Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber psychische Causalität und das Princip des psychophysischen Parallelismus
Person:
Wundt, W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29437/19/
lieber psychische Causalität und das Princip des psychophysischen Parallelismus. 19 
der das Yerhältniss einer gewissen durch Erhebung eines Gewichtes 
entstandenen Lageenergie zu der aus ihr entstehenden Bewegungs¬ 
energie untersuchen will, durchaus nicht darum, wie das Gewicht P 
auf die Höhe h gekommen ist; der Physiologe, der die zur Kraft¬ 
leistung Ph erforderliche Muskelleistung untersucht, lässt umgekehrt 
die Art, wie das gehobene Gewicht wieder in seine ursprüngliche 
Lage gebracht wird, um zu einem neuen Hebungsversuch verwendet 
zu werden, außer Betracht. Zu den Fallen, in denen bald die eine 
bald die andere Gattung von Causalgleichungen je nach den ma߬ 
gebenden Gesichtspunkten angewandt wird, gehören insbesondere 
auch alle diejenigen Zusammenhänge, in denen der Uebergang aus 
einer Form der Energie in eine andere durch Auslösungspro- 
cesse vermittelt wird. Der Auslösungsvorgang seihst ist hierbei 
im allgemeinen durch eine Causalbeziehung darzustellen, die, wenn 
sie eine exacte Fassung zulässt, die Form einer Kraft- oder Trans¬ 
formationsgleichung annimmt. Der Uebergang des Systems aus 
einem Zustand in einen andern wird dagegen durch eine Zustands¬ 
gleichung dargestellt werden können. So löst der Stoß, der einen 
auf einer schiefen Ebene ruhenden Stein trifft, zunächst eine momen¬ 
tane Bewegung aus, deren Geschwindigkeit sich nach dem Sto߬ 
gesetze bestimmt; die Energie aber, die der Stein beim Herabrollen 
gewinnt, hängt theils von der beim Stoß gewonnenen Anfangs¬ 
geschwindigkeit theils von der zuvor schon vorhandenen Energie 
der Lage ab. Hier wird daher die causale Beziehung nur noch 
dann in der Form einer reinen Zustandsgleichung darzustellen sein, 
wenn die durch den Stoß erzeugte Anfangsgeschwindigkeit gegen¬ 
über der ganzen vorhandenen Energiegröße verschwindend klein 
sein sollte, wenn also z. B. der Stoß nur eben zureicht, den durch 
die Reibung gesetzten Widerstand gegen die Bewegung zu über¬ 
winden. Verwickelter werden diese Fälle, wenn es sich um eine 
fortlaufende Kette von Auslösungsvorgängen handelt. Eine schwache 
Erschütterung kann zureichen, um eine große Menge von Chlor¬ 
stickstoff zur Explosion zu bringen. Die Erschütterung wirkt dabei 
zunächst als auslösende Kraft auf einen kleinen Bruchtheil der 
Masse, dieser wieder auf weitere Mengen u. s. f., so dass der Gesammt- 
vorgang in Wahrheit eine Reihe unter einander verbundener Aus¬ 
lösungen ist. Hier sind je nach dem Interesse, das die einzelnen 
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