Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ein neuer Algesimeter nebst einer kritischen Darstellung der bisherigen algesimetrischen Methoden
Person:
Thunberg, Torsten
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29432/10/
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III. Thunberg 
Empfindung auf, welche als von denselben Nerven ausgelöst angesehen 
werden muss, welche bei kräftigerer Reizung die deutlichen, ausge¬ 
prägten Schmerzsensationen vermitteln.1) Wie aber eine Untersuchung 
der Schwelle des Kältesinns in einer Bestimmung des Temperatur¬ 
grades bestehen muss, der überhaupt eine eben merkbare Kälteempfin¬ 
dung gibt, nicht des Grades, welcher die kräftigen Kälteempfindungen 
mit ihrem wohlbekannten Einfluss auf Psyche und mit ihren charak¬ 
teristischen Reflexen hervorruft, so muss auch eine Untersuchung der 
Schmerzempfindlichkeit der Haut in einer Bestimmung des Reizes be¬ 
stehen, der diese schwachen, noch nicht schmerzhaften, stechenden 
Sensationen hervorruft, auch wenn sie erst bei grösserer Intensität den 
Namen Schmerzsensationen wirklich verdienen. Ich gestehe, dass es 
unangemessen erscheinen kann, dass eine Bestimmung des Schwellen¬ 
wertes des Schmerzsinnes in einer Bestimmung von noch nicht deut¬ 
lich schmerzhaften Empfindungen besteht, aber das Unangemessene 
liegt in dem Namen Schmerzsinn, nicht in der Sache. 
Dass bei der Mehrzahl der bisher gemachten Untersuchungen auf 
den hier hervorgehobenen Umstand Rücksicht nicht genommen ist, 
ist ganz natürlich. Teils war bei den meisten Untersuchungsmethoden 
die Graduierung des Reizmittels nicht fein genug, um überhaupt dies 
Stadium der noch nicht deutlich schmerzhaften, stechenden Empfin¬ 
dungen zu zeigen, teils verführt der Name Schmerzsinn dazu, die 
Schwelle des Schmerzsinns in das Auftreten wirklich schmerzhafter 
Sensationen zu verlegen. Aber ebensowenig wie der Name „Druck¬ 
sinn“ verhindert hat, dass die Schwelle dieses Sinnes durch die eben 
merkbaren Berührungsempfindungen, nicht durch eine deutliche Druck¬ 
empfindung repräsentiert wird, ebensowenig, hoffe ich, wird in dem 
Falle des Schmerzsinns der Name die Erkenntnis des wirklichen Sach¬ 
verhalts verhindern. 
Hier oben ist hervorgehoben, dass, wenn es mehrere verschiedene 
Hautschmerzqualitäten gibt, jede für sich untersucht werden muss. 
Es entsteht also die Frage, wie die Frage von der Existenz verschie¬ 
dener Schmerzqualitäten zu beantworten ist. 
Dass unsere Schmerzempfindungen sehr verschiedener Art sein 
können, ist eine alltägliche Erfahrung, und damit hängt zusammen, 
dass der Sprachgebrauch für die nähere Spezialisierung über eine ganze 
Reihe von Bezeichnungen verfügt; so spricht man von stechendem, schnei¬ 
dendem, drückendem, ziehendem, dumpfem, brennendem, klopfendem 
etc. Schmerz. Diese Unterschiede sind grossenteils nicht durch wirk¬ 
liche Qualitätenunterschiede der durch die Schmerznerven ausgelÖsteu 
1) Thunberg, Skand. Arch. f. Physiologie 12. 399. 1901.
        

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