Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber psychische Causalität und das Princip des psychophysischen Parallelismus
Person:
Wundt, W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29437/11/
Ueber psychische Causalität und das Princip des psychophysischen Parallelismus. 11 
dem weiteren Umkreis der Bedingungen zu Stande zu bringen. 
Im ersten Fall kann man sich dann darauf berufen, dass die con¬ 
stant en Bedingungen des causalen Geschehens die wirkenden 
Dinge und nicht deren veränderliche Relationen seien; im zweiten 
Fall aber darauf, dass jedes causale Geschehen irgend eine voraus¬ 
gehende Veränderung als seinen Grund voraussetze, und dass daher 
schon psychologisch der Begriff der Ursache ohne den der Ver¬ 
änderung nicht existiren würde, weshalb man denn auch diesen 
als den wesentlichen ansehen müsse. "Wird nun der aus diesen 
sich ergänzenden psychologischen Bestimmungen erwachsene Streit 
mit logischer Einseitigkeit, ohne Rücksicht auf die in der wissen¬ 
schaftlichen Anwendung hinzugekommenen weiteren Kriterien, durch¬ 
geführt, so entstehen dann aus diesen einseitigen Betrachtungsweisen 
zwei gleich undurchführbare Begriffsbildungen. Die eine derselben 
substantialisirt vollständig die Ursache und schreibt ihr daher eine 
fortwirkende latente Thätigkeit auch da zu, wo von einer durch 
sie bewirkten Veränderung gar nicht die Rede ist; die andere ver¬ 
legt mit Hume die Ursache nur in die veränderte Relation der 
Dinge und vernachlässigt daher die in den Dingen selbst gelegenen 
permanenten Bedingungen, die doch dem Wirken der Ursachen erst 
den Charakter der Constanz oder Nothwendigkeit verleihen, so dass 
die zufällige Folge der Erscheinungen als einziges Kriterium übrig 
bleibt. 
Der in den exacten Wissenschaften zur Entwicklung gelangte 
Causalbegriff geht zwischen diesen beiden aus einseitigen Ab- 
stractionen entsprungenen Auffassungen mitten hindurch. Jede 
Causalgleichung enthält nämlich zunächst allerdings die Beziehung 
zweier einander folgender und quantitativ identisch gesetzter Natur¬ 
vorgänge : insofern ist also die zweite der obigen Betrachtungsweisen 
hier die vorherrschende. Aber in die Factoren, welche die beiden 
Glieder des Causalverhältnisses zusammensetzen, gehen regelmäßig 
auch Größen von substantieller Bedeutung ein, — nur freilich wird 
ihnen niemals an und für sich, sondern immer nur in ihrer Ver¬ 
bindung mit irgend einem zeitlichen Vorgang causale Wirksamkeit 
zugeschrieben. 
Die heststellungen der Mechanik und mechanischen Physik
        

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