Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber psychische Causalität und das Princip des psychophysischen Parallelismus
Person:
Wundt, W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29437/118/
118 
W. Wundt. 
3. Das Princip der beziehenden Analyse. 
In nichts bewährt sich so sehr die einheitliche Natur der Ge¬ 
bilde, welche die schöpferische psychische Synthese hervorbringt, 
als in der Art, wie sich diese Gebilde in einzelne Bestandtheile 
gliedern. Diese Gliederung geschieht nämlich durchgehends nicht 
so, dass die aus dem Ganzen ausgesonderten Theile nun für sich 
bestehende Einheiten bilden, sondern stets derart, dass sie mit dem 
Ganzen, aus dem sie hervorgingen, in Beziehung bleiben und we¬ 
sentlich durch diese fortdauernde Beziehung ihre eigene Bedeutung 
empfangen. * 
Gleich dem Princip der schöpferischen Synthese, zu dem es das 
ergänzende Gegenstück bildet, ist 'auch das der beziehenden Ana¬ 
lyse auf allen Stufen der psychischen Entwickelung nachzuweisen. 
Innerhalb der Wahrnehmungsvorgänge z. B. besteht es in der Her¬ 
vorhebung eines begrenzten Theiles aus einem zusammenhängenden 
Ganzen. Diese Gliederung der Vorstellung in ihre Bestandtheile 
erfolgt, gerade so wie die Synthese des Ganzen aus seinen Ele¬ 
menten^ meist in Folge bestimmter äußerer Ursachen: die Theile 
eines räumlichen Bildes sondern sich z, B. in Folge der Bewegung, 
der verschiedenen Vertheilung von Licht und Farben u. s. w. Aber 
diese Ursachen bilden immer nur bestimmende Motive, nicht zwin¬ 
gende Gründe. Es kommt zu ihnen noch die subjective Bedingung, 
dass unser Bewusstsein aus der Totaleinheit, die es umfasst, suc- 
cessiv begrenztere Einheiten hervorhebt, um sie sich vorzugsweise zu 
vergegenwärtigen. Diese eigenthümliche Bewusstseinsfunction, ohne 
welche die Trennung und Unterscheidung des Einzelnen aus einer 
Gesammtheit von Empfindungen nicht möglich wäre, nennen wir 
die Apperception. Sie ist theils von der unmittelbaren Bewusst¬ 
seinslage, z. B. von äußeren Eindrücken und den durch sie ange¬ 
regten nächsten Associationen, theils von weiter zurückliegenden, 
aus der ganzen bisherigen Bewusstseinsentwickelung hervorgehenden 
Bedingungen abhängig. Wie das Bewusstsein eine Totaleinheit, so 
ist der Inhalt der Apperception eine Sondereinheit, die sich aus 
jener hervorhebt, und der wir nach dem Grade dieser Hervorhebung 
und der Schärfe der Begrenzung gegenüber andern Bestandtheilen 
Klarheit und Deutlichkeit zuschreiben. Wie in der Bevor-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.