Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über den Bau der Nasenschleimhaut, namentlich die Structur und Endigungsweise der Geruchsnerven bei dem Menschen und den Wirbelthieren
Person:
Schultze, Max
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29433/79/
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dadurch herbeizuführen, dass der die Gewebe normal durchtränkende Parenchymsaft 
durch Zusatz gewisser Substanzen in seiner Zusammensetzung geändert, oder dass 
derselbe durch Einlegen des betreifenden Präparates in conservirende und macerirende 
Flüssigkeiten durch diese verdrängt werde, wodurch dann natürlich in Folge der 
veränderten Diffusionsverhältnisse so wie directer chemischer Einwirkung die geform¬ 
ten Bestandtheile des Gewebes in der Art ihrer Lichtbrechung, in Consistenz und 
Widerstandskraft sich mannigfach ändern. Die besten!, zu diesem Zwecke brauch¬ 
barsten Flüssigkeiten werden natürlich diejenigen sein, welche bei ihrer Einwirkung 
auf die Gewebe die Form der Element artheile möglichst wenig ändern, sie 
ganz so conserviren, wie sie sich im frischen Zustande verhalten, dabei aber die 
Verhältnisse der Lichtbrechung so abändern, dass möglichst scharfe Gegensätze gerade 
da hervortreten, wo es im frischen Zustande an solchen ganz fehlte und die wahre 
Gestalt der Elementartheile demnach nicht erkannt werden konnte. Immer werden 
wir also bei Anwendung conservirender und macerirender Flüssigkeiten, von denen 
wir bei der eigenthümlichen Natur der thierischen Gewebe leider einen so aus¬ 
gedehnten Gebrauch machen müssen, die Untersuchung im frischen Zustande 
zu Grunde zu legen haben, stets werden wir nur solche Concentrationsgrade der 
anzuwendenden Lösungen, Säuregemische etc. in Gebrauch ziehen dürfen, welche 
nach vergleichenden Untersuchungen die Formen der Theile möglichst genau so er¬ 
halten, wie sie im frischen Zustande bestehen. Diese Vergleichung wird allerdings 
dadurch oft sehr erschwert oder nahezu unausführbar gemacht, dass wir an dem be¬ 
treffenden Gewebe im frischen Zustande so gut wie gar Nichts sehen, dass wir uns 
wenigstens über einen Theil der Dinge, welche die conservirende Flüssigkeit deutlich 
macht, vor der Einwirkung derselben absolut keine Anschauung verschaffen können. 
Allerdings dürfte dieser Fall seltener sein, als man in der heutigen Chromsäure - süch¬ 
tigen Zeit, in welcher man vor lauter Begeisterung für Frhärtungsmethoden die 
Untersuchung der Gewebe im frischen Zustande offenbar zu sehr vernachlässigt 
hat, anzunehmen geneigt ist. Wenn es sich aber ereignen sollte, dass man für einen 
bestimmten Gewebstheil den Einfluss der conservirenden Flüssigkeit desshalb nicht 
festzustellen vermöchte, weil jener in seinem natürlichen Verhalten im frischen 
Zustande mikroskopischer Untersuchung absolut unzugänglich ist, so wird man zur 
Vergleichung andere, ähnlich zarte und empfindliche, aber in der gewünschten Be¬ 
ziehung günstigere Formelemente benutzen können, um nach deren Verhalten den 
Einfluss der conservirenden Flüssigkeit auf jenes andere, frisch nicht zugängliche 
Gewebe zu beurtheilen.
        

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