Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über den Bau der Nasenschleimhaut, namentlich die Structur und Endigungsweise der Geruchsnerven bei dem Menschen und den Wirbelthieren
Person:
Schultze, Max
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29433/69/
zu kommen. Da tritt aber die schwierig zu entwindende, zellenreiche Grenzschicht 
zwischen Bindegewebe und Epithel hindernd in den Weg. Es ist gar nicht zu ver¬ 
wundern, dass Clarke auf den Gedanken kam, die Nervenfibrillen gingen in das fein¬ 
gestrickte Fasernetz dieser Grenzschicht direct über, denn in der That kann man 
die Nerven bis unmittelbar an dasselbe verfolgen, und sprechen Schnitte erhärteter 
Präparate oft für eine Continuität. Die Frage, die uns beschäftigt, ist aber der eigen¬ 
tümlichen Zartheit und Kleinheit der Elemente wegen leider nicht an Schnitten zu 
lösen. Da Clarke andrerseits auch die Epithelialzellen mit ihren basalen Enden sich 
in dieses Netz auflösen sah, so kam er zu der Ansicht, diese Zellen müssten die 
Eiechnervenenden sein. Diesem habe ich Folgendes gegenüber zu stellen: 1) Die 
Epithelialzellen der regio olfactoria haben Nichts an sich, was rechtfertigte ihnen, 
anderen Epithelialzellen namentlich denen der angrenzenden Partieen der Nasen¬ 
schleimhaut gegenüber, eine solche Ausnahmestellung anzuweisen; 2) zwischen den 
Epithelialzellen kommen in der regio olfactoi'ia andere Zellen vor, welche in anderen 
Epithelialschichten fehlen. Diese haben in ihren zarten, fadigen, centralen und peri- 
pherischen Fortsätzen solche Verwandtschaft mit nervösen Gebilden, dass, wo man 
auch immer sie fände, man an ihre Zusammengehörigkeit mit dem Nervensystem 
denken müsste; 3) die centralen Fortsätze dieser Zellen verlieren sich wie die der 
Epithelialzellen in dem Grenzgewebe zwischen Epithel und Bindesubstanz. Da beim 
Zerzupfen desselben Theile des spongiösen Netzwei’kes ganz constant in Verbin- 
dung mit den Epithelialzellen, aber nie in Verbindung mit den centralen 
Fortsätzen der Nervenzellen, gesehen werden, so fällt jeder Grund fort, das 
Netzwerk für ein nervöses zu halten, und muss desshalb nach einer anderen 
Art der Endigungsweise der Nerven gesucht werden. 
Dass diese Nervenendigung schliesslich in die zwischen den Epithelialzellen 
liegenden Riechzellen falle, ist bei deren ausgesprochen nervösen anatomischen Eigen¬ 
schaften und nach allem Voranstehenden nicht mehr zu bezweifeln. Es fragt sich 
nur, wie die Verbindung zwischen den centralen Riechzellenausläufem und den peri¬ 
pherischen Riechnervenfibrillen zu Stande kommt. Nach meiner Ansicht liegt nach 
der Beschaffenheit der Grenzschicht, in welche man beiderlei Fasern verfolgen kann, 
kein Grund vor, an dem directen, unmittelbaren Zusammenhänge beider zu 
zweifeln. Die Zukunft wird uns, wie ich hoffen will, in den Stand setzen, diese 
Ansicht durch Beobachtungen zu beweisen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.