Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über die Sinnesfunctionen der menschlichen Haut. Erste Abhandlung: Druckempfindung und Schmerz
Person:
Frey, Max von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29425/87/
85] Untersuchungen über die Sinnesfunctoinen der menschlichen Haut. 253 
entsprechend steigen, wenn Schmerz auftreten soll. Namentlich kann 
gegen schmiegsame Objecte grosse Gewalt gebraucht werden, ohne 
dass der Angreifer Schmerz empfindet. Dabei geht die Druck¬ 
empfindung an den zuerst berührten Stellen relativ zurück, nicht 
nur weil die Berührungsfläche wächst, sondern weil damit auch das 
Druckgefälle im Innern der Haut abnimmt, oder gar wie bei dem 
MÉissNER’schen Versuch Null werden kann. 
Elfter Abschnitt. 
Anatomische Betrachtungen. 
Auf Grund der vorstehend beschriebenen Erfahrungen lässt sich 
die Frage nach den nervösen Einrichtungen, durch welche Druck- 
und Schmerzempfindung der Haut vermittelt werden, schärfer stellen 
und beantworten. Vor allem ist hervorzuheben, dass für keine der 
beiden Empfindungsarten die Haut als eine gleichmässig reizbare 
Fläche sich erwiesen hat, dass yielmehr die Empfindlichkeit in ge¬ 
wissen Punkten concentrirt ist, zwischen welchen Reize nur dann 
wirksam werden, wenn sie sich auf die benachbarten Punkte aus¬ 
breiten. Auf diese Orte ist also die sinnesphysiologische Function 
der Haut beschränkt und es kann nicht zweifelhaft sein, dass in ihnen 
jene nervösen Einrichtungen zu suchen sind, welche in der Einleitung 
als die Sinneseinheiten oder Sinneselemente der Haut bezeichnet 
wurden. 
Was zunächst die Druckempfindung anbelangt, so ist directe 
Nervenerregung ausgeschlossen und das Vorhandensein besonderer 
Empfangsorgane noth wendig, nicht nur durch die niedrigen mecha¬ 
nischen Reizschwellen im Vergleich zu denen der Nerven1), 
r) Die Deformationsarbeit, welche zur mechanischen Erregung der Nerven 
einerseits, der Haut anderseits nöthig ist, lässt sich mangels genügender Versuchs¬ 
daten nicht genau angeben, wohl aber ihrer ungefähren Grössenordnung nach 
schätzen. Tigerstedt (29) fand als kleinste noch wirksame lebendige Kraft des 
Reizes für einen Froschischiadicus 0.2 gr/mm. Die Deformation wurde erzeugt 
durch einen Kupferdraht von etwa 1 mm Durchmesser, welcher auf den Nerven 
herabfiel und auf denselben quer zu liegen kam. Nimmt man für den Nerven eben¬ 
falls einen Durchmesser von 1 mm an, so ist die deformirte Fläche 1 mm2, wobei die 
Wölbung des Drahtes wie die des Nerven vernachlässigt wird. Anderseits finden 
sich unter den Versuchen mit der Schwellenwage wiederholt Drucksehwellen von
        

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