Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ein neuer Algesimeter nebst einer kritischen Darstellung der bisherigen algesimetrischen Methoden
Person:
Thunberg, Torsten
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29432/6/
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III. Thonberg 
die Nervenenden reizend wirkt. Dieser Epidermisüberzug bewirkt, dass 
die Fläche, mit der die Nadel auf die Nervenenden im Rete Malpighi 
drückt, grösser ist als die wirkliche Spitzenoberfläche, und je spitzer die 
verwendete Nadel ist, eine um so grössere Rolle spielt die Flächenerwei¬ 
terung, die auf der Einbuchtung der Epidermis beruht; und überschreitet 
die Nadelspitze einen gewissen Feinheitsgrad, so hat eine weitere Ver¬ 
minderung keinen Einfluss mehr auf die Fläche des Rete Malpighi, über 
die der Druck sich verteilt, weil die Fläche der sich einbuchtenden 
Epidermis nicht unter ein gewisses, von ihrer Dicke und Geschmei¬ 
digkeit abhängiges Maß herabgehen kann. 
In Übereinstimmung mit dieser Deutung steht der Umstand, dass 
an Stellen mit dicker Epidermis, z. B. auf den Fingerkuppen, die eben 
erwähnte untere Grenze für die Spitzenoberfläche der Nadel recht hoch 
liegt. Eine Spitzenoberfläche von 0,01 qmm gibt bei derselben Be¬ 
lastung denselben Reizeffekt, wie eine kleinere Spitzenoberfläche. 
Ein Umstand, der mich zuerst zweifeln liess, ob die Anwendung 
einer feinen Spitzenoberfläche empfehlenswert sei, ergibt sich aus dem 
Folgenden; 
Wie v. F rey J) gezeigt hat, ist die Haut auch auf sehr kleinen 
Gebieten nicht gleich empfindlich für Schmerzreize, sondern maximal 
empfindlich auf gewissen Punkten, den sog. Schmerzpunkten. Diese 
Punkte sind als eine Projektion der schmerzempfindlichen Nervenenden 
auf die Hautoberfläche anzusehen. Zwischen diesen Punkten kann auch 
Schmerz ausgelöst werden, aber erst bei stärkerer Reizung, und der 
Schmerz wird dabei als so entstanden gedacht, dass die Wirkung des 
Reizes sich um den eigentlichen Angriffspunkt herum verbreitet hat. 
Da nun die Fläche, die diese Schmerzpunkte einnehmen, nur einen 
Bruchteil des zwischenliegenden, nicht so empfindlichen Gebiets 2) aus¬ 
macht, muss bei jedem Reizmittel, dessen Spitzenoberfläche klein im 
Verhältnis zur Distanz zwischen den Schmerzpunkten ist, weit grössere 
Wahrscheinlichkeit vorliegen, dass man zwischen die Schmerzpunkte 
trifft, als dass man eben diese selbst trifft. Der Schwellenwert, der 
mit sehr feinen Spitzen erhalten wird, wäre also — falls das obige 
Raisonnement richtig ist — nicht ein Ausdruck für die maximale Em- 
1) a. a. O. S. 239. 
2) Darf mau zur Berechnung des Verhältnisses zwischen der Fläche der 
maximal schmerzempfindlichen Hautpunkte und der der weniger empfindlichen 
eine Karte von v. Frey (a. a. o. S. 245) an wenden, so wäre das Verhältnis un¬ 
gefähr das von 1:60. Indessen macht diese Karte, die wohl nur beabsichtigt, 
die Lage der Schmerz- und Druckpunkte zu zeigen, kaum einen Anspruch da¬ 
rauf, die Ausdehnung der maximal empfindlichen Partien genau anzugeben.
        

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