Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über die Sinnesfunctionen der menschlichen Haut. Erste Abhandlung: Druckempfindung und Schmerz
Person:
Frey, Max von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29425/74/
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Max von Frey, 
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schwelle, sodass für diese Reize die Organe der Schmerzempfindung 
anscheinend oberflächlicher liegen. 
Die andere Annahme, dass der Schmerz durch starke Erregung 
beliebiger Nerven entstehe, lässt erwarten, dass jene Punkte der 
Haut, welche für Berührung am empfindlichsten sind, auch am leich¬ 
testen schmerzhaft erregbar sein werden. 
Diese Folgerung ist bei Benutzung von Reizhaaren oder des 
früher beschriebenen Aesthesiometers leicht zu prüfen. Der Versuch 
wird zweckmässig an behaarten Stellen ausgeführt, weil durch die 
Vertheilung der Haare bereits ein Hinweis auf die Lage der Druck¬ 
punkte gegeben ist. Tastet man mit einem Reize von 50 bis 60 
Druckeinheiten ein kleines, haarloses, von einer Anzahl Haare um¬ 
standenes Hautfeld ab — es soll weiterhin als Zwischenhaarfeld 
bezeichnet werden ■— so wird man stets von mehreren Stellen des¬ 
selben schmerzhafte Empfindungen auslösen, eine bestimmte topo¬ 
graphische Beziehung dieser Stellen zu den in bekannter Weise ver¬ 
theilten und leicht nachweisbaren Druckpunkten aber nicht nachweisen 
können. Man kann eine schmerzhafte Stelle ebensowohl in nächster 
Nähe des Druckpunktes oder (für die erreichbare Genauigkeit der 
Ortsbestimmung) mit ihm zusammenfallend finden, als auch in allen 
möglichen Entfernungen bis zur Grösse des Halbmessers des Zwischen¬ 
haarfeldes. Die Stellen maximaler Empfindlichkeit für 
schmerzhafte Deformation fallen demnach im Allgemeinen 
nicht mit den Druckpunkten zusammen. 
Eine isolirte d. h. von Berührungs- und Druckempfindung freie 
Erregung der schmerzhaften Stellen ist auf diese Weise allerdings 
nicht erreicht. Es bedarf aber nur geringer Abänderungen des Ver¬ 
suchs, um auch dieser Forderung zu genügen. Dieselben sind: 
Verkleinerung der Reizfläche, 
Wahl grosser Zwischenhaarfelder, 
Maceration der Epidermis. 
Die Verkleinerung der Reizfläche liesse sich verwirklichen, indem 
man sehr feine Kopfhaare (Kinder- oder Frauenhaare) als Reize wählt; 
doch müssen diese zur Erzielung der nöthigen Kraftwerthe sehr kurz 
genommen werden, was, wie oben erwähnt, der gleichmässigen Wirk¬ 
samkeit der Haare abträglich ist. Durch ihren starken Biegungs¬ 
widerstand empfehlen sich für den Versuch Pferdehaare, denen man
        

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