Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über den Bau der Nasenschleimhaut, namentlich die Structur und Endigungsweise der Geruchsnerven bei dem Menschen und den Wirbelthieren
Person:
Schultze, Max
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29433/93/
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wünschten Zustand bringen, aber auch am schnellsten wieder verderben. Natürlich 
darf auf dem Objectträger keine Spur Wasser oder andere Flüssigkeit als die Kali¬ 
lauge an das Präparat kommen. In den schwächeren Lösungen macerirte Präparate 
habe ich nach 3 Stunden brauchbar gefunden. Der Vortheil, den diese Me¬ 
thode bietet, besteht wesentlich in zwei Punkten, 1) man kann sehr schnell nach dem 
Einlegen untersuchen und 2) die Riechzellen erhalten sich, namentlich in ihren peri¬ 
pherischen Fortsätzen, so zahlreich, so sicher und je nach, der Länge der Einwirkung 
auch so vortrefflich in situ, dass ich in der That kein besseres Mittel weiss, um sich 
schnell von der eigenthümlichen abwechselnden Lage von Epithelialzellenkörpern und 
Riechzellenfortsätzen eine Anschauung zu verschaffen, als die Anwendung der Kali¬ 
lauge in der angegebenen Weise. Die verschiedenen Concentrationsgrade sind noth- 
wendig und nützlich, um sicher an einem der Präparate den günstigsten Erhaltungs¬ 
zustand zu finden, und bieten mannigfach belehrende Ansichten, indem an dem einen 
Präparate mehr Quellung, an dem anderen mehr Schrumpfung eingetreten, hier die 
Riechzellenfortsätze Varikositäten zeigen, dort nicht, hier die Epithelialschicht noch in 
grösseren Fetzen zusammenhält, dort jede Zelle einzeln isolirt ist, hier endlich alle pe¬ 
ripherischen Riechzellenfortsätze über die freie Fläche der Epithelialzellen hervorge¬ 
quollen sind und wie ein Wald von Haaren emporstehen, an dem anderen die freie 
Fläche der Epithelialschicht so glatt erscheint, wie bei der Untersuchung in humor 
aqueus. Wo wirkliche Riechhärchen im frischen Zustande vorhanden sind, wie beim 
Frosch, erhalten sich diese oft in bewunderungswürdiger Vollständigkeit. Auch ge¬ 
wöhnliche Wimperhaare auf den Wimperepithelzellen widerstehen der Einwirkung 
dieser stärkern Laugen gerade so lange wie die Zellen selbst. Der Mangel einer 
scharfen Begrenzungscontour, wie ich ihn als der freien Fläche der Epithelialzel¬ 
len der regio olfactoria beim Frosch und anderen Thieren eigenthümlich hervor¬ 
hob, fällt gerade nach Kalilauge - Behandlung sehr auf, im Gegensatz zu dem 
glänzenden Saume, welcher die Wimperzellen benachbarter Gegenden gegen die 
freie Fläche hin abschliesst, und wenn eine Behandlungsmethode geeignet ist, die 
oben offen gelassene Frage nach der etwaigen Bewimperung auch einiger Epi¬ 
thelialzellen der regio olfactoria zu entscheiden, so glaube ich wird es diese 
.Methode sein. 
Statt des Aetzkali wandte ich auch Aetznatron an. Dasselbe löst sich etwas 
weniger leicht in Wasser und ist hier eine Concentration von 20—22% die beste. 
Doch sah ich keinen Vortheil vor der Anwendung des Aetzkali.
        

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