Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber psychische Causalität und das Princip des psychophysischen Parallelismus
Person:
Wundt, W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29437/84/
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W. Wundt. 
gegenüber unmöglich aufrecht erhalten werden kann, ungefähr 
ebenso wenig wie sich in der Physik die Ansicht aufrecht erhalten 
ließ, die Farben seien objective Eigenschaften der Körper, die den 
subjectiven Farbenempfindungen gleichen. Denn jene nativistische 
Ansicht könnte nur dann allenfalls beibehalten werden, wenn 
jeder localen Empfindung ein von dem Ort des Eindrucks ab¬ 
hängiger, von anderen Factoren aber unabhängiger Raumwerth 
zukäme. Dies ist aber durchaus nicht der Fall. Vielmehr lehrt 
die Analyse der Wahrnehmungen, dass alle Raumbestimmungen 
immer erst auf Grund vieler zum Theil verwickelter Empfindungs¬ 
einflüsse zu Stande kommen, und dass die zeitliche und räumliche 
Vorstellung das Product aller dieser Einflüsse ist. In der That 
erklärt sich das Widerstreben gegen diese Folgerung auch nur 
daraus, dass die Annahme eines solchen Processes die Annahme 
einer psychischen Causalität in sich schließt, die man durchaus 
vermeiden möchte, um das psychische Geschehen unmittelbar 
aus der physischen Causalität abzuleiten. So ereignet sich hier 
das eigenthümliche Schauspiel, dass man, sobald die psychologi¬ 
sche Analyse bis zu dem Punkte gelangt ist, wo die Erforschung 
der eigenthümlichen Gesetze der psychischen Causalität, also die 
Hauptaufgabe deT Psychologie zu beginnen hätte, umkehrt, um auf 
der gangbaren Heerstraße physiologischer Voruntersuchungen blei¬ 
ben zu können. Aehnlich wie mit den zeitlichen und räumlichen 
Eigenschaften verhält es sich dann auch mit den Gefühlen. Hier 
hilft die Annahme eines Gefühlstones, dem in der Regel eine ähn¬ 
liche nativistische Bedeutung beigelegt wird wie der Zeit- und 
Raumqualität, über alle Schwierigkeiten der causalen Analyse, frei¬ 
lich aber auch über jede wirkliche Lösung der psychologischen Auf¬ 
gaben hinweg. 
Bildet hiernach die Entstehung der Sinneswahrnehmungen das¬ 
jenige Gebiet psychischer Vorgänge, welches in seinen Entstehungs¬ 
bedingungen am engsten von der Organisation des physischen In¬ 
dividuums abhängt, da nicht bloß die einzelnen Empfindungen, die 
in der Wahrnehmung verbunden werden, sondern auch die regel¬ 
mäßige Verknüpfung dieser Empfindungen, ohne die keine psychi¬ 
sche Ordnung derselben zu Stande kommen könnte, auf physischen 
Bedingungen beruht, so zeigt doch gerade schon dieses Gebiet
        

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