießt der Hamadryas in jenen Ländern keine Verehrung mehr. Seine 
Schädlichkeit ist zu groß, als daß er sich die Freundschaft der Menschen erwerben sollte. 
Wahrscheinlich wurden die Hamadryaden bereits zu der alten Egypter Zeiten vom Süden her 
eingeführt. Gegenwärtig findet sich das Thier in Egypten nirgends mehr wild. Auch Prosper 
Alpinus, welcher im Jahre 1580 in Egypten war, sagt ausdrücklich, daß es dort keine Affen gäbe, 
sondern daß sie aus Arabien eingeführt würden. „Sie sind so talentvoll, fährt er fort, daß man 
ihnen nicht den Verstand absprechen kann. Die Thierführer lehren ihnen sehr leicht, was sie wollen, 
zuweilen höchst sinnreiche Spiele, mit denen sie die Zuschauer ergöhen. Solche abgerichtete Assen 
sieht man oft in Kairo, Alexandrien und anderswo." 
„Besonders die Männchen sind den Bewohnern aufsässig; allein man kann es nicht wohl er¬ 
zählen, wie unanständig sie sind. Jene, welche großen Hunden gleichen, verfolgen die arabischen 
Weiber auf den Feldern und deshalb beschmieren sich diese ihr Gesicht und selbst den Leib mit Safran. 
Hierdurch bleiben sie von den Anfällen der Affen frei; denn letztere glauben dann, den mit Safran 
eingeriebenen Frauen wäre nicht wohl und sie könnten selbe nicht gebrauchen. 
Hinsichtlich der letzten Angabe läßt sich unser Forscher zu falschen Folgerungen verleiten. Ich 
selbst habe beobachtet, daß sich die Frauen der Nomaden in jenen Gegenden wirklich ihr Gesicht mit 
Safran beschmieren: allein Dies geschieht keineswegs der Affen halber, sondern ans denselben Rück¬ 
sichten, welche unsere Frauen bewegen, zartes Roth auf ihre zarten Wangen zu legen. 
Alvarez, welcher etwa um dieselbe Zeit, als Alpinus in Afrika und zwar in Abissinien war, 
berichtet, daß er die Mantelpaviane in ungeheuren Herden gesehen habe, und giebt eine sehr richtige 
Beschreibung von ihrem Wesen und Treiben. „Sie lassen," sagte er, „keinen Stein liegen; wenn ihrer 
zwei oder drei einen nicht umwenden können, so stellen sich so viele daran, als Platz haben, drehen 
ihn dennoch um und suchen ihre Lieblingsnahrung hervor. Auch Ameisen fressen sie gern und legen, 
um diese zu fangen, ihre Hände umgekehrt auf die Haufen, bis die Hand bedeckt ist; dann bringen sie 
dieselbe rasch zu Munde und lecken die Ameisen ab. Wenn man sie nicht hütet, verheeren sie gleich bte 
Felder und Gärten. Ohne Kundschafter gehen sie zwar nicht in die Pflanzungen; aber wenn diese 
ihnen das Zeichen zur Sicherheit gegeben, dringt die ganze Bande in den Garten oder das umhegte 
Feld und läßt Nichts übrig. Anfangs sind sie ganz still und ruhig, und wenn ein unkluges Junges 
einen Laut hören läßt, bekommt es- eine Ohrfeige; sobald sie jedoch die Furcht verlieren, zeigen sie 
durch gellendes Geschrei ihre Freude über ihre glücklichen Ueberfälle. Sie würden sich in entsetzlicher 
Weise vermehren, wenn nicht der Leopard so viele ihrer Jungen zerrisse und fräße, obgleich die 
Alten diese muthig zu-vertheidigen suchen." 
Unter den neueren Forschern giebt Ehrenberg zuerst eine ziemlich ausführliche Beschreibung 
unserer Paviane, welchen er in Arabien und an der Küste von Abissinien einzeln und m großen 
Scharen begegnete. Später erzählen Rodatz und Bayssitzre von ihnen. Ich memes Theils traf 
das Thier auf meiner ersten Reise nach Afrika im Freileben nirgends an. um so häufiger aber auf 
meinem leider nur zu kurzen Aussluge nach Abissinien im Frühjahre 1862, und kann also nunmehr 
aus eigner Erfahrung über ihn reden. 
Der Hamadryas bewohnt das ganze Küstengebirge Abissiniens und Süd-Nubiens, nach Norden 
hin soweit die Regen herabreichen, in ziemlicher Anzahl. Je pflanzenreicher die Gebirge, um so
        

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