Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über den Bau der Nasenschleimhaut, namentlich die Structur und Endigungsweise der Geruchsnerven bei dem Menschen und den Wirbelthieren
Person:
Schultze, Max
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29433/7/
8tanz vorgebrachte anschliesst, wie sie neuerdings mein Schüler Franz Schulze ausführ¬ 
lich begründet hat* *), giebt es Uebergänge von Epithelialzellen nach Bindegewebs¬ 
zellen in dem Sinne, dass während bei ersteren das Protoplasma in seiner Rinden¬ 
schicht nur eine dünne Zellmembran bildet, bei diesen die Umwandlung der Rin¬ 
denschicht zu einer von Protoplasma differenten Masse allmählig immer tiefer greift, 
bis endlich alles oder fast alles Protoplasma in die sogenannte Grundsubstanz des 
Bindegewebes aufgegangen ist und nur der Kern der Zelle, in einer Lücke der 
Grundsubstanz liegend, übrig bleibt, hier auf eine früher vorhanden gewesene Proto¬ 
plasmaanhäufung deutend. 
Wir werden im Laufe nachfolgender Zeilen Gelegenheit haben, Beispiele sol¬ 
cher Umwandlung von Epithelialzellen in Bindesubstanz-Gewebe kennen zu lernen. 
Aber nicht bloss die immer mehr überhand nehmende Ueberzeugung, dass 
die Ansicht von einer überall existirenden scharfen Grenze zwischen Bindegewebe 
und Epithel aufzugeben sei, bricht den von manchen Histiologen gehegten theoreti¬ 
schen Bedenken gegen den Zusammenhang von Nervenfasern und Zellen der Epithe¬ 
lialschichten der Nasenschleimhaut die Spitze ab; — es sind im Laufe der letzten 
Jahre an verschiedenen Körpertheilen directe Beobachtungen des Ueberganges von 
Nervenfasern in Epithelialschichten und des Zusammenhanges der Nerven mit Zellen 
dieser Schichten gemacht worden. Alle diese Beobachtungen beziehen sich auf 
Sinnesorgäne, und beweisen zum Theil ganz unumstösslich, was für die regio 
olfactoria der eigenthümlichen Schwierigkeit der Untersuchung wegen bisher noch 
durch keine directe Beobachtung des Zusammenhanges Uber allen Zweifel erhoben 
worden war, dass Nervenfasern an der Peripherie in Zellen übergehen können, welche 
die oberflächliche Lage von Epithelialzellen haben. 
Ich muss hier zunächst meiner Studien über die Endigungsweise des Hör¬ 
nerven im Labyrinthe namentlich der Fische**) gedenken, welche in das Jahr 1857 
fallen. Zur Ergänzung meiner damals auf Helgoland unternommenen Untersuchun¬ 
gen über die Endigungsweise der Nasennerven bei Rochen und Haien, Uber welche 
unten berichtet werden wird, durchforschte ich das Gehörorgan auf epitheliale Bil¬ 
dungen, welche den in der regio olfactoria zu den Nerven in einer unverkennbaren 
Beziehung stehenden entsprechen könnten. Meine Bemühungen wurden belohnt durch 
Vortrag über „Elementarorganismen“ in den Sitzungsber. der Wiener Akademie 1861, October. Bd. XL1V, 
pag. 393. 
*) Archiv f. Anatomie und Physiologie 1862, Heft 2\ 
**) Archiv f. Anatomie und Physiologie 1858. p. 343.
        

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