Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über den Bau der Nasenschleimhaut, namentlich die Structur und Endigungsweise der Geruchsnerven bei dem Menschen und den Wirbelthieren
Person:
Schultze, Max
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29433/21/
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Zerzupfungspräparate können selbstverständlich keinen Aufschluss über die 
natürliche Lage der feinsten Nervenästchen in der Haut der Nasengrube geben. Um 
über diese in’s Klare zu kommen, muss Alles in situ bleiben. Die grosse Undurch¬ 
sichtigkeit der dicken Bindegewebslage, welche beim Hecht die Nervenverästelungen 
einschliesst, macht solche Beobachtungen sehr schwierig. Am leichtesten sind die 
Falten der Geruchsgrube ohne weitere Präparation zu untersuchen. Durch Essigsäure 
kann man sie hinreichend durchsichtig machen, um sich zu überzeugen, dass in sie 
kein Aestchen des nervus olfactorius ein dringt. Die Nerven bleiben vielmehr alle 
im Grunde der Thäler zwischen den Falten, oder erstrecken sich gegen das Falten¬ 
centrum hin, wie man an Schnitten stark erhärteter Präparate, die senkrecht auf die 
Oberfläche der Nasengrube gefertigt wurden, sehen kann. An solchen bemerkt man 
weiter, dass, wie in Fig. 5. Taf. II. abgebildet ist, die Hauptzüge der Nervenfasern 
ausschliesslich zu dem Boden der schlitzförmigen Vertiefungen gehen, welche in den 
Faltenthälem liegen, und das eigenthümlich langzellige Epithel tragen. Es hängt 
von der Richtung des Schnittes ab, ob an einem solchen ein Ast etwas weiter bis 
gegen die Grenze des Bindegewebes hin verfolgt werden kann, oder ob die Aeste 
früher abgeschnitten aufhören. Am vortheilhaftesten ist es, in der Richtung der 
Falten, also radiär gegen das Centrum zu schneiden. 
Die angeführte Figur giebt nur die Richtung der Geruchsnervenfasern nach 
den Bündeln langgestreckter Epithelzellen an. Mehr war an dem der Zeichnung zu 
Grunde liegenden Präparate nicht deutlich gesehen worden. Später ist es mir wie¬ 
derholt gelungen, an anderen, dünneren Schnitten die Nervenfasern vollkommen deut¬ 
lich nicht nur bis an die Grenze des Bindegewebes im Grunde der kleinen Gruben 
zu verfolgen, sondern auch aus dem Bindegewebe hervortreten und als 
feine variköse Fäserchen an der Stelle aufsteigen zu sehen, wo sich 
ihnen unmittelbar die varikösen Fortsätze der Fadenzellen zwischen 
den Epithelialzellen anschlossen. Durch Einwirkung stärkerer Chromsäure¬ 
lösungen (1 — 2 Gran auf die Unze Wasser) ziehen sich die Büschel der langgestreck¬ 
ten Zellen, welche die schlitzförmigen Vertiefungen ausfüllen, die wir jetzt, da wir 
die Nerven ausschliesslich zu ihnen verfolgen konnten, mit dem Namen der sekun¬ 
dären Geruchsgruben belegen wollen, von dem Bindegewebe etwras zurück, sie 
heben sich von der bindegewebigen Unterlage etwas ab, so dass sie, in ihrer Ver¬ 
bindung mit dem letzteren gelockert, an dünnen Schnitten meist abfallen. Gelingt 
es, sie in situ zu erhalten, was bei vorsichtiger Behandlung nicht selten geschieht, 
so findet sich meist zwischen dem festen bindegewebigen Grunde der Grube und den
        

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